Hot Pants und Hannelore – Eine Deutschlandreise.

No Dogs, no Ladies. Welche Golferin hätte von diesem Verbot noch nichts gehört. Aber was schert es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr schubbelt. Ich bin eine Frau. Eine Golferin. Ich hatte mal einen Hund. Ich liebe das Golfspiel. Ich habe gefunden, wonach ich nie gesucht habe. Ich bin glücklich.

Ich bin glücklich, weil ich meine erste Golfsaison als Clubmitglied erlebt habe. Mit allem, was dazu gehört. Ja, auch das Sommerfest. Das war wirklich schön. Gute Feiern sind vom Aussterben bedroht. Und die Clubmeisterschaft. Auch die ist vom Aussterben bedroht, habe ich mir sagen lassen. Zählspiel ist man nicht gewohnt (könnte das HCP verschlechtern), also guckt man lieber zu…mir war das egal, weil ich vom ersten Schlag an immer nur Zählspiel gespielt habe und so wollte ich dabei sein.

Ich habe in diesem Jahr auch eine Deutschlandreise unternommen. Mit Unterbrechungen, versteht sich. Mein Chef wollte mich zwischendurch immer mal wieder sehen und um Rat fragen.

Bayern. Meine Golferwiege steht in Furth im Wald. Es war wieder wunderbar. Ritas Frankenschleif ist immer eine Reise wert! Hier bin ich einem Schlaraffen begegnet, es wird ein unvergesslicher Abend. Rita hat stets tolle, interessante Gäste.

Odenwald. GC Sansenhof. Hier begegnete uns – nach eigenen Angaben – der älteste Flight Deutschlands: Die drei gaben an, zusammen 257 Jahre alt zu sein. Ehrfürchtig ließen Andi, Gerd und ich sie durchspielen. Sie spielten nämlich verdammt gut, saugut! Künstliche Hüftgelenke hin oder her. Das machte Mut im Hinblick auf das Älterwerden.

Befand ich mich noch hessischen Auenland? Ein Besuch im Golf & Country Club Attighof. Ich war stolz auf meine 103 Schläge. Dieser Platz war für mich persönlich eine besondere Herausforderung. Derartig schnelle Grüns habe ich im ganzen Jahr nicht gespielt. Mein schönster Schlag war der Tee-Shot an der 14 (Par 3 / 158 m) bis auf 3,50 m an die Fahne. Dass ich wieder 3 Putts brauchte, schmälerte meine Freude kein bisschen…

Im Rheinland habe ich mich auf einer Heimreise im GC Mettmann verirrt. Die 12. Bahn zu finden, ist für Gäste ein schwieriges Unterfangen. Mir ist es, trotz Nachfrage beim Verfolgerflight, nicht gelungen!

Mein Navi fand im niedersächsischen Niemandsland zwischen Hildesheim und Braunschweig den GC Gleidingen von ganz allein. Eine phantastische 27-Loch Anlage mit dem Flair eines Links-Course, wie mir Jürgen erzählte. Aha, so spielt es sich also in Schottland. Ich nahm den Turniersieg der golffriends-Serie gerne mit auf den Heimweg. Übrigens: Nach unserer Runde am nächsten Tag sah ich sie dann: Hot Pants auf der Driving Range, WOW, die traut sich was, dachte ich! Aber bei näherem Hingucken wurde mir übel. Da war nur Orangenhaut in diesen Hot Pants! Meine Güte, eine Appetitlosigkeit, die ihresgleichen suchte. Hannelore neben mir verzog ebenfalls das Gesicht. Auf wen immer die Gute gewartet haben mochte – sie machte häufig Cappucino- Pausen auf der Clubterrasse – sie würde noch sehr lange warten müssen…

Ein letzter Ausflug ins Brandenburgische zum schönen GC Motzener See (vor allem die 2. Neun!) beendete meine Reisen. Ich nahm meinen Bruder mit, der immer mal wieder gerne als Caddie mitgeht. Ich sah in die Glaskugel und orakelte ihm, dass er eines Tages selber Golf spielen wird. Ich meine, ein Glänzen in seinen Augen bemerkt zu haben.

Auf all’ meinen Reisen habe ich etwa 4.500 km zurückgelegt mit meinen Automatikgetriebenen 136 zehn Jahre alten Pferdestärken mit vier Zylindern bei zwei Litern Hubraum, elektrischen Fensterhebern, beheizbaren Außenspiegeln, Lederlenkrad, sportlichen 205er Heizer-Reifen mit Alufelgen und nachgerüstetem Navigationsgerät. Also dem ganzen Hightech- Gerümpel, was man in eine neuzeitliche Zeitmaschine alles einbauen kann. Ich habe dabei Autobahnen, Bundesstrassen, Landstrassen, Feldstrassen, Anliegerstrassen, Zufahrtstrassen zu Golfplätzen (auch, wenn so manch’ eine diesen Namen nicht verdient hat), Passstrassen, Kreisverkehre, Gebirgspfade und Wildwechsel – unter regelmäßiger Missachtung der inzwischen nahezu überall vorhandenen Tempolimits (!) – befahren. Ich bin auf keinen Tramper gestoßen (wo sind die eigentlich alle geblieben? Hat inzwischen dank der Abwrackprämie jetzt jeder sein Auto?), habe alles in Allem ca. 24 Pinkelpausen gehabt und bin in zahllose Staus geraten (von denen man sich am Ende des Staus immer öfter fragt, warum war da eigentlich ein Stau?). Und nun raten Sie mal, welche absolute Durchschnittsgeschwindigkeit mir mein Bordcomputer ermittelt hat: Aus Sicht eines sportlich düsenden Autofahrers habe ich es auf unerhörte 86 km/h Durchschnittstempo gebracht! Mehr nicht. Wer hätte das gedacht? Die Autos werden jedes Jahr schneller und die Durchschnittsgeschwindigkeit jedes Jahr langsamer.

Wie auch immer. Mir hat es Spaß gemacht, unterwegs zu sein, Bekannte und Familie wieder zu sehen und neue Golfplätze im Land kennen zu lernen. Die Menschen vor Ort mit ihren Traditionen, ihren Sprachen. Zugegeben, ein Umweltbeitrag war das viele Reisen nicht gerade. Aber dafür habe ich meine Hausbank bestimmt vor dem Ruin gerettet. Eventuell bekomme ich dafür ja eine Ehrennadel verliehen, denn Banken müssen in Zeiten schwerer Wirtschaftskrisen gerettet werden, sonst ginge nichts mehr im Lande. Sagen die Wirtschaftsexperten jedenfalls…

Unterwegs zu sein kann indes auch Völker verbindend sein. Ich sehe mich dann ein bisschen wie ein Außenminister. Mit Freundlichkeit und etwas Diplomatie kann so manches Vorurteil aus dem Weg geräumt werden: Dogs and Ladies allowed!

Die Zeitreisende,

Frau Oelmann

www.cybergolf.de

10 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    12. November 2009 um 20:00

    Lieber Herr Welz,
    danke für die Blumen, Ihr Kompliment schmeichelt mir.
    Ich wünsche auch Ihnen und Ihrer Familie einen gesegneten Winterschlaf.

    Ihre Wittenbecker Hofwiese scheint mir gerade mal so angemessen für einen OVZT’ler! ;-)

    Herzliche Grüße,
    Frau Oelmann

    Ach ja…mein Wintertrainingsplan…das Protokoll sieht zunächst einmal ein persönliches Fitness-Programm vor: Mein Umzug steht an…

  2. Martin Welz said,

    12. November 2009 um 08:57

    Wie so oft – sehr schön zu lesen…
    Gespannt bin ich aber auch auf Ihren ausführlichen Bericht zu meiner „Haus und Hof Wiese“ Wittenbeck. Kommen Sie gut durch den Winter…

    PS: Fahren Sie nun eigentlich in ein Wintertrainingslager?

  3. Frau Oelmann said,

    9. November 2009 um 20:22

    C’est la vie, c’est la guerre…

  4. debo80 said,

    9. November 2009 um 20:07

    Den ganzen Sommer? Ein Traum würde in Erfüllung gehen, doch so gerne ich wollte, ich könnte nicht… BG Monsieur D.

  5. Frau Oelmann said,

    9. November 2009 um 19:35

    Cher Monsieur D.,
    Leseschmaus…merci beaucoup für Eure Freundlichkeit.
    Mais, est-ce que c’est possible…hegt Ihr etwa insgeheim die Hoffnung, dass unsere gemeinsame Runde einen ganzen Sommer lang währen wird?!
    Adieu, mon ami.
    Mme. O.

  6. debo80 said,

    9. November 2009 um 19:21

    Liebe Frau Oelmann – wie immer ein Leseschmaus.
    Aber ihre „24 Pinkelpausen“ bereiten mir Sorge. Werden wir bei jeder 2. Bahn unserer gemeinsamen Golfrunde eine Pause einlegen müssen? Das würde meinen sensiblen Spielrythmus gehörig durcheinander bringen… ;-)

  7. Frau Oelmann said,

    3. November 2009 um 20:49

    Also dann, vielen Dank für die Einladung!
    Warten wir ab, was uns das nächste Jahr bringen wird…

    Viele Grüße
    Frau Oelmann

  8. rebel said,

    3. November 2009 um 17:13

    Ich würde doch solche Einladungen nie Aussprechen wenn ich sie nicht so meinen würde. Ich hoffe dann nur, das meine bescheidenen Golfkünste Sie nicht abschrecken….

  9. Frau Oelmann said,

    3. November 2009 um 05:35

    Hallo rebel,
    es freut mich, das Ihnen der Reisebericht Freude bereitet hat.

    Mit Crossern einmal unterwegs zu sein, klingt sehr verlockend. Vorsicht daher mit dem Aussprechen von Einladungen. Es könnte sein, dass ich drauf zurückkomme und auch einen Boxen-Stopp in Sachsen-Anhalt in Erwägung ziehe! :-)

    Viele Grüße
    Frau Oelmann

  10. rebel said,

    2. November 2009 um 20:35

    Ein schöner Jahresrückblick.

    Um Banken noch mehr zu helfen, Empfehle ich den Dispo auszureizen da ja 17.5 % der Bank noch mehr helfen als der Zinslose Kredit unserer Bundesregierung.

    Zum Teil sind die Tramper nach UK ausgewandert, dort ist es als Tramper wesentlich einfacher mitgenommen zu werden als hier in D.

    Falls Sie mit Ihren Reisen mal wieder Unterwegs sind und im Land der Frühaufsteher sind, schlagen sie doch hier mal auf und drehen eine Runde mit uns Crosser.

    liebe Grüße
    rebel


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