„Spielen ist etwas Heiteres.“

„Ich gehe eine Runde Golf spielen.“ – Was bedeutet Spielen eigentlich und welcher Natur sind die Motive für das Spielen?

Der Kulturanthropologe Johan Huizinga* erklärte: „Spiel ist eine freiwillige Handlung oder Beschäftigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewusstsein des ‚Andersseins‘ als das ‚gewöhnliche Leben‘.“

„ (…) nach unbedingt bindenden Regeln (…). “
Vermeintlich.

Fragt man z. B. Golfspieler nach ihrer Motivation für das Golfspiel, so bekommt man häufig als Antwort: „Weil es so schön entspannend ist, in freier Natur, bei (meistens) frischer Luft, in geselliger Atmosphäre.“ – Aber halt! Wie kommt es dann, dass ich diese Entspannung selten erlebe? Oft schon knistert die Luft bereits nach dem ersten Abschlag, weil der gnädige Herr beim Drive um läppische 40 Meter kurz gelassen wurde.
Unbedingt bindende Regeln“ fallen unterschiedlichsten Interpretationen zum Opfer. Der Einfallsreichtum in der Regelauslegung ist da für meinen Geschmack sehr breit gefächert. Metaphorisch könnte man sagen, dass das komplette Farbspektrum mit all’ seinen feinen Nuancen nicht ausreicht, das Interpretationsspektrum der Regelauslegung im Golfspiel abzudecken. Diese Feststellung ist umso interessanter, da über das Golfspiel doch so gerne philosophiert wird von mehr und weniger kritischen Feingeistern, wenn es da wieder einmal heißt: „Spiele den Ball wie er liegt.“ – Die reale Mehrheit der Golfer, die ich persönlich bisher beim Spiel erlebt habe, hat sich gegen Philosophie, gegen das Spielen und für den (Wett)Kampf entschieden.
Leidlich.

Vicco von Bühlow sagte einmal: „Spielen ist etwas Heiteres!“ – Auf den ersten Blick mag das so sein. Das ist eine sehr schöne Beschreibung einer freiwilligen Handlung, aber streng genommen trifft sie für sehr viele (hauptsächlich vermeintlich erwachsene) und Golf spielende Menschen nur sehr selten zu.
Spielen offenbart bekanntlich einige unserer Charaktereigenschaften, die wir gerne zu kaschieren versuchen. Lord Vader röchelt da heute noch von der „dunklen Seite der Macht“… An verregneten, öden Tagen – es muss übrigens ja nicht immer Golf sein – empfehle ich „Mensch ärgere Dich nicht“. Da erlebte ich Reinkarnationen, dass dagegen selbst Graf Drakula zur Kasperle-Figur wurde…
Gruselig.

Kennen Sie Duncan Fulton? Er spielt auch, aber kein Golf, sondern Gitarre. Und zwar bei jedem Wetter! Auch bei -5° Celsius! Wenn man ihm so zuhört und dabei beobachtet, wie er auf seiner wohl klingenden schwarzen Fender Stratocaster, angeklemmt an einen kleinen Peavy- 10 Watt- Verstärker, die Saiten streichelt und dazu seine eigenen schönen Songs in die Winterkälte haucht, dann muss es ohnehin eine komplett andere Motivation für sein Spiel geben. Ob es an den einsamen 2 € im Gitarrenkoffer liegt, wage ich zu bezweifeln…
Wahrlich.

So oder so…so oft es möglich ist, wünsche ich Ihnen ein „Bewusstsein des Andersseins als das gewöhnliche Leben“.
Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

Anmerkung: Herr Huizinga war zu Lebzeiten sicherlich kein Golfspieler. Sonst hätte er gewusst, dass spielen nicht immer eine freiwillige Handlung sein muss…

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