Golf-Olymp(ia) für Martin Kaymer und Alex Cejka

Sonntag, der 14.08.2016, 13 Uhr MEZ: Der Vorbericht der ARD ließ erahnen, dass der Golfweg ganz sicher noch ein etwas längerer werden würde zur Erreichung des anvisierten (Trauma-?) Ziels „Golf, ein Breitensport“ – zumindest in deutschen Landen. Vorberichte, die das Spiel als solches erklären wollten und nur mehr rechts als schlecht konnten sowie reihenweise Versprecher der Reporter, die sich ansonsten zumindest wirklich alle Mühe gaben, professionell zu wirken.

Es war schön, dass bei 60 Teilnehmern über 4 Tage auch zwei Deutsche Golfer dabei waren, Martin Kaymer und Alex Cejka. Bernhard Langer allerdings nicht, schade … eine lebende Legende des Golfsports bei einer legendären Wiederaufnahme dieser Sportart bei Olympia, war Golf zuletzt Anno 1904 (!) olympische Disziplin.

Martin Kaymer gab sich in den Tagen vor dem Turnier der Journaille gegenüber sehr entspannt, ließ wissen, dass er sich vorgenommen hatte, unbedingt einen Podestplatz erspielen zu wollen. Vielleicht war er an den ersten Turniertagen ein wenig zu entspannt, denn vor dem Abschlag am heutigen letzten 4. Spieltag hatte er keine Chance mehr auf eine Medaille (er startete die Runde mit Even Par), da Henrik Stenson (SE), Justin Rose (GB) und Marcus Fraser (AUS) bis dahin jeweils bereits 12, 11 und 9 Schläge besser gespielt haben. Es ging für Kaymer nur noch um einen versöhnlichen Abschluss – und dasselbe galt auch für Alex Cejka.

Seit 13 Uhr blieb das Fernsehgerät eingeschaltet. Zumindest die Live-Übertragung des Abschlags von Martin Kaymer an der 1. Bahn durften wir live erleben, wie gewohnt ein schöner Fade Mitte Fairway. Dann wurde sofort umgeschaltet zum Damen-Marathon. Würde ich gefragt, zählte ich diese Sportart, aus der Zuschauerbrille betrachtet, mindestens genauso aufregend wie die Golfberichterstattung. Marathon indes zählt bereits zum Breitensport, wie hat diese Sportart das nur geschafft?

Nach fünf Löchern lag Kaymer für den Tag 1 unter Par, Cejka bei 3 unter, während der Marathon-Live-Berichterstattung dem Internet zu entnehmen. Ob die beiden solch einen Score wohl als versöhnlich bezeichnen würden? Andererseits steht bei Olympia für manch einen Sportler vielleicht doch ursächlich der „Olympische Gedanke“ im Vordergrund?!

Die Regie wechselte hinüber vom Marathon zum Springreiten. Die Pferde sahen alle sehr edel aus und ganz sicher sind sie es auch. Der Kommentator klang sehr sattelfest, extrem professionell – im Vergleich zur Golfberichterstattung. Wegen ihm konnte man direkt zum Pferdesport-Fan werden, so begeisternd war seine Berichterstattung. Und so spannend, als wäre man live dabei gewesen!

Endlich kam die letzte Gruppe ins Bild: Stenson, Rose und Fraser. Aber nur kurz, denn sofort ging es weiter zu den Handballdamen, wo in einer Zusammenfassung gezeigt wurde, dass Montenegro durch die Brasilianerinnen in die Schranken verwiesen worden sind (29 : 23 Sieg BRA, die damit das Viertelfinale erreicht haben) … und wieder rüber zu den Marathon-Läuferinnen, die ihrerseits schon gut 1,5 Stunden unterwegs waren. Unsere deutschen Damen liefen unter ferner liefen … wie erging es inzwischen wohl Kaymer und Cejka?

Apropos 1904: „Rosa Luxemburg wird vom Amtsgericht Zwickau wegen Majestätsbeleidigung zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt. Während des Wahlkampfes 1903 hatte sie Kaiser Wilhelm II. Inkompetenz vorgeworfen“. (Quelle: Wikipedia)

Synchronschwimmen, die einzige olympische Disziplin, die ausschließlich von Damen ausgeübt wird, ließ uns der Reporter wissen. Okay, warum nicht. Es ist einigermaßen schwer vorstellbar, dass sich eines Tages auch die Herren mit Nasenklammern dekoriert einer musikalisch dramatischen (Unter-)Wasser-Tanzvorstellung hingeben würden, die Beine in die Höh‘ gestreckt. Andererseits ist hier Körperspannung gefragt, heißt es – wie beim Golfschwung!

Golf. Was machten Kaymer und Cejka? Kaymer mit Eagle an der 10, nach 11 Löchern 4 unter, Cejka nach 10 Löchern nur noch 2 unter, zu lesen im Internet, dann wurde überraschend wieder rüber geschaltet zum Marathon. Da es noch immer keine Bilder der drei Führenden Stenson, Rose und Fraser gab, schaute ich mal wieder im Internet nach dem Stand der Dinge. Olympia kann auch für Zuschauer ziemlich anstrengend werden!

Zurück aus der Küche (es gab Putenschnitzel an Lauchgemüse abgelöscht mit Weißwein, sehr köstlich!) verpasste ich den Zieleinlauf der Marathoniken, aber wozu gibt es Internet: Gold für Jemima Sungong aus Kenia, Gratulation! – und wieder zurück zum Springreiten. Gott, was waren das alles aber auch für schöne Tiere! Und es schaute jederzeit anmutig und leichthufig aus … Daniel Deusser für Germany ein Null-Fehler-Ritt! … ob die Tiere wohl gerne springen? Ich gedachte meiner Knieprobleme…

Rose und Stenson gaben sich die Naht: 15 + 14 unter Par nach fünf Löchern, Kaymer und Cejka hielten sich wacker, zu lesen im Internet. Und dann plötzlich: Stenson live im TV! – der Marathon war ja auf einmal zu Ende. Er haute an der 6. Bahn, ein Par 3, ein schönes Divot, was der Kommentator mit den Worten quittierte: „…da hat jetzt aber der Rasen gespritzt!“. Stenson war ziemlich genervt, welch Getöse die Zuschauer am Abschlag machen, anstatt die Luft und damit das Universum anzuhalten, wenn er abschlagen wollte. Zweimal musste er absetzen … ob auch Golfer unter den Zuschauern und Reportern waren? In einer Zusammenfassung dozierte ein Reporter über Markus Kaymer.

Kaymer spielte zum Schluss an der 18. Bahn noch einmal ein schönes Birdie und beendete das Turnier mit insgesamt -5, Cejka beendete mit -3. Alles in allem wohl passable Platzierungen am Zuckerhut für unsere deutschen Golfer unter olympischen Bedingungen. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass wir durch zwei Top-Sportler in unserer Randsportart Golf vertreten wurden. Es gibt genug Golf-Profis, die nicht ansatzweise einen olympischen Gedanken aufbringen konnten und fernblieben. Alles in allem also ein versöhnlicher Abschluss.

Olympische Grüße,

Frau Oelmann

Nachtrag: Sieger und damit Golfmedaillen-Gewinner wurde Justin Rose … oder heißt er Dustin? Jedenfalls: Herzliche Gratulation, Herr Rose!

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