Rheingolf 2009. Freitag, der 13.

Golfklischees.

Immer wieder beobachtete ich die illustre Gesellschaft der Messe- Besucher. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass sich die Besucher mit einer Aura der allseits bekannten, altmodischen Klischees umgaben. Vielmehr erlebte ich ein artenreiches Völkchen in vielen Farben und Facetten (übrigens erlebe ich diese bunte Vielfalt auch auf Golfplätzen). Was wiederum bedeutet, dass am bestehenden Klischee noch viel gearbeitet werden kann…sofern man daran etwas ändern möchte.

Die Reise- und Wellnessmeile.

Nach letzten Pressemeldungen soll die Golf- Branche 2008 einen Zuwachs von 4,1% erlebt haben, Tendenz weiter steigend…für mich ein Grund, endlich mal meine erste Golfmesse zu besuchen. Mein Handicap: Ich bin eine Frau, die mit links spielt und somit die Proshop- Parias unter den Golfern. Für uns gibt es fast nichts. Alles muss bestellt werden. Aber davon später. Ich bin erstmal über die Reise- und Wellnessmeile geschlendert und habe mich treiben lassen.

Das Bewusstsein für Gesundheit und Wohlempfinden ist inzwischen tief verankert im alltäglichen Sein unserer Gesellschaft. Ob es sich um Anbieter für humanitär erzeugte Soya- Produkte (frei von Gentechnik!) handelt, Magnetschmuck mit Wellness in Verbindung gebracht wird oder Trainingskonzepte der Wellness zugeordnet werden. Und Hotels sowieso: Das bedeutet Reisen, Erholung und somit Wellness. Der in den 50er Jahren in den USA geprägte Begriff Wellness (Well-being & Happy-ness) hat in Wohlstandsgesellschaften inzwischen große wirtschaftliche Bedeutung erlangt und ist beinah zu einer lebensnotwendigen Existenzfrage empor gestiegen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die Wertigkeit von Wellness im Grundgesetz verankert wieder finden. Übrigens, mit Wellness assoziieren wir auch einen Schoppen Wein. Die hier vertretenden Weingutsherren haben den Umständen entsprechend Wellness- Oasen geschaffen, welche dankbar aufgesucht wurden

Ich stand wohl längere Zeit in Gedanken verloren vor den schönen Bildern eines sehr schön angelegten Messestandes, als ich plötzlich angesprochen wurde. Es handelte sich um Eric Grandison, ein sehr freundlicher PGA- Pro mit eigener Golfschule sowie eigener Reiseagentur, der wunderschöne Reiseziele in Schottland anbietet. Ein sehr freundlicher, engagierter und überzeugender Mann, dem man es abnimmt, dass der Ursprung des Golfspiels nur in Schottland sein kann und während er noch über seine Heimat dozierte, hatte ich in Gedanken bereits meine Koffer gepackt. Er kredenzte einen köstlichen Whiskey und etwas Gebäck, was das Reisefieber augenblicklich in die Höhe schnellen ließ! Sobald es mir möglich ist, werde ich hinfahren.

Die kulinarischen Ergüsse auf der Messe waren sehr begrenzt (wo gab es eigentlich die inzwischen weltberühmte, für Messen übliche, Bockwurst mit oder ohne Senf?). Ich erwähne das nur, weil Messeluft Appetit erzeugt. Aber die Rheingolf ist schließlich nicht die anuga, also gab ich mich zufrieden.

Der VcG.

Mein Begleiter ist Mitglied bei der VcG und so haben wir uns dort am Stand eingefunden. Es entwickelte sich sogleich ein angenehmes Gespräch zwischen einer sehr netten Mitarbeiterin, meinem Begleiter und mir (ich bin  seit kurzem Clubmitglied in einem dem DGV angeschlossenen Club). Ich kann nicht sagen, dass es zu einer kontroversen Diskussion gekommen ist. Die Interessen des VcG entsprechen keinesfalls ihrem stets vorauseilenden Ruf. Der VcG kümmert sich intensiv um Golfeinsteiger mit dem Ziel, dass diese dann eines Tages in den Clubs melden. Den hier vorgetragenen, Argumenten konnte ich vorbehaltlos zustimmen. Schade, dass gerade kein Repräsentant des DGV zur Stelle war…

Schläger für den Homo Sapiens.

Das Aufwärmen zur Schlagvorbereitung hatte ich bereits durchgeführt und begab mich – auf Hinweis meines Begleiters – zu Thomas Walk. Um es vorweg zu nehmen: Ich hatte angekündigt, dass ich mich freuen werde, überall nach Herzenslust drauf zu hauen. Diese Herzenslust spürte ich am meisten bei ihm. Er hatte zu meiner großen Überraschung und Freude ungezählte Golfschläger für Linkshänder parat stehen. Dieses Sortiment ließ keinen meiner Wünsche offen. Besonders bemerkenswert war seine Aussage, es gäbe beim ihm keine Herren- oder Damenschläger. Bei ihm gebe es nur Schläger für den Homo Sapiens!

Schlägertechnik- Diskussionen auf technischer oder wissenschaftlicher Ebene überlasse ich allen Experten und all’ denjenigen, die glauben, ebensolche zu sein. Ich sage nur eins zu seinen Schlägern: Es sind keine Schläger, es sind Streichinstrumente. Mit diesen Instrumenten werden die Bälle nämlich gestreichelt, eine Wonne!

Ich war dann noch an seiner Meinung zu Mike Klais interessiert. Er schätzt die Arbeit von Mike Klais und ließ mich wissen, dass auch er sehr gute Schläger baut. Ergänzend fügte er aber dann noch hinzu, dass das besondere der Golfschläger Mike Klais’, lineare Schwingungen der Schäfte zu erreichen, ohnehin in seinem Schlägerbau berücksichtigt würde. Darüber hinaus bindet Thomas Walk sein MOI- Prinzip in seine Schlägerfertigung mit ein.

Die Linkshänderin.

Der anschließende Rundlauf auf den vielen, vielen Abschlageinrichtungen war eine interessante Erfahrung insofern, als das alle Anbieter mehr oder eher weniger Schläger, und hier insbesondere Driver, für Linkshänder mitgebracht hatten (einer fand sich aber immer). Hier und da erlebte ich, dass die Mitarbeiter einiger Anbieter ziemlich geringschätzig meine Wünsche behandelt haben: Bei Titleist/Cobra übergab man mir freundlich einen Driver, dann jedoch verschwand mein Berater jäh zur Zigarettenpause.

Den gröbsten Schnitzer erlaubte sich ein junger Mann bei Taylor Made. Auf meine Anfrage nach einem passenden Tee – das vorhandene war nicht 55 mm sondern beinah Knie hoch – mit der Bemerkung abtat „nee, das passt schon!“ und verschwand.

Bei McGregor war ein scheinbar freundlicher junger Mann, der nach einigem Suchen nach einem Linkshänder- Driver auch einen fand, mich dann aber mir selbst überließ. Er sagte mir noch, dass die Ergebnisse in Indoor- Anlagen zu keinen echten Ergebnissen führen würden. Ich solle am Demo- Tag von McGregor noch mal vorbeikommen, dass wäre das einzig Richtige.

Alles in allem betrachtet, äußert sich Fachkompetenz für mich etwas anders.

Eigentlich wollte ich an diesem Tag nicht schon wieder über Diskriminierung gegenüber (Linkshänder) golfenden Frauen nachdenken, was aber im Laufe des Tages hier und da leider nicht ganz zu verhindern war. Liebe Damen, machen wir uns nichts vor: Golf ist nach wie vor primär noch ein Herrensport.

Die ganze Messelektronik der Schwunganalyse- Gerätschaften z. B., die wirklich toll aussieht und – zumeist von Herren – in Anspruch genommen wird. Wenn wir Frauen an dieser Stelle ehrlich sind, wollen wir uns nicht gerne mit dieser Intensität und allen zur Verfügung stehenden Auswertungen, die diese Geräte ermöglichen, (noch) nicht so akribisch befassen. Hier nehmen wir es gelassen hin, dass sich die Herren an diesen Geräten scheinbar endlos in Analysegesprächen verlieren können.

Schleichend hat sich dann irgendwann so etwas wie Übersättigung eingestellt. So viele unterschiedliche Schläger, so viele Schläge…das Feingefühl, die Motorik, die Motivation…haben sich zu nehmend zurückgezogen.

Neuheiten?

Schlichte, manuelle Trolleys gab es so gut wie keine zu besichtigen, eine absolute Randerscheinung. Offensichtlich ersticken TiCad und JuCad jeden weiteren Bedarf im Ansatz. Aber ich darf ohne Scham sagen, dass die jeweilige Preisgestaltung nicht meinem Salär entspricht.

Mit einer wirklichen Neuheit – nach eigener Aussage – hat sich die Firma BoxBag mit magnetischen Taschen vorgestellt. Auf der Rückseite der Taschen sind Magnete eingenäht worden. Kleinere Taschen in vielen Varianten, bis zu 6 kg Zuladung, welche für Tüddelkram (Tees, Bälle, Flachmann, uvm.) angedacht ist und einfach an die Spindwand angeheftet werden können. Für Ordnungsfetischisten eine wahrlich gute Erfindung. Aber wie reagieren Chipkarten auf Magnete?

Ansonsten habe ich für einen guten Zweck geputtet und für den Eigennutz gechippt (hier konnte man Preise gewinnen beim Hole in one). Das war ganz nett…

Es verabschiedet sich, noch immer ein wenig beeindruckt von ihrem ersten Golfmesse- Besuch,

Frau Oelmann

9 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    17. März 2009 um 19:05

    Hallo Thomas,
    also ich sehe das genauso wie rebel, Du bist Regen gewohnt. Im Übrigen ist ein warmer Sommerregen u. U. doch etwas sehr schönes!
    Ich werde eines Tages nach Schottland fahren, schon allein deshalb, da rebel für die Schotten als „wirklich nette Menschen“ derartig die Werbetrommel rührt. Und all‘ die ganzen Bilder der schönen Golfplätze sprechen für sich…
    Liebe Grüße,
    Frau Oelmann
    P.S.: Wie war das noch mit dem „Sage niemals nie“?!! :-)

  2. rebel said,

    16. März 2009 um 19:54

    Hallo Thomas,

    trau keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.
    Wenn du Regen schon gewohnt bist, dann hast du doch nichts zu befürchten…
    Schottland hat nicht nur Regen zu bieten, Golfplätze sind auch nur ein Bestandteil der Unglaublichen Landschaft und der wirklich netten Menschen dort drüben.

    Diese Bilder kannst du nur dort sehen:
    [img]http://www.mietkoch-michael.de/rebel/reiseberichte/uk_01/bilder/tag_24_loch%20_garry.jpg[/img]

  3. Thomas said,

    16. März 2009 um 17:50

    Schottland ist wohl sozusagen ein Must-Fly-To Ziel für den sich selbst erklärten Golfenthusiasten. Fahr‘ ich aber wohl trotzdem nie hin. Laut zahlreicher Artikel über den Landstrich im Norden regnet es ja dort noch mehr als hier in Norddeutschland. Das wohl einzige Erkennungsmerkmal des Sommers in SCO ist wohl, dass der Regen wärmer wird … obwohl – für mich als Warmduscher ?! ;-)

    Gruss, Thomas.

  4. rebel said,

    26. Februar 2009 um 11:35

    Das hört sich doch schon mal ganz anders an. Schottland, Whisky und Golf gehören für mich zusammen (plus ein paar andere Kleinigkeiten ohne die ich mir Schottland nicht vorstellen könnte)
    Was das deutsch Sprechen angeht, schottisch hört sich doch so Klasse an (wenn es nicht aus Glasgow kommt ;) )

  5. Eugen Pletsch said,

    25. Februar 2009 um 19:45

    Hi rebel,
    natürlich braucht man keinen Reiseveranstalter, um nach Schottland zu fahren. Aber Eric, den Frau Oelmann erwähnt, ist nicht irgendein Reiseveranstalter. Er ist Golfpro, spricht gut deutsch, hat erstklassige Kontakte für Startzeiten, um Dich auf Plätze zu bringen, von denen Du sonst nur träumst. Ach ja: und er hat einen guten Whiskey.
    Nein, er ist schon eine Type. Er hat sich auf ein spezielles Training fur kleine Gruppen und Einzelspieler spezialisiert, die das „schottische“ Golf lernen möchten. Guter Typ

    Gruß
    Eugen

  6. rebel said,

    19. Februar 2009 um 18:48

    Ich würde so schnell wie möglich fahren.

    Ein paar Gründe die dafür sprechen:
    1. der Wechselkurs ist mehr als günstig
    2. das Land ist Fantastisch
    3. die Menschen sind noch viel besser
    4. Leider wird die Natur auch dort zurückgedrängt, im Raum Aberdeen will D. Trump eine Golfresort in ein Naturschutzgebiet bauen und hat leider auch gegen den Protest der Umlandgemeinden den Zuschlag bekommen. Wenn man also den Bereich noch mal Unberührt sehen will, muss man sich beeilen.

    Hab ich was vergessen? Sicherlich, also auf auf. Nicht nur planen – sondern auch fahren…

    lG
    rebel

  7. Frau Oelmann said,

    19. Februar 2009 um 18:17

    Hallo Rebel,
    freut mich, wenn Dir mein Messebericht gefallen hat.

    Ja, ja…Schottland, nette Menschen, treiben lassen und spielen und geniessen… Danke für Deinen Schottland-Bericht. Da blüht mein Reisefieber gleich wieder auf. Ich werde fahren, sobald ich kann, das ist nur eine Frage der Zeit!

    Du würdest sofort wieder hinfahren, wenn….?
    Gruß
    Frau Oelmann

  8. rebel said,

    19. Februar 2009 um 17:45

    Ach so, eine Reiseveranstalter braucht man für Schottland nicht wirklich. Lass dich treiben und spiele auf den Plätzen die links und rechts von dir verbei kommen…

  9. rebel said,

    19. Februar 2009 um 17:44

    Danke für deine Bericht über die Golfmesse.

    Das du mal nach Schottland möchtest, wird aber auch Zeit. So viele nette Menschen und die grandiose Natur wirst du so schnell nicht wieder finden.

    Auch das Golfen ist in Schottland mehr als einfach, Clubkarten braucht man meist nur in Privaten Clubs wo man eh meist eine Einladung braucht zum spielen.

    Dafür gibt es aber jede Menge Plätze die auch von Jederfrau gespielt werden können. Das sind die wahren Erlebnisse und hier bekommt man die besten Tipps für das Land und die Leute.

    Ich würde sofort wieder fahren…


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