Frau Oelmann liest ein Golfbuch.

Endlich komme ich zur Ruhe. Urlaub und Ruhe sind in Einklang gebracht. Auf Ritas Sonnendeck erhasche ich die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages. Die Sonne ist müde, so wie ich jetzt, und will sich ebenfalls zur wohlverdienten Ruhe betten. Ich rieche frisches Gras, höre entferntes Traktorengeratter, lausche dem Rauschen der Bäume. Der stolze Heinrich zu Füßen der Linde trägt seinen Namen zu Recht. Es ist ein herrlicher Abend.

Und dann dieses wissende Gefühl, eine neue Leserin begeistert zu haben. „Ich habe das Buch im Regal vorgefunden!“ ruft sie fröhlich von ihrem Balkon herunter. Rita hat in jedem ihrer schönen Appartements ein größeres Büchersortiment für ihre lesefreudigen Gäste parat stehen. „Der Weg der weißen Kugel“ macht schon längere Zeit seinen Weg durch Ritas stilvolle Frankenschleif.

„Ich habe schon die ersten Kapitel gelesen.“

„Und wie gefällt es Ihnen?“ will ich wissen.

„Es ist…na…sagen wir…gewöhnungsbedürftig.“

„Gewöhnungsbedürftig?“

„Nun ja, er schreibt halt gewöhnungsbedürftig. Die Sätze, wie er sie zu formulieren weiß. Das ist großartig, absolut einzigartig! Dieses Buch werde ich mir zu Hause auch kaufen!“ frohlockt sie.

Langsam nervt das Traktorengedaddel. Die Lärmemission erinnert plötzlich an einen Leo I aus der Vorkriegszeit. Die gefühlte Entfernung entpuppt sich inzwischen als eine 60°-Lobwedge-ein-viertel-Schwung-Distanz, was bei mir ungefähr eine Entfernung von etwa 15,34 m ausmacht. Dazu dieser unsägliche Dieselgestank. Das frisch gemähte Gras hat keine Chance mehr. Ich bin in einer Dieselwolke gefangen. Atemnot ist – direkt hinter aufkeimenden Bierdurst und kein Bier in der Nähe – die schlimmste Existenzangst, die ich mir in diesem Moment vorstellen kann.

Na gut. Klaustrophobie ist auch schlimm. Wer will schon in einer Wolke gefangen sein? Obwohl…bei näherer Betrachtung könnte ich mir durchaus vorstellen, dass…ein Gefühl wie Watte, Schweben wie eine Elfe, phantastische Aussicht auf unseren Planeten…meine Träumereien lösen sich langsam auf wie der Rauch eines Joints. Alles was bleibt, ist eine angenehme Nachhaltigkeit im Rausch der Sinne. Es fühlt sich sehr leicht an, so friedvoll…

Alles war kein Traum. Die Dame liest und ist fröhlich dabei. Dieser Dame, ich schätze sie vorsichtig Ende 50 ein, erzählte ich eines Abends beim letzten Glas im Stehen ein wenig vom Golfgagaisten.

Ich döse weiter vor mich hin und sinniere darüber, dass es noch Menschen, ja sogar Golfer gibt, die Eugen Pletsch bisher nicht gelesen haben, was sehr schade ist, denn er schreibt in der Tat einzigartig. Da hat sie Recht, die Dame!

Jetzt ist sein drittes Buch erschienen: „Endlich einstellig! Golf und die Kunst des Scheiterns“. Wenn ich Rita das nächste Mal besuche, wird dieses Buch dann auch seinen Weg durch die wunderschöne Frankenschleif machen?

Nun werde auch ich abtauchen in die Erzählungen des Eugen Pletsch, denn in diesem Moment halte ich sein neues Buch in den Händen und verspüre, wie sich meine Gesichtszüge in ein freudiges Strahlen verwandeln…

Herzliche Grüße,

Frau Oelmann.

www.cybergolf.de

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