Fortsetzung: Mehr Vorgaben für Linkshänder

Zu Saisonbeginn hatte ich mich erstmals dafür eingesetzt, dass Linkshänder mehr Vorgaben bekommen müssten.

Inzwischen läuft die Golfsaison mit seinen Turniergeschehen allerorten auf Hochtouren. Ich selbst habe es bisher auf 6 Turniere gebracht (zum Ende der Saison werden es laut Hochrechnungen insgesamt neun Turniere werden). Nicht besonders viele, wenn man sich so umhört. Sechs Turniere bestreitet manch’ ein Golfer in vierzehn Tagen. Aber da ich eine Arbeitswoche bestreiten muss, habe ich nicht soviel Gelegenheiten, an Turnieren teilzunehmen (ich sollte mit meinem Chef evtl. mal über ein neues Arbeitszeitmodell sprechen: Weniger Stunden bei vollem Lohnausgleich o.ä.). Das ist aber nicht weiter schlimm, da ich dem HCP (noch) nicht hinterher jage wie Indianer Jones dem verlorenen Schatz. Einen großen Teil meines Lebens habe ich stets dem Sport gewidmet und dabei um Tore, Punkte, Meisterschaften gekämpft. Aufstiege sowie Abstiege habe ich immer wieder erfahren. Der Wettkampf war stets die besondere Würze. Aber dieses volle Adrenalin- Programm möchte ich heute nicht mehr, da der Zahn der Zeit auch an meinen (inzwischen maroden) Knochen genagt hat. Wenn ich hin und wieder Turniere spiele, dann in erster Linie deshalb, da ich mich einerseits nicht als HCP- Schoner beschimpfen lassen will. Andererseits gebe ich gerne zu, dass es mir auch etwas Freude bereitet, hin und wieder das geliebte Wettkampf- Feeling zu spüren.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Linkshänder…

Kürzlich nahm ich an einem „Chill & Golf Turnier“ teil. Und – welch’ Überraschung – ist mir mal wieder kein Linkshänder unter die Augen gekommen. Ich habe mich auf diesem Turnier etwas unterspielt und dachte mir am darauf folgenden verregneten Sonntagmorgen, schau Dir doch mal die Ranglisten an. Bei mygolf gibt es sehr viele Auswertungen für HCP-Golfer: Platzierung Damen und Herren gesamt, Herren und Damen getrennt, clubinternes Ranking, DGV gesamt, Landesverband gesamt, usw. Man kann sich sogar anschauen, wie die Rangliste der 44jährigen Golferinnen aussieht. So viele Ranglisten in fast allen möglichen Abfragevarianten. Allerdings mit einer Ausnahme, denn ich habe die Abfrage gesucht: 44 Jahre alt, weiblich, Linkshänderin! Das Ergebnis ahnen Sie schon. Ich habe in unserem Club einmal nachgefragt und man schätzt, dass wir eine kleine Gefährtengemeinschaft von 10 Spielern sind, bei etwa 800 Mitgliedern insgesamt.

Fragt man nach, welche Linkshänder-Profis es auf der Tour zu etwas gebracht haben – betrachtet man lediglich die letzten 100 Jahre – fallen spontan max. drei Namen: Phil Mickelson, Mike Weir und Bob Charles. Bei den Damen sieht es noch verheerender aus. Linkshänder sind tatsächlich nur schmückendes Beiwerk in einer großen Century-Golf-History gewesen. Diese Tatsache untermauert meine These, dass Linkshänder benachteiligt sind. Ich vermute, dass die Blicke von Talent-Scouts ohnehin nur auf Rechtshänder geschult sind. Sie wissen schon lange um die ungleichen Chancen der Linkshänder.

Ich habe ja überlegt, eines Tages eine Petition beim DGV einzureichen für mehr Vorgaben für Linkshänder bei Turnieren. Davon ausgehend, dass Linkshänder unter Golfern ohnehin eine äußerst seltene Spezies darstellt, kann sich demzufolge auch keine große Zahl melden. Und wenn immer sich keine große Zahl melden wird, bleibt der kleinen Zahl lediglich, hin und wieder auf sich aufmerksam zu machen.

Dabei haben unterschiedlichste Studien immer wieder belegt, dass Linkshänder mit den außergewöhnlichsten Talenten gesegnet sein sollen. Immerhin wurde mal ein Linkshänder-Welttag eingeführt (13. August). Eigentlich sollte uns Linkshänder diese Tatsache allein schon schmeicheln…Linkshänder Welttag…klingt doch zumindest gut, nicht wahr?!

Ich freue mich daher besonders über die bisherigen Zuschriften der Linkshänder – vielen Dank für Ihre Anteilnahme!

Jede einzelne Stimme motiviert mich, auch zukünftig dieses Thema zu diskutieren. Eines Tages dann evtl. auch mit dem DGV, denn ich werde meinen geplanten Antrag beim DGV – mehr Vorgaben für Linkshänder – nicht völlig aus den Augen verlieren. Bekanntermaßen soll das vorgabewirksame Handicap-System für eine Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Spielstärken sorgen.

Und dann gibt es da noch die Frage der Bewertung von 9-Loch im Vergleich zu 18-Loch Turnieren. Auch so eine fragwürdige Geschichte der angemessenen Vergleichbarkeit, meint zumindest Eugen Pletsch. Ich werde ihn dazu in Kürze mal genauer befragen müssen, da ich diesbezüglich in meiner Meinung noch indifferent bin.

Herzliche Grüße,

Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

4 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    24. August 2009 um 19:33

    Liebe Frau Salm,
    vor gar nicht allzu langer Zeit gab es unter Ehrenmännern den Brauch, einen Fehdehandschuh zu werfen.
    Wenn Sie heutzutage als moderne Frau stattdessen den Fehdeball fliegen lassen, müssen Sie mit den Konsequenzen leben. Bedauerlicherweise sind Ehrenmänner eine vom Aussterben bedrohte Spezies, insofern Beschimpfungen und Beleidigungen hin und wieder das aktuelle Niveau wieder spiegeln. Bitte begeben Sie sich auch weiterhin nicht auf eben jenes Niveau dieser Bauerntölpel und lassen Sie die Fehdebälle nur so fliegen!
    Und sollten Sie einmal das Bedürfnis nach Verstärkung haben, so wäre es mir eine Ehre und ein Vergnügen zugleich, mit Ihnen zusammen abschlagen zu können.

    Herzlichst,
    Frau Oelmann

  2. Frau Oelmann said,

    24. August 2009 um 19:13

    Hallo Nils!
    Habe ich das richtig verstanden: Einer „Behandlung“ unterzogen? Das klingt gar nicht gut. Wie sah die Therapie aus? Und warum in Gottes Namen hat es so etwas gegeben? Galten Linkshänder mal als Ketzer?

    Verwirrte Grüße,
    Frau Oelmann

  3. Joanna Salm said,

    24. August 2009 um 12:44

    Hallo Frau Oelmann,

    wie bereits erwähnt, bin ich eine nicht (um)erzogene Linkshänderin, die sich gerne bei der Petition beteiligt, auch wenn die Erfolgsaussichten äußerst gering sind.

    Ganz im Gegenteil zu Ihnen, habe ich eher mit umgekehrten Vorurteilen zu kämpfen. Es heißt oft, mir müßten 1-3 HCP-Punkte aberkannt werden, da die Golfplätze für „Rechtsslicer“ gebaut werden und Linkshänder es somit viel einfacher hätten.

    Was Randgruppen anbetrifft, wird wahrscheinlich bald eine Petition ins Leben gerufen um die roten Abschläge abzuschaffen.

    Viele Männer (meinstens die, die von Damen ausgedrived werden) beschweren sich vehement und bitter über die ungerecht angelegten Damenabschläge (beleidigend: Vorgrüns oder Putenrampen).

    Was halten Sie denn davon?

    Schönes Spiel!

    Joanna Salm

  4. Nils said,

    24. August 2009 um 11:38

    Hallo Frau Oelmann,

    nach Ihrer PN von heute musste ich ja doch mal wieder bei Ihnen reinschauen, nachdem mich der aktuelle Pletsch-Eintrag ja doch recht enttäuscht hat. (Ich hätte zumindest Fotos von Liza erwartet).

    Beim lesen Ihres Beitrags ist mir spontan eingefallen, dass Linkshänder bis vor nicht allzulanger Zeit ja noch „umerzogen“ wurden. Evtl. erklärt sich die geringe Menge an Golfspielern dieses Typs ja dadurch? Zumal ja gerade in Ihrer Alterklasse noch etliche Menschen diese Behandlung erfahren haben müssten…?


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