Atmung. Die schönste Nebensache der Welt.

An Karfreitag war ich nachmittags auf meinem Heimatplatz zu einer Runde verabredet. Es war ein besonders schöner Tag. Keine Angst, ich werde Ihnen nicht davon erzählen, dass ich an der 3 und auch der 12 erstmalig PAR gespielt habe oder warum mein Flight- Partner (HCP 36), der heute an diesen Bahnen erstmals jeweils Bogey gespielt hat, nicht dieselbe Freude empfand wie ich…nein!

Ich möchte Ihnen davon erzählen, dass ich auf dieser Runde meine Atmung wieder gefunden habe (nein, nicht in einem Wasserhindernis bei den Kaulquappen). Irgendwie gediegen, da ich bis zum Abschlag an der 1 nicht das Gefühl hatte, etwas verloren zu haben. Ganz im Gegenteil, ich fühlte mich außergewöhnlich gut: An diesem Tag hätte ich mich sinnlos vermehren können! Was also ist geschehen?

Es ist einfach passiert. Irgendwo auf der Runde, einer Muße-Runde ohne Geschwätz mit extensiven Möglichkeiten der Wahrnehmung. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man plötzlich nicht nur die Umgebung, sondern zur Abwechslung auch wieder einmal sich selbst wahrnimmt! Dieses Gefühl erlebte ich zuletzt lediglich bei alkoholischen Ausschweifungen. Da habe ich mich „The day after“ auch wahrgenommen, aber das ist wieder eine andere Geschichte…

Jetzt war alles anders. Ich stand an der 3 und beobachtete meine Begleitung bei der Schlagvorbereitung. In diesem Moment – warum auch immer – spürte ich meine Atmung. Bis in die Haarspitzen. Ich konnte es fühlen, so wie man einen eingeklemmten Finger in der Autotür fühlt. Ein wahrlich erhabenes Gefühl (vor allem auch mit weniger Schmerz verbunden). Ich beschreibe das so ausführlich, da mir in selbiger Deutlichkeit bewusst wurde, dass ich meiner Atmung zuletzt nicht die gebührende Aufmerksamkeit zukommen ließ.

Ich beschloss, mich nicht mehr auf Scores zu konzentrieren, zumal es im Lochspiel lediglich um eine Runde Bier ging (obwohl…wer mich kennt…)! Mit bewusster Atmung nahm ich Sinne wieder wahr, die ich unbewusst ein wenig weggeschubst hatte: fühlen, riechen, schmecken, hören…

Immer wieder inhalierte ich Momentaufnahmen: Eine Brise Nordwind, die angenehme Kühle und feinen Rasengeruch auf die ersten Bahnen herüber trug, um sich dann im Lärmschutzwall an der A2 zu verheddern. Frisch geschlagene Divots, dessen Erdgeruch ich unbeschreiblich intensiv und wohlriechend vernahm, dass ich reinbeißen wollte. Das Wasserhindernis an der 6, welches nach etwas abgestandenem Wasser roch, wo die kanadischen Wildgänse hier ihr zu Hause fanden und Bälle im ekligen Gänsedung ihren weichen Aufprall erlebten…oder an der 14 – ich lochte erst mit meinem 3. Putt – hielt ich inne, weil mein Puls sich zu Wort meldete. Ein 3-Putt ist keine Schande, hörte ich ihn murmeln…

Mit der rechtzeitigen Neu- Entdeckung meiner Atmung fuhr ich gut gelaunt und voller Vorfreude Ostersamstag nach Hessen, einer Einladung des Golfclub Schloss Braunfels folgend. An diesem sonnigen Spätnachmittag wurden wir herzlich empfangen, ich empfand rundherum eine Atmosphäre des Wohlgefühls. Schon die Anfahrt zum Golfplatz war eine Wonne: Die Zufahrt verläuft durch einen Märchenwald, als sich plötzlich derselbe lichtet und der Anblick dieser schönen Anlage – vor einer phantastischen Kulisse hessischer Hügellandschaften – einem fast den Atem verschlägt! Und obwohl nur zwei Autostunden von meiner Heimat entfernt, innerhalb derselben Zeitzone befindlich, hatte ich den Eindruck, auf der anderen Seite der Erdhalbkugel zu sein. Fairways und Grüns sind bereits in einem Zustand, der vermuten ließ, dass der Winter hier schon lange vorbei war.

Ein Golfplatz in bewaldeten Hügellandschaften ist für einen Flachlandbewohner des nördlichen Ruhrgebietes ein Erlebnis der besonderen Güte. Die Neu- Entdeckung meiner Atmung fand hier neue Dimensionen der Intensität. Die vielfältigen Gerüche der hier beheimateten Flora und Fauna hatten mich im Laufe der Runde in einen Zustand von Trance versetzt. Als wir an der 16 unsere Bags abstellten, um zum Abschlag hinunter zu laufen, vergaß ich völlig, ein Tee, mindestens 2 Bälle (ein PAR 3 über ein Wasserhindernis) sowie mein SW mitzunehmen. Genau genommen vergaß ich mich selbst auch. So etwas ist mir bisher noch nicht passiert…

Die Vögel zwitschern, die Luft ist klar und der Wind milde gestimmt. Der Frühling kommt mit aller Macht! – Holen Sie gaaanz tief Luft, atmen Sie! Nehmen Sie sich hin und wieder die Zeit und fühlen Sie, was Ihnen vermeintlich gefehlt hat, denn: Atmung ist die schönste Nebensache der Welt!

Liebe Grüße,

Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

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