Wie viele Golfbälle haben Sie dabei?

Aus aktuellem Anlass habe ich mich näher mit der Frage beschäftigen müssen, mit wie vielen Golfbällen ein Golfbag zu bestücken ist, wenn ein vorgabewirksames Turnier ansteht. Wir standen an diesem schönen Sommertag („Es wird ein Super-Samstag!“ O-Ton Radio-Sprecher) auf dem Parkplatz eines Sauerländischen Golfclubs und waren schwer damit beschäftigt, das ganz Equipment für den Einsatz an der Front startklar zu bekommen.

Während ich gedankenverloren meinen Trolley zusammenbastelte, hörte ich hinter mir Paula sagen: „Genug Bälle habe ich dabei!“
„Ich habe auch zwei Spielbälle und zwei Reservebälle dabei“ hörte ich mich sagen…Sendepause. Totenstille.
„Waaas? Nur 4 Bälle? Das geht nicht. Was machst Du, wenn Du die alle verschlagen hast?“ Agneta war entsetzt.

Plötzlich fingen die Ladies spontan an, Bälle für mich zusammen zu tragen. Jeder gab ein paar dazu (allerdings nicht ohne den deutlichen Hinweis, diese bei Nichtgebrauch wieder zurück zu geben!). Da lag sie nun, die Ball-Sammlung, ca. 15 Bälle. Ich schnappte meinen Abakus und fing an nachzurechnen. Ein Abakus gehört meiner Meinung nach definitiv zur Golfbag-Basis-Ausstattung. Bei diesen komplizierten Berechnungssystemen zur HCP- Ermittlung sehe ich keine Alternative. Ich fingerte mit geschickten Händen an der Rechentafel herum und kam – nach einer kurzen Rechnung mit drei Unbekannten – auf eine Gesamtanzahl von 19 Bällen. So viele Bälle auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen, außer auf der Driving Range und im Teich an der 7. Bahn…
„Die soll ich jetzt alle auch noch mitnehmen?“
„Auf jeden Fall. Geh und kauf’ Dir lieber noch ein 3er-Pack im Pro-Shop!“ forderten die Ladies unisono.
„Aber jetzt hau ich doch erst recht einen nach dem anderen in die Wicken. Wenn ich nur 4 Bälle dabei habe, bemühe ich mich etwas mehr.“
„So ein Quatsch. Wenn Du nur 4 dabei hast und die sind auf einmal weg, was machst Du dann?“ konterte Agneta.
„Warum geht ihr davon aus, dass ich auf keinen Fall mit 4 Bällen durch die Runde komme?“
„Ende der Diskussion. Du nimmst jetzt die Bälle mit und damit basta!“
Alle zuckten zusammen. Sandra’ s Interpunktion ließ keine weiteren Fragen zu.

Außer einer, die zu stellen ich nicht umhin kam:
„Wie viele Bälle habt ihr denn so in der Tasche?“
„Reichlich!“
„Genug!“
„Ausreichend plus Reserve!“
Oh, so viele also…hmm…ich hakte nach, ich musste es jetzt wissen.
„Wie viele?“
Allgemeines, betretenes Schweigen. Dachte ich mir fast. Die hatten alle keinen Abakus dabei und konnten die Gesamtanzahl bisher noch gar nicht errechnen. Ich hielt Sandra das Rechengerät hin.
„Was soll ich denn jetzt damit?“
„Nun ja, ich dachte, es hilft Dir zur Berechnung der Gesamtanzahl Deiner im Bag befindlichen Bälle.“
„Was haben sie Dir heute Morgen in den Kaffee getan? Zählen kann ich auch so. Warte mal…drei, sechs, neun, mal zwei plus fünf…hmm…hier noch zwei…macht…äh…ah, hier in der Seitentasche noch drei…sind…halt…hier ist ja auch noch ein Ball…ergibt…27…ähem…29. Ich habe 29 Bälle dabei.“
Die anderen waren auch schon eifrig damit beschäftigt zu zählen. Sie wussten, ich würde heute noch vor dem 1. Abschlag keine Ruhe mehr geben. Ich möchte nicht darüber sprechen, welches Bild wir in diesen Minuten auf dem Parkplatz abgaben, aber die Klärung dieser Frage war mir wichtig. Notfalls hätte ich eine Startzeitverschiebung für uns alle gefordert, das wussten sie.
Zwischen 20 und 29 Bällen hatte jede dabei! Dazu die 19 Bälle, die für mich an die Seite gelegt wurden. Genug Munition für einen 5-jährigen Krieg, dachte ich.
Wie war das möglich? Hatte die allmächtige Golfindustrie ihre Finger im Spiel? Was ist in den letzten Jahren durch die Golfjournaille – die ich bis heute nicht lese – nicht alles an Ängsten geschürt worden: „Kauft so viele Golfbälle wie möglich, sonst kommt ihr nicht in den Himmel“ oder „Wer nicht genug Golfbälle kauft, dem wird sein letzter Wille aberkannt“.
Schließlich beruhigte ich mich damit, dass eine derartige Vorsicht schlicht und einfach nur typisch war für Frauen. Männer haben bestimmt nur 2 – 4 Bälle im Bag!
Oder sehe ich die Sache komplett aus dem falschen Blickwinkel aufgrund meiner noch vorhandenen Restbestände an Unbefangenheit dem Golfsport gegenüber? Ursache und Wirkung: Was ist da geschehen? Eine Frage, die mir ich mir notierte, um zu gegebenen Anlass darauf zurück zu kommen.

Nach dem Turnier fragte ich noch einmal nach…nach Verlusten…nach Ballverlusten. Die hielten sich überschaubar, an einer Hand abzuzählen, in Grenzen. Ich selbst habe an diesem Tag auf der Runde 3 Bälle verloren. Die meisten von uns allen, wie sich herausstellte. Das war mein persönlicher Minusrekord bei einem Turnier. (Dabei habe ich allerdings auch zwei andere Bälle gefunden. Irgendwie gleicht es sich diesen Sommer bei mir aus. Ich habe mal in einem Golfbuch gelesen, dass dieser Ausgleich aber nur funktionieren kann, wenn man hin und wieder auch den Waldgeistern huldigt.)

Und jetzt Sie: Wie viele Golfbälle nehmen Sie immer mit auf die Reise? Hand aufs Herz…

Ungezählte Grüße,
Frau Oelmann

P.S.: Ich gebe zu, dass ich nicht zwei, sondern acht Reservebälle dabei hatte und es wurde tatsächlich ein Super-Samstag: Ich schoss eine ungebremste 119! Das war ebenfalls ein persönlicher Minusrekord…

www.cybergolf.de

10 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    24. Dezember 2009 um 09:29

    Hmmm…dann würde es bei Olympia mit dem Teufel zugehen….hmm…der Gedanke gefällt mir irgendwie…da muss ich mal drüber nachdenken… ;-)

    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  2. rebel said,

    23. Dezember 2009 um 07:52

    Vielleicht kann El Diablo auch noch das OVZT verstärken ;)

    Ihnen und allen Mitlesern einen guten Rutsch ins Neue Jahr
    liebe Grüße
    rebel

  3. Frau Oelmann said,

    23. Dezember 2009 um 06:31

    Hallo lieber Teufel,
    welches Indiz spricht für den GC Gelstern? Das alle Mädels (außer mir) soviele Bälle dabei hatten? Das es ein Super-Samstag war? Oder ich eine 119 gespielt habe? ;-) Jetzt machen Sie mich aber neugierig!

    Es ist schön, dass Sie zufällig meine Seite entdeckt haben (aber eigentlich heißt es ja, es gibt keine Zufälle). Ich hoffe, dass Sie noch etwas Zeit haben, um weiterhin ein bisschen in meinen Texten stöbern zu können. Evtl. finden Sie hier und da noch etwas Interessantes oder Unterhaltsames. Viel Spaß dabei.

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2010 wünscht Ihnen
    Frau Oelmann

  4. El Diablo said,

    23. Dezember 2009 um 03:54

    Hallo Frau Oelmann,

    ich habe zufällig Ihre Blog entdeckt. Anscheinend ist die angesproche „Ball-Frage“ auf der Anlage des GC Gelstern aufgetaucht. Ihre vier Bälle hate ich schon etwas für gewagt. Allerdings denke ich auch, dass Sandra’s 29 Bälle auch eine stattliche Anzahl sind. Viele der Pros auf der Tour haben ca. 7-8 Bälle in ihrem Bag. Ich selber fühle mich mit dem besagten Dutzend am wohlsten. Und ich denke dass das der springende Punkt ist. Man sollte so viele Bälle dabei haben, dass man über das Thema nicht nachdenkt. Das wird also bei jedem Spielertyp anders sein.

  5. Frau Oelmann said,

    14. September 2009 um 18:59

    Hallo Nils,
    ich bin da derselben Ansicht wie rebel: Die eigenen Bälle findet man eh selten, also lohnt es sich dann für Dich auf jeden Fall „durch das Dickicht zu streifen“
    LG,
    Frau Oelmann
    P.S.: Das mache ich übrigens auch hin und wieder ganz gerne. Dann bewaffne ich mich mit meinem „Buschmesser“ LW 60° und gehe auf die Jagd, meistens in der Regenzeit: Dann ist die Luft klar und der Urwald menschenleer…

  6. Nils said,

    14. September 2009 um 14:25

    Hallo Frau Oelmann,

    wie viele Bälle ich dabei habe? So viele, wie in die dafür vorgesehene Tasche meines Bags reinpassen. Es dürften so 10-15 sein.

    Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich grundsätzlich als High-HCPer mit Lakeballs spiele und für 30ct nicht groß in Büschen rumwühle.

    Im Schnitt verliere ich 2-3 Bälle pro Runde…

  7. rebel said,

    1. September 2009 um 15:37

    oder eben durch Dickicht streifen und Bälle suchen…
    Die eigenen sind sicher nicht allein im Wald. ;)

  8. Frau Oelmann said,

    1. September 2009 um 06:53

    Hallo Martin, hallo rebel!
    Danke für Eure Beiträge. Ich werde mich ab sofort nicht mehr beirren lassen: 2 + 10 Reserve und damit basta!*
    Das ist ca. genau EIN DUTZEND und klingt schon nach ausreichend, genug und reichlich in Einem!
    Viele Grüße,
    Frau Oelmann.

    *Was ich mache, wenn die Bälle alle weg sind? Na was wohl: Ich falle auf die Knie, strecke die Arme zum Himmel, ein Stoßgebet, ein derber Fluch, ein kräftiger Biss in das Rough, Furchen ziehen und neue Bälle säen…na, das Übliche eben in solchen Fällen!

  9. rebel said,

    29. August 2009 um 16:57

    Bedingt durch unser ehr „schweres“ Gelände, sind es schon so 10 – 15 Bälle die in der Tasche sind.
    Heute z.B. habe ich auf 18 Löcher 2 Bälle verloren, und 3 gefunden. Gleicht sich auch aus und im Moment eben auch ein leichtes Plus.
    Habe aber auch schon einmal 7 Bälle auf 9 Loch verloren, da hatte ich aber auch die „Schlag den Ball in die Büsche“ Krankheit. Von der scheine ich zur Zeit geheilt. Da hoffe ich doch das das Dauerhaft ist…

  10. Martin Welz said,

    28. August 2009 um 08:12

    Ich bemühe mich, bei Privatrunden mindestend 12 eigene Bälle dabei zu haben, dort versuche ich des öfteren die Schläge, die mir in Turnierrunden nie in den Sinn kommen würden (Über 100 m Wasser und 40 m Rough direkt die Fahne angreifen…) Zu diesen 12 Bällen, kommt noch eine undefinierte Anzahl an gefundenen Bällen, die regelmäßig im Keller in einen alten Karton entleert werden. Für Turnierrunden würden mir auch 3 – 6 Bälle reichen, dort spiele ich immer die sichere Variante und verliere eher selten Bälle. Aber auch da habe ich meist ein Dutzend im Bag…


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