Besuch des Universitäts GC Paderborn e.V.

Sabine Oelmann: Der Golfclub wurde 2004 gegründet. Die Golf-Akademie hingegen gibt es schon sehr viel länger. Welcher Initiative ist es zu verdanken, dass letztendlich auch ein Platz dazu gebaut wurde?

Helmut Böhmer: Zum einen war es wichtig, den Trainierenden eine Möglichkeit zu geben, das Golfspiel in all seinen Facetten zu nutzen. Zum anderen waren es auch wirtschaftliche Erwägungen, die Einrichtungen der Golfakademie über einen Golfsportbetrieb zu unterstützen.

SO: Mit 1.488 m Bahnlänge haben Sie vermeintlich den kürzesten Turnierplatz in Deutschland. War das so gewollt?

HB: Wir freuen uns, überhaupt einen Golfplatz zu haben. Für mehr Länge war zunächst kein Platz. Das hat aber dazu geführt, dass wir viele Mitglieder und Greenfeespieler haben, die den zeitlichen Vorteil einer kurzen Anlage für sich nutzen. Wir sind citynah und es ist möglich, den Platz „mal eben“ in der Mittagspause oder nach Feierabend zu spielen. In Zusammenhang mit moderaten Beiträgen hat das zu einem großen Anteil berufstätiger Eltern geführt, die nicht viel Zeit haben und sich in der derzeitigen Lebenssituation finanziell nicht so stark engagieren wollen oder können.

SO: Sie verweisen auf seine besonders ökologische Bauweise. Welches waren die wichtigsten Aspekte, die beim Bau dieser Anlage Berücksichtigung fanden?

HB: Die wichtigste Entscheidung war, eine Rasentragschicht zu wählen, die einen hohen Anteil organischer Substanzen hat. Das führt im Idealfall dazu, dass sich Nährstoff- und Wassergaben in Grenzen halten. Im Weiteren haben wir unser Pflegekonzept darauf abgestimmt. Es wird ohne den Einsatz von Fungiziden, Pestiziden und Herbiziden gearbeitet. Das ist manchmal etwas mühsam. Durch entsprechende Kommunikation wird der Gedanke von den Mitgliedern sehr positiv mitgetragen.

SO: Die der Uni zugehörige Golf-Akademie befasst sich seit Jahren mit allen Aspekten des Golfspiels. Einige Projekte bzw. Diplomarbeiten können im Internet eingesehen werden. Ist die Golf-Akademie eigentlich auch eine Anlaufstelle für Golflehrer, die bereits ihr Diplom eingerahmt an der Wand hängen haben, sich aber permanent weiterbilden wollen?

HB: Das ist in der Tat der Fall. Für sämtliche Verbände bieten wir Schulungen für Golflehrer an. Unsere Kernkompetenz liegt dabei in den gesundheitsrelevanten Aspekten. Dazu muss man aber auch sagen, dass es einen sehr aktiven Anteil der Golflehrer gibt, die man häufig bei entsprechenden Schulungsangeboten wieder trifft.

SO: Björn Herbarth ist zugleich PGA-Pro und auch Sportwissenschaftler. Messmethoden können sowohl auf der Range und dem Übungsgelände als auch beim Spiel auf dem Platz eingesetzt werden. Wie erleben die Schüler, dass Forschungsergebnisse in den Unterricht einfließen?

HB: Björn macht sich als erstes Gedanken, welche körperlichen Eigenschaften der Golfschüler überhaupt mitbringt. Hinzu kommen Aspekte der koordinativen Fertigkeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Berücksichtigung bestimmter, immer wiederkehrender Dynamikmerkmale. Diese Dinge findet man grundsätzlich bei allen Wurf-, Roll- und Schlagbewegungen wieder und haben etwas mit Rhythmus bzw. sinnvoller, natürlicher Bewegung der „Körpermitte“ in Zusammenhang mit den restlichen Körperteilen zu tun.

Selbstverständlich ist es uns wichtig, Dinge zu messen. Mit dem Golfclub haben wir einen großen Probandenpool. Gewonnene Erkenntnisse werden umgehend in die tägliche Arbeit eingebaut. Wir sind aber darum bemüht, den Golfunterricht möglichst „lustvoll“ zu gestalten und den Schüler nicht mit Winkeln, Radien und speziellen Schwungtechniken zu belasten.

SO: „Kleine Golfer Paderborn“ – Es gibt auch eine eigene Webseite für den Nachwuchs. Dabei fällt auf, dass das Training für Mädchen und Jungen voneinander getrennt wird. Warum ist das so?

HB: Zunächst haben wir für die Kinder ein entsprechendes Trainingskonzept entwickelt. Auf der Basis „Differenziellen Lernens“ bemühen wir uns, ein besonders abwechslungsreiches Training anzubieten. Dahinter steckt die Idee, dass eine Person, die 50 unterschiedliche Situationen bspw. mit dem Eisen 7 kennengelernt hat, mit einer großen Wahrscheinlichkeit auch eine neue Situation – die 51. – mit Erfolg bewerkstelligen kann. Außerdem versuchen wir damit, den statistischen „Drop Out“- Quoten von Jugendlichen im Sport etwas entgegen zu wirken.

Dass Mädchen und Jungen getrennt trainieren hat auch seine Gründe. Zunächst geht es um „Modell-Lernen“. Wir haben eine tolle Trainerin (Cora Hengst), die den Mädchen zeigt: Hier ist eine Frau, die ausgezeichnet Golf spielen kann. Umgekehrt gilt das auch für die Jungen.

Ein weiterer Punkt ist noch viel gravierender. Jungen und Mädchen entwickeln ein unterschiedliches Selbstkonzept für den Bereich Sport und Golf. So kann es sein, dass sich bei gleicher Spielstärke Jungen wesentlich stärker einschätzen als Mädchen. Wir haben darum den „Schutzraum“ Mädchentraining eingerichtet, um ihnen eine ungestörte Entwicklung ihrer Fertigkeiten und der Einschätzung ihrer Stärken zu ermöglichen. Dazu kommt noch die Ursachensuche für Erfolg und Misserfolg, die bei Jungen und Mädchen häufig unterschiedlich ausgeprägt ist und für einen sportlichen Erfolg von großer Bedeutung sein kann.

Das hört sich vielleicht etwas gequirlt an, ist uns aber wichtig.

SO: Ihr Club wirbt für: „Golfs spielen, lernen, erleben und nutzen.“ Wie oder wozu kann man als Golfspieler dieses Spiel nutzen?

HB: Golf ist schon rein gesundheitlich von großer Bedeutung. Es gibt einen moderaten Ausdaueranteil und einen ausgeprägten Koordinations-, also Gehirnanteil. Für jeden heißt das, Erhaltung von Kreativität und mentaler Belastungsfähigkeit bei Gesunderhaltung des Körpers. Diese Effekte kann jeder „nutzen“. Von besonderer Bedeutung sind sie für Schlaganfallbetroffene, Herz-Kreislauf-Erkrankte, Kinder und ältere Menschen.

Es gibt natürlich auch gesellschaftlichen Nutzen. Wir haben ein Projekt, bei dem ältere Menschen jeweils mit Kindern aus Förderschulen ein Team bilden. Eine Gruppe von Rotariern bietet regelmäßig „Patengolfen“ mit geistig behinderten Kindern an: „Meet & Connect“- Angebote, bei denen man unterschiedliche Interessengruppen durch das Medium Golf zusammen bringt.

Auch darf man die sozialen Aufgaben eines Sportvereins nicht vergessen. Ich glaube, dass es wieder an der Zeit ist, den Menschen Möglichkeiten zu geben, sich zu treffen. In meinen Augen hat die Nachfrage nach informellen Sportangeboten ihren Höhepunkt überschritten.

Der größte Nutzen liegt aber in der Sportart selbst: Golf macht unendlich viel Spaß!

SO: Ihr Club vermittelt eine anheimelnde, familiäre Atmosphäre – ein Club für Menschen, die das „besondere Etwas“ suchen. Vielen Dank für diesen schönen Tag!

www.cybergolf.de

2 Kommentare

  1. Dennis said,

    3. Juli 2009 um 20:40

    Hallo, dem kann ich mich nur anschliessen. Netter Blog – vielleicht schau ich mal wieder vorbei. Gruß Dennis

  2. Eugen said,

    12. Juni 2009 um 08:28

    Interessant und informativ. Danke!
    e.


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