Meine Güte, was war das für ein schöner Wintertag, nicht auszuhalten! Ein Tag wie gemalt und die Sonne lachte und lachte und lachte. Ich konnte nicht anders, als ich am Spätnachmittag an der Eins aufteete: Ich lachte mit! Ich hatte nur noch etwa eine halbe Stunde Zeit bis zur herein brechenden Dunkelheit, aber ich musste raus, raus auf den Platz. Während ich so dastand und den Moment der untergehenden Sonne genoss, schaute ich mich um. Außer mir schien niemand mehr draußen zu sein … eine friedliche Stille überkam mich nach einem recht anstrengenden arbeitsreichen Tag.
Als ich merkte, wie schnell mich fröstelte, griff ich nach meinem Holz 3 und schwang mich ein wenig ein. Die müden Knochen gaben seltsame Geräusche von sich, eine Krähe schreckte auf … hmm … ein Ergebnis zu langen Schreibtischhockens wie mir schien. Am Horizont sah ich den Schornstein, der eine weiße Rauchfahne aufsteigen ließ, kerzengeradeauf – es war windstill, bemerkenswert windstill. Tage der Windstille fallen inzwischen auf, es gibt sie nicht allzu häufig, meine ich, irgendwie scheinen diese Tage auch immer seltener zu werden. Man möchte meinen, dass sich die Natur an der Idee der Energieerzeugung durch Windkraft mehr und mehr erfreut. Ja ja, Tage der Windstille sind bemerkenswert…
Ich schlug den ersten Ball ab. In der Kürze der Zeit des verbleibenden Tageslichts wollte ich wenigstens mit ein paar Bällen zwei Bahnen rauf und runter spielen. Der erste Abschlag war so was von gehackt, dass der Ball nach 30 Metern regelrecht runter fiel. Nicht zum ersten Mal denke ich, dass ich das Denken beim Schwingen endlich einmal einstellen sollte. Aber wie so häufig musste ich mitten in der Ausholbewegung an irgendetwas denken. Dieses Mal dachte ich daran, dass wir im letzten Winter soviel Schnee hatten, dass hier „im Revier“ eigentlich nur noch Berge und Skilift gefehlt haben und ich dachte auch an den Frühling, der nicht mehr lange auf sich warten lassen wird und die ersten Vögelchen, die morgens früh ihre fröhlichen Gesänge anstimmen werden und an mein Auto, was noch eine größere (und leider auch etwas kostspieligere) Reparatur vor sich hat, was aber sein muss, weil mir mein Automobil es dankt, wenn wir unsere diesjährigen Reisen antreten werden. OK, ich denke zuweilen ein bisschen sehr viel während meiner Ausholbewegung, zugegeben, aber ich bin nicht in Eile, nichts und niemand drängt mich, einfach wunderbar…
Die nächsten drei Abschläge flogen in die Dämmerung dahin. Dahin, wo ich sie am liebsten sehe, auf dem Fairway. Sie lagen in etwa auf gleicher Höhe, allerdings unter Einbeziehung der ganzen Fairwaybreite. Aber was soll’s? Dafür ist das Fairway doch auch da, nicht wahr?
Meine Hände wurden mit einem Male spürbar kälter (ich spiele stets ohne Handschuhe, weil ich sowieso immer kalte Hände hab), die Griffe der Golfschläger und auch die Bälle fühlten sich sehr rasch eiskalt und steinhart hart an, aber innerlich ward es mir wohlig warm. Es war wunderprächtig, hier draußen zu sein, ich spürte noch immer meine vom mit der Sonne mitlachen verzerrten Gesichtszüge, konnte mich einfach nicht einkriegen. Was war los? Überkamen mich etwa schon Frühlingsgefühle? Freute ich mich schon derartig auf die kommende Saison, dass ich es kaum mehr abwarten konnte? Herrlich! Noch war es Winter, noch … ich schulterte meine Tasche und schlenderte fröhlich trällernd meinen vier Golfbällen entgegen…
Gutgelaunte Grüße,
Frau Oelmann