Die Transformation eines Rabbits zum Tiger

Es begann damit, dass ich seit Tagen ein ständiges Kribbeln in den Füssen verspürte. Auf Nachfrage bei meiner Hausärztin erhielt ich die erhellende Diagnose, dass mein Ischiasnerv mir auf denselben geht. Ich wollte dann noch wissen, wieso ich ausschließlich dieses Kribbeln verspüre. Müsste ich da nicht auch irgendetwas in der Rückengegend spüren? Na ja, so oder so, ob dieser Diagnose war ich heilfroh, dass ich eine Golfallergie ausschließen konnte. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir diesbezüglich etwas eingeredet. Schließlich kribbelt auch bei manchem Reiter plötzlich die Nase, wenn er einen Pferdestall betritt.

Ich konsultierte meinen Physiotherapeuten. Erwin kennt sich aus mit schwachen Nerven. Ich berichtete ihm mein Problem mit ernster Miene und er lächelte süffisant. Na prima. Ich war schon seit Tagen gereizt wegen meinen Füssen und er lächelte nur. Meiner Physiognomie entnahm er, endlich zu sagen, was los ist. Er bestätigte die Ischiasdiagnose und erklärte mir ganz beiläufig, dass das eine typische Golferkrankheit sei. Aha! Typische Golferkrankheit. Derer soll es ja mehrere geben…

Da wurde ich sehr unruhig: Erst Epikondelitis und jetzt krabbelige Extremitäten. Ich spiele doch erst knapp zwei Jahre, ich bin doch noch so jung…sagen zumindest die meisten Golfer auf der Runde, die mit mir spielen…wie soll das denn weitergehen? Schon bald ein totales Wrack? Golf sollte angeblich ein gesunder Sport sein. Man darf wirklich niemandem mehr trauen! Aber eventuell könnte ich dann ja wenigstens die Abwrackprämie abkassieren…hmm…alles Jammern hilft sowieso nicht und so habe ich mir für Erwin eine Dauerkarte für die anstehenden Behandlungen ersteigert.

Die Tage darauf wurde es zunächst nicht wesentlich besser. Ganz im Gegenteil. Das Kribbeln wanderte inzwischen hinauf in Richtung Waden. Schweißausbrüche kamen unangemeldet hinzu. Ich sah auf den Küchenkalender und las für den kommenden Samstag: „Monatsbecher“ und „Vollmond“. Im selben Moment verkündete mein Handy den Erhalt einer SMS. Ich zuckte vor Schreck zusammen. Nervös fuchtelte ich am Handy rum, um die Nachricht lesen zu können. Es war nur die Startzeit für Samstag. Meine Güte, was war nur los mit mir?

Der Turniersamstag war ein großartiger Tag: Der Himmel blau, die Sonne warm, ein ausgesprochen netter Flight, sportlich faire und feine Gesten für gelungene und auch weniger gelungene Schläge. Wir erlebten eine Runde voller Genuss. Uns drei verband die Liebe zu diesem schönen Spiel, wie ich sie in diesem Sommer bei einem Turnier in keinem Flight bisher erfahren habe. Es gelang mir daher, mich in meinem Spiel völlig verspielt zu verlieren. Ein Zustand höchsten Glücksgefühls, wie man ihn selten erreicht.

Später, auf dem Sonnendeck des Clubhauses, genossen wir die Nachmittagssonne. Wir stießen auf dieses schöne Erlebnis gemeinsam an, als ich plötzlich wieder deutlich dieses Kribbeln in den Füssen verspürte…

Für den 1. Platz in der Nettowertung bekam ich 6 Titleist Pro V1 und 1 Badetuch überreicht. Ich hatte mich mit 42 Nettopunkten unterspielt (bekam jedoch nur 41 Punkte angerechnet, weil der CSA -1 gewertet wurde). Dann gab der Sportwart mein neues HCP bekannt: „Neues HCP Frau Oelmann: 17,1!“ – Ich reagierte zunächst einigermaßen gelassen, so, als ob es gar nicht um mich ging. Aber dann endlich begriff ich, was das Kribbeln in Wahrheit zu bedeuten hatte. Es war die langsame Transformation eines Rabbits zu einem Tiger, von einem knuddeligen, hoppelnden Muppelmann in ein zähnefletschendes, riesiges Raubtier. Typische Golferkrankheit eben…

Entzückende Grüße,

Frau Oelmann

www.cybergolf.de

6 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    23. September 2009 um 19:03

    Hallo Nils,
    vielen Dank für die Glückwünsche. Es war sicherlich aber auch etwas Glück im Spiel dabei…

    Eine „Inhaltsangabe“ gibt es meines Wissens nach nicht, aber viele, viele Texte zu dem, was den Leser erwartet. Stöbere einfach mal ein bisschen in den Notizen von Eugen Pletsch, da wirst Du fündig, was Dich erwartet.
    Ansonsten gibt es nur den einen Rat: Kaufe das Buch. Ich halte es seit gestern auch in meinen Händen! :-)

    Viel Spaß beim Lesen wünscht,
    Frau Oelmann

  2. Nils said,

    23. September 2009 um 13:17

    Immer für eine Schleichwerbung gut, der Herr Pletsch ;)

    Auch von mir einen Glückwunsch!

    Einmal an Frau Oelmann für die wirklich beeindruckende HCP-Verbesserung und ein weiteres Mal für Herrn Pletsch zum Erscheinen des neuen Buchs.

    Gibt es eigentlich irgendwo eine Inhaltsangabe dazu?

  3. Frau Oelmann said,

    15. September 2009 um 17:34

    Lieber Eugen!
    Wenn ich gefragt werde, wie das möglich war – in einem Jahr – so habe ich bisher keine Antwort parat. Ich verspüre dann nur ein Gefühl…ein Gefühl, von Anfang an auf dem richtigen Weg gewesen zu sein: Auf dem Weg der weißen Kugel…
    Ich freue mich sehr auf Dein 3. Werk!
    Liebe Grüße,
    s.

  4. 14. September 2009 um 20:10

    Und das in einem Jahr – für so ein Handicap habe ich Jahrzehnte geackert. GRATULATION!
    Ich hoffe, ich darf hier erzählen, dass die Geschichte meiner Begegnung mit Frau Oelmann in meinem neuen Buch „Endlich einstellig!“ erzählt wird. Das Buch kann man vermutlich bei Joanna Salm oder in anderen gut geführten Golfshops erhalten.

    Herzliche Grüße
    Eugen Pletsch

  5. Frau Oelmann said,

    14. September 2009 um 19:03

    Vielen Dank! :-)
    Liebe Grüße,
    Frau Oelmann

  6. Joanna Salm said,

    10. September 2009 um 05:23

    Herzlichen Glückwunsch zum neuen Handicap!


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