Mehr Vorgaben für Linkshänder bei Turnieren?

Hat sich ein Rechtshänder eigentlich jemals Gedanken gemacht um die arme Linkshänder- Seele? Wie es uns dabei geht, ständig gelangweilt zu werden mit platten Plattitüden wie z. B. „Hey, Du spielst ja in die falsche Richtung!“ – es ist ein Kreuz.

Von Plattitüden einmal abgesehen: Als Linkshänder ist man meines Erachtens schon ohne einen ersten Abschlag getan zu haben, mit einem Handicap gesegnet. Unsere Möglichkeiten, im Vorfeld ausreichend Schläger zu testen, sind irrsinnig beschränkt. Wo jeder Rechtshänder in der Lage ist, alles am Markt existierende, aktuelle High-Tech-Material einfach so zu testen, weil die Auswahl an Testschlägern groß ist, können wir Linkshänder froh sein, wenn in irgendeiner verstaubten Ecke des Pro-Shops überhaupt ein Schläger für Linkshänder zum Vorschein kommt. Dieser bedauernswerte Schläger hatte bis dahin zumeist ein nur erbärmliches Leben als Driving-Range-Schläger gefristet. Er wurde nämlich vornehmlich dazu verwendet, Bälle aus dem tiefsten Rough zu popeln, weil die Ballsammelmaschine in diese Regionen nicht vordringen kann.

Es ist sehr aufwendig, Testschläger zu bekommen, geschweige denn, auch noch unter diesen oder jenen auswählen zu dürfen.

Und von Puttern ganz zu Schweigen! In den meisten Shops kommen auf einen Linkshänder- Putter zum testen etwa 538 Putter für Rechtshänder.

Und dann die Driver. Inzwischen gibt es sogar Driver, die wie Autos aussehen. Aber mieten können diese Autos fast immer nur Rechtshänder. Na logisch, denkt sich der ambitionierte Autofahrer, schalten tut man ja schließlich auch mit rechts. Ich frage mich, ob diese Driver mit Benzin oder eher mit Kerosin betankt werden, so schnell, wie die Schlägerköpfe aussehen. Wann werden Bälle dann endlich wie kleine Pershings aussehen?! Ähem, zurück zum Thema.

Selten trifft man auf der Runde oder der Driving- Range Linkshänder, so dass man sich bei dieser Gelegenheit austauschen könnte.

Und wenn Sie es genau wissen wollen: Sie bekommen als Linkshänder ja noch nicht einmal genügend Auswahl an Handschuhen. Schon gar nicht, wenn Sie dann noch als Frau die Größe M eines Herrenhandschuhs benötigen. Von Design- Wünschen habe ich mich längst verabschiedet und schaue nur noch bei Herrenhandschuhen nach und nehme, was gerade im Regal liegt.

Mit dem Unterricht bei Golflehrern ist es auch schwieriger. Vor allem, wenn man nicht das Glück hat, einen Golflehrer zu finden, der auch Linkshänder ist. Golflehrer wissen, wie Golf spielen funktioniert, aber in der Regel für Rechtshänder. Am Ende ihrer Ausführungen vernehmen wir dann häufig diesen verheißungsvollen Satz: „Für Linkshänder das Ganze dann anders herum gedacht!“ – Na prima. Aber so leicht ist es nicht für einen Schüler, mal eben „anders herum“ zu denken. Golflehrer zu verstehen, ist zuweilen auch so schon schwierig genug. Bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch: Ich möchte hiermit keinesfalls pauschal die Fähigkeiten von Golflehrern in Frage stellen! Ganz im Gegenteil. Es ist für Linkshänder vielfach eben nur schwieriger.

Ähnlich verhält es sich mit Fachbüchern. Der Versuch, einmal eines für Linkshänder zu editieren, wurde von Lesern entsprechend kommentiert (siehe Kommentar: Linkshänder „Bahnfahrer“ und „Kassandra“ – nur die Redaktion von G.O.L.F. Time sieht das anders).

Handicaps sollen der Vergleichbarkeit der Spielstärken dienen. Dies ist aber nicht der Fall, wenn nicht unter annähernd gleichen Bedingungen getestet, gelernt, geübt und somit fürderhin Turniere gespielt werden können! Wie wäre es damit: Linkshänder bekommen grundsätzlich bei jedem Turnier zusätzlich 3 Schläge vor! Ich werde diesbezüglich beim DGV vielleicht einmal konkret nachfragen. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass dieses Thema dort sehr wohl bekannt ist und ein entsprechendes Dossier schon seit Jahren in irgendeiner Funktionärsschublade vergammelt. Wer weiß?

Die kommende Saison steht an und vielleicht sollte ich Phil Mickelson vorher noch anrufen. Bestimmt hat er den einen oder anderen Tipp zur Hand, um – trotz „falscher Richtung“ – uns Lefties dennoch den richtigen Weg zu weisen.

So oder so: Freuen wir uns auf den kommenden Frühling, das Vogelgezwitscher in den Morgenstunden, Sommergrüns und spannende Runden!

Allzeit sportlich faire Grüße,

Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

7 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    13. Dezember 2010 um 17:45

    Hallo Christian,
    vielen Dank für Ihre Anteilnahme. Wie es scheint, haben wir Golfer alle unsere Problemchen. ;-)
    Was den „Kopf unten lassen“ angeht, empfehle ich Ihnen Eugen Pletsch, der bezüglich seiner Besserwisserei den erforderlichen Humor mitbringt, denn schließlich ist es doch nur ein Spiel, oder?!

    Herzliche Grüße sowie frohe Festtage,
    Frau Oelmann

  2. handicap36 said,

    13. Dezember 2010 um 10:36

    Hallo Frau Oelmann,

    sicherlich haben Sie Recht mit Ihren Ausführungen zu den Problemen der „Falschrum-Golfer“. Aber auch wir „normale“ Golfer haben mit Problemen zu kämpfen. Egal, mit wem man auf die Runde geht, jeder nur halbwegs misslungene Schlag wird durch irgendwelche -mal fundierte, mal weniger fundierte- Kommentare der Mitspieler bewertet. Und das kann ganz schön nervig sein.
    Was ist schon eine lange Suche nach einem Putter oder Handschuh gegen stundenlange Besserwissereien der Mitspieler à la „Kopf unten lassen“, „Handgelenk mehr winkeln“, „Die Knie sind zum beugen da“ usw.
    Der Neuseeländer Bob Charles -immerhin British Open Gewinner- hat den größten Vorteil der Linkshänder früh erkannt:
    „Linkshänder zu sein ist ein großer Vorteil für mich. Niemand weiß genug über den Golfschwung eines Linkshänders, um mich mit Ratschlägen durcheinander zu bringen.“
    In diesem Sinne viel Spaß bei den weiteren Runden
    Christian

  3. Frau Oelmann said,

    12. März 2009 um 19:49

    Hallo Frau Salm,
    ich freue mich, dass Ihnen mein Beitrag gefällt.
    Es ist überhaupt nicht schön und schon gar nicht angemessen, wenn Flightpartner bzw. Mitmenschen sich zu derartigen Äußerungen hinreißen lassen. Es ist nur ein schwacher Trost, aber denken Sie daran, dass Gott die wunderbare Vielfalt der Lebewesen nicht rein zufällig geschaffen hat: Es muss sie einfach alle geben! Wenn Sie ihn das nächste Mal sehen, empfehlen Sie ihm hierzu meinen Blog aus der Rubrik Etikette spezial „Umgang mit Menschen“. Vielleicht kann er ja nichts für sich… ;-)

    Sollte sich abzeichnen, dass sich noch viele, viele Linkshänder outen, die das Ganze ähnlich sehen, werde ich ein entsprechendes Gesuch beim DGV einreichen. Warten wir es mal ab…
    Vielen Dank für Ihre avisierte Unterstützung im Falle eines Falles. :-)
    Ich wünsche Ihnen allzeit ein schönes Spiel & nette Flightpartner!
    Es grüßt herzlich,
    Frau Oelmann.

  4. Joanna Salm said,

    12. März 2009 um 16:42

    Hallo Frau Oelmann,

    vielen Dank für den schönen Beitrag. Ein Flightpartner teilte mir nach dem ersten Loch folgendes mit „Mir wird schlecht, wenn ich dich schwingen sehe“.
    Schön, wenn man die Rechtshänder wenigstens so etwas aus der Bahn werfen kann.
    Ach, und wo liegt die DGV-Unterschriftenliste wegen den 3 Vorgabeschlägen für Linkshänder aus? ;-) Ich unterschreibe gerne.

    Viele Grüße

  5. ralf seibert said,

    10. März 2009 um 06:13

    (-; (Linkshändersmiley)

  6. Frau Oelmann said,

    9. März 2009 um 21:23

    Lieber Ralf! (Darf ich Ralf sagen?)
    Ich habe mir erlaubt – nur einen kurzen Moment lang – mich gedanklich einzureihen in die Liste der kreativeren und schaffenskräftigeren Linkshänder. Es war erhebend. :-)
    Ein interessanter Hinweis, dass viele Plätze im Uhrzeigersinn gebaut wurden. Eine Gesamtbetrachtung der Plätze ist mir bis heute noch gar nicht in den Sinn gekommen. Ich folgte bisher wie die Lemminge gedankenlos den Hinweisschildern „Next Tee“.
    Vielen Dank!
    Eine schöne neue Spielzeit verbunden mit hin und wieder einer Bahnlänge Ruhe wünscht Ihnen,
    Frau Oelmann.

  7. ralf seibert said,

    9. März 2009 um 15:20

    „Ja habt Ihr nicht bemerkt, daß nur Platz ist, für den, der den Platz mitbringt?“ (Peter Handke, Die linkshändige Frau)
    Wir linkshändigen Menschen tun dies natürlich zumeist. Statistisch belegt ist ist die im Schnitt höhere Intelligenz. Wir gelten als kreativer und schaffenskräftiger. Marie Curie, Einstein, Mozart, Bethoven, Goethe, Kafka, da Vinci, Picasso und Lincoln sind Referenz; ob Obama auch, wird an seiner Platzgestaltung zu messen sein.
    Die erwähnte Erschwernis sei ergänzt um den Aspekt, daß die Golfplätze überwiegend im Uhrzeigersinn gebaut sind und damit für die anfangs mehrheitlich slicenden Linkspielenden viel mehr Ausgrenzen ins Spiel kommen.
    Die geforderte Geduld beim Material allerdings schützt auch das budget vor schnelllebigen Moden.
    Eine Platitüdenbekämpfungsstrategie kann die bierernst vorgetragene Bitte sein, keine Witze über Behinderte zu machen, garniert mit dem Hinweis auf die statistisch belegt deutlich geringere Lebenserwartung linkshändiger Menschen mit Grabesstimme. Manchmal gibt das Plaudertäschchen dann mehr als eine Bahn Ruhe.
    Viel Spaß auf der rechte fairwayseite dieses Jahr,
    rs


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