Besuch des Golfclubs „Golfriege ETuF Essen e.V.“ am 16.11.2008

Interview mit Hans-Wilhelm Stremmel, Spielführer + Pressewart

Wir möchten Ihnen heute den Golfclub ETuF am Essener Baldeney- See vorstellen.

Bereits die Anfahrt zum Club lässt jeden Golfer schon erahnen, dass es unabhängig vom Spielergebnis eine sehr schöne Runde werden wird: Herrliche Wälder rund um den Baldeney- See verbunden mit idyllischem Ambiente der umliegenden Hügellandschaft.

Sabine Oelmann: ETuF = Essener Turn- u. Fechtclub, gegr. 1884 am Baldeney- See. Weitere klassische Sportarten wie Segeln, Rudern, Tennis über 100 Jahre hinweg. Golf seit 1962. Mitbegründer des ETuF ist Alfred Krupp, der „Kanonenkönig“. Was ist das für ein Gefühl, auf historisch derart bedeutsamen Wurzeln abzuschlagen?

Hans-Wilhelm Stremmel: Die erste Golfrunde im ETUF war für mich tatsächlich etwas Besonderes. Ich spielte Golf auf einem geschichtsträchtigen Boden und in ebensolcher Umgebung. Eine Umgebung übrigens, die –mit Verlaub- an Naturschönheiten kaum zu überbieten ist. Erstaunlich ist, dass sich bis heute an diesem Gefühl nichts geändert hat. Schließlich ist der ehemalige Generalbevollmächtigte der Krupp-Dynastie und heutige Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Herr Prof. Berthold Beitz, im ETUF stets gegenwärtig und von uns allen hoch verehrt. Seinen Leistungen und Verdiensten kann man nur mit Hochachtung begegnen. Und das prägt einen Verein nachhaltig.

SO: Die Anlage befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Kruppschen Gärtnerei zu Füssen der Villa Hügel. Da ist es kaum eine Überraschung, dass ein Golfclub so nicht heißt, sondern „Golfriege“. Woher rührt dieser Titel und klingt das nicht ein wenig angestaubt?

HW St: Wir Golfer stehen gerne dazu, dass wir nur ein Teil eines Groß-Vereins sind. Mag man diesen Teil Sparte, Riege oder Abteilung nennen? What shell`s? Wir alle sind der ETUF, und nur das zählt wirklich bei uns.

SO: Die „Golfriege“ mit seinen derzeit 470 Mitgliedern ist sehr sportlich organisiert. Es findet qualifizierte Jugendarbeit statt. Sie stellen bereits mehrere Spielerinnen und Spieler für die Deutsche Golf-Nationalmannschaft ab. Dank Ihrer Jugendarbeit verfügen Sie über weiteres Potential. An Nachwuchs fehlt in vielen Golf-Clubs: Wie rekrutieren Sie Nachwuchs, was ist Ihr Konzept?

HW St: Wer die Jugend verschmäht, hat die Zukunft verpasst. Alle Riegen (oder Sparten oder Abteilungen) dürfen sich rühmen, eine gute Jugendarbeit zu leisten. Das spricht sich rum. Wir Golfer haben uns außerdem dem Thema Schulgolf angenommen. Bereits seit mehreren Jahren haben wir zweimal wöchentlich Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums bei uns zum Training. Auch daraus resultieren Mitgliedschaften.

SO: Die Golfschule setzt sich aus 2 Golflehrern zusammen (eine Proette, Diana Chudzinski,  ein Pro, Stephan Wiedeking) Sind die beiden Golflehrer nur für die Mitglieder der Golfriege da oder kann jeder kommen?

HW St: Wir bieten selbstverständlich Schnupperkurse an. Unsere Golflehrer sind aber auch gerne bereit, Interessenten Einzel-Unterricht zu erteilen. Dazu benötigt man keine Mitgliedschaft.

SO: Herr Stremmel, Sie sind 2008 bereits zum 5. Mal Clubmeister in ETuF geworden. Herzlichen Glückwunsch! Sprechen Sie schon jetzt von gewöhnlich oder hat auch eine 5. Clubmeisterschaft noch eine besondere Bedeutung für Sie?

HW St: Da muss ich Sie leider korrigieren. Ich bin wohl mehrfacher (4) Senioren-Clubmeister. Clubmeister jedoch war ich nur ein einziges Mal. Senioren-Clubmeister ist nicht gleichzusetzen mit Clubmeister. Der Clubmeister ist der absolut Beste im gesamten Club. Da ist in den meisten Clubs ein gewaltiger Unterschied. Böse Zungen behaupten, die Senioren-Clubmeisterschaft sei die Meisterschaft im konzentrierten Wandern.

SO: Ihre Clubhaus- Gastronomie mit Tatjana + Marco werben für: „Vertrautheit und Lachen. Zwanglos. Offen. Quatschen und lästern. Nicht den Bauch einziehen müssen. Das Leben ist schön.“  Stehen diese Maxime nicht in krassem Gegensatz zum Golfspiel? Das gibt es kaum etwas zu lachen, man steht mit jedem Schlag unter Zwang. Das Leben ist dann selten schön.
Wie schaffen es Tatjana + Marco an „Loch 19“ Brücken zu bauen zwischen einem Dolce Vita und „Dem Tal des Todes“ (O-Ton Eugen Pletsch in „Der Weg der weißen Kugel“)?

HW St: Die Beiden haben vollkommen recht. Golfen ist erst dann schön, wenn man alle Zwänge und Verkrampfungen abwerfen kann und erkennt, dass es im Leben wichtigere Dinge und größere Probleme gibt, als wir sie uns mit dem Golfsport vielleicht machen. Die Probleme, die Sie ansprechen, sind doch allesamt selbst gemacht. Und wenn ein Doppel-Bogey ein Problem ist, was ist dann eine Krebserkrankung, eine dauerhafte Lähmung, der Verlust eines geliebten Menschen? Alles klar? Wir sollten jeden Moment genießen, den wir auf einem schönen Golfplatz bei Sonnenschein erleben dürfen. Das ist Lebensqualität pur. Und auf diese Sonnenseite des Lebens sollte ein Doppel-Bogey einen Schatten werfen dürfen? Die Antwort darauf, und das ist die einzige Härte, muss sich jeder selbst geben.

SO: Wir danken Ihnen für Ihre Gastfreundschaft und für dieses Gespräch.

www.cybergolf.de

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