Arche Noah: Nur 3 Dinge für den Golfer.

Es regnet. Ich schaue aus dem Küchenfenster direkt in den Garten. Es ist eine unwirkliche Szenerie. Der Kirschbaum, die Terrasse, der Tisch, die Stühle, der Grill, die Fichten, der Schuppen, das Gartenhaus. Das Licht passt nicht zu dieser Szene. Es wirkt künstlich, gerade so, als ob Extra-Terrestrials von oben den Dimmer bedienen. Um diese Tageszeit müsste es eigentlich schon viel heller sein.

Es ist deprimierend. Es gelingt dem Regen, durch seine Beständigkeit über Wochen und Monate aufs Gemüt zu drücken. Die Zeit ist gekommen zu überlegen, was auf die Reise mit der Arche Noah mitzunehmen ist. Jeder Golfer darf gemäß Grundgesetz schließlich nur drei Dinge aus seinem Golf- Equipment mitnehmen. Wie soll das gehen? Nur drei Dinge? Ich werde panisch. Das ist unmenschlich!

Als erstes muss mein Trolley mit, das steht fest: Er heißt Bag Boy OE7. Er kennt sich noch nicht aus, hatte noch keine richtige Heimat, keine Freunde. Er findet Beachtung durch sein schönes Design, durch seine vielen multifunktionellen Eigenschaften und das alles bewerkstelligt durch einfache Kipphebel. Er braucht kein Kraftfutter aus der Steckdose. Er ist sehr ökologisch eingestellt: Keine Abgase, keine UV-Strahlen, keine negative Beeinträchtigung der Lärmemission und vieles mehr. Kurzum: Bag Boy OE7 ist sehr angenehmer, zuverlässiger und pflegeleichter Zeitgenosse. Und obendrein noch einer, der sich sehr gut in zeitweiligem Wasser zurechtfindet. Eine sehr gute Empfehlung seitens der Golfakademie!

Dann fällt mir mein Lieblingsball von Titleist Pro V1 Nr. 4 mit drei roten Pünktchen ein. Wir zwei haben einen Turniersieg voller Glanz und Glorie errungen. Er sieht schon ein wenig aus wie ich. Wenn ich ihn mir so anschaue, wie er so da liegt mit seinen grauen Schläfen…und bereits ahnt, dass etwas Außergewöhnliches passieren wird. Er wird unruhig, je länger ich ihn anschaue. Ich muss wegsehen, mir wird flau im Magen.

Da melden sich plötzlich die Golfschläger zu Wort. Instinktiv drängeln sie sich um mich, wollen wissen, was los ist. Auch sie spüren, dass dieses Mal nicht alle mitfahren können.

Was soll ich nur machen? Es regnet. Ich schaue aus dem Küchenfenster in den Garten. Es wird einfach nicht heller. Ich bin beeindruckt, mit welchem Stolz die Pflanzenwelt dem unerbittlichen Dauerregen gegenüber tritt. Soll sie doch kommen, die Sintflut, na und?! Wir haben schon ganz anderes erlebt, ha!

Wo ist mein Stolz, überlege ich. Warum bin ich so deprimiert? Nur, weil es seit Monaten regnet? Nur, weil ich zu den Trödelköppen gehöre, die das Reklame- Blättchen von ALDI mal wieder nicht gelesen haben, weil mich Angebote für Crane- Bälle und Haribo in der Familienpackung einfach nicht locken können, aber alle Schlauchboote inzwischen ausverkauft sind, na und? Nur, weil ich nicht seefest bin und schon auf Grachtenfahrten grün anlaufe und über der Reling hänge? Nur, weil die Regierung den Notstand ausgerufen und die Sperrstunde verhängt hat? Nur, weil der Bevölkerung offiziell noch nicht mitgeteilt wurde, wer eigentlich mitsegeln darf auf der Arche? Nur, weil es wie üblich diejenigen sein werden, die die Ticketpreise für diesen Segelturn locker bezahlen können? Tssss, lächerlich! Ich verstehe mich selbst nicht mehr.

So sinniere ich weiter über das Lebensnotwendige, das es mitzunehmen gilt als Golfer, wenn ich mitfahren darf. Trolley, Ball und ein Schläger? Das funktioniert so einfach nicht. Das wäre dann etwa so, als würde ich meine Arme und Beine auch nicht mitnehmen können. Der Putter, mein Herzstück: Early Bird muss mit! Aber was ist mit allen anderen? –

Und was ist mit meinem Sieger- Handschuh? Meinem ersten Glaspokal für meinen Turniersieg vom VcG mit falscher Gravur: „1. Netto B“…pffffft! Das war mein 1. Netto A! (Das habe ich natürlich erst zu Hause bemerkt, aber Pokal ist Pokal und so habe ich ihn behalten!) Und was wird erst mein Regenschirm sagen? Und meine SCHUHE – kreisch!!! Meine geliebten Footjoy!!!

Es regnet. Es regnet in meinen Geist, in meine Seele, in mein Herz – ich fühle mich durch und durch nass, verschwommene Bilder vor meinen Augen…

Als ich erwache, bin ich schweißgebadet, Schauer überkommen mich. Zum Teufel mit Wasserbetten! Nur gut, dass ich mich seinerzeit um entschieden habe. Was für ein Alptraum… laaangsam und gaaanz vorsichtig bewege ich mich in Richtung Küchenfenster, schaue hinaus und ich merke, wie sich meine Gesichtszüge zu einem Lächeln hinreißen lassen. Einem Lächeln, welches einem ausgewachsenen, breiten Grinsen Platz macht…

„Sitze still, ohne etwas zu tun, der Frühling kommt und das Gras wächst von selbst.“  (Zen-Weisheit)

Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    22. März 2009 um 20:59

    Sonntag, 22. März, 21.51 Uhr. Ich komme gerade heim, steige aus dem Auto und spüre, dass das, was von oben kommt, keine Sonnenstrahlen sind…was nehme ich nur mit?

  2. rebel said,

    22. März 2009 um 20:23

    Ja, welche Wohltat nach so viel Wasser von oben – mal endlich wieder die Sonne im Gesicht zu spüren.
    Auch wenn der Wind noch nicht so richtig weis, das Frühling ist. Aber auch der wird es langsam merken…


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