Golfsport: Das große Missverständnis vom Breitensport – Teil 1

Heute: Die Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Realität

Da stoße ich dieser Tage auf ein so genanntes „Positionspapier“ des DGV. Der Verband macht sich Sorgen um die Zukunft des Golfsports und um „gesundes Wachstum“. Das Positionspapier datiert aus September 2007. Ich klickte mich weiter durch die DGV- Seite und suchte nach Zwischenberichten, nach dem aktuellen Stand der Dinge. Dazu fand ich aber nichts Konkretes. Während ich also dieses Papier studiere, fallen mir hier und da seitens des DGV Diskrepanzen auf zwischen Wunschdenken und der Realität. Es liegen offensichtlich Missverständnisse vor: Laut repräsentativer Umfrage des DGV gibt es bei uns im Lande 4,1 Millionen Golfinteressierte (!) ab 14 Jahren. Wenn das so wäre, warum haben die Clubs dann regelmäßig Probleme, neue Mitglieder zu rekrutieren? Ich habe eine Ahnung, warum das so ist…

So sinniere ich darüber, wie ich dem DGV helfen könnte, da mir der Golfsport am Herzen liegt. Wieso gerade ich, fragen Sie? Nun, meine bisher gemachten Erfahrungen zu manchen Topics in diesem Papier dürften für den DGV vielleicht nicht ganz uninteressant sein, war ich doch noch vor gar nicht allzu langer Zeit selbst einer der ermittelten 4,1 Millionen potentiellen Golfinteressierten. Mich hat damals allerdings keine Initiative des DGV an den Golfsort heran geführt, ganz andere Wege haben mich irregeleitet. Sollte ich eine Einladung des DGV zu einer Arbeitssitzung erhalten, werde ich mich gerne als Wegweiser unterstützend zur Verfügung stellen.

Nehmen wir einmal folgenden Auszug aus dem besagten Papier: „Ausgehend von den Mitgliedern bzw. Kundenbedürfnissen erstreckt sich das Golfangebot innerhalb des DGV von der quasiöffentlichen Kompaktanlage bis zum exklusiven Premiumclub. DieseSegmentierung wird sich fortsetzen.“ – Herr Dr. Scheuer hofft (Präsident des DGV), dass dieses Statement nicht fehl verstanden wird. Ich denke, es ist nur eine schwache Hoffnung, denn es wird fehl verstanden werden. Golfclubs werden sich nach diesem Segmentierungs-Konzept nach wie vor schwer tun, da es alle üblichen, bestehende Klischees – die bekanntlich eine abschreckende Wirkung für Neueinsteiger haben und somit eine der größten Hürden darstellen! – eher unterstützt als abbaut und wäre daher absolut kontraproduktiv. Eine fortgesetzte Segmentierung sorgt fürderhin dafür, dass die Schere zwischen „quasiöffentlich“ und „exklusiv“ weiter auseinander gehen wird. Zugegeben, eine 2-Klassen-Gesellschaft auch im Golfsport wäre jetzt zwar nicht gerade die große Innovation, jedoch führt Gettoisierung bekanntermaßen stets zu großen Problemen.

Meiner Meinung nach braucht auch ein Golfclub eine durchgängige Mitgliederstruktur, d. h., dass keine Ausgrenzungen von potentiell Interessierten lediglich aufgrund ihrer sozialen Verhältnisse stattfinden. Entscheidend wäre, das jeder Mensch, der den Golfsport für sich entdeckt, unter passablen Bedingungen spielen kann, wo er möchte (bis auf einige Ausnahmen, denn die bestätigen ja grundsätzlich die Regel).

„Golf ist ein Sport zum Anfassen, dem man sich ohne Hemmungen nähern kann. Dies wollen wir in Zukunft noch deutlicher machen.“ – DGV-Präsident Dr. Wolfgang Scheuer spricht aus, was ich denke: Anfassen und nähern, das ist ok, aber damit soll es dann auch gut sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass viele Clubs im vergangenen Jahr signifikant ihre Greenfees erhöht und die Vorgabe gesenkt haben? Hatte etwa die Einführung der Hologramme mit dieser Entwicklung zu tun? Sollte die Einführung eines Handicap 54 das Volk aus der Nähe blenden? Ein Schelm, wer böses dabei denkt…Fakt ist, dass ich nunmehr mit meinem aussätzigen Freund vom VcG noch seltener zusammen Golf spielen kann, weil die z. T. obszönen Greenfees schlichtweg eine Ausladung sind!

Womit wir beim VcG angekommen sind: Diese dem DGV unterstellte Vereinigung clubfreier Golfer hat u. a. die Aufgabe, zu vermeintlich günstigen Preisen, den Einstieg für (4,1 Millionen) Golf- Interessierte zu schaffen. Diese Vereinigung trägt somit eine schwere Last auf ihren Schultern. Wenn man über gesundes Wachstum im Golfsport nachdenkt, geht vermutlich kein Weg am VcG vorbei (sie scheint ohnehin bereits so etwas wie die „Exekutive“ des DGV sein). Wie kann es daher sein, das der VcG einen derart schlechten Ruf unter DGV-Club-Golfern besitzt und die Clubs durch überteuerte Greenfees den VcG’ler bereits vor den Toren der Stadt wissen lassen: „Fremder, go home!“?

Auf mich wirkt so manches wie ein großes Missverständnis. Aber vielleicht soll der Golfsport bei uns im Lande tatsächlich überhaupt nicht zum Breitensport avancieren. Ich werde dieses Papier weiterhin aufmerksam studieren, denn es könnte ja sein, dass ich eines Tages eine Einladung des DGV zu einem Arbeitskreis diesbezüglich erhalte und dann möchte ich gut vorbereitet sein!

Es verabschiedet sich für heute,

Frau Oelmann.

*In orange markierte Zitate sind dem Positionspapier des DGV aus September 2007 entnommen. Dieses Papier kann jedermann auf der Internetseite des DGV einsehen.

www.cybergolf.de

2 Kommentare

  1. Der Herr Schmied said,

    11. Januar 2010 um 14:54

    Hallo Frau Oehlmann,

    mit Ihren Worten liefern Sie den Nachweis, das die angebliche Offenheit des DGV bezüglich der gewaltigen Zahl von 4,1 Mio. potenziellen Neu-Golfern ein nur öffentlichkeitswirksames Lippenbekenntnis sind.

    Der DGV, aber auch die wenigsten Clubs haben kein echtes Interesse daran, ihre Tore zu öffnen. Fast jeder neu gegründete Club ist in den ersten Jahren auf Rabbits abgewiesen, die sich in genau der gleichen Situation befanden, in der jeder VCGler oder jedes Fernmitglied heute steckt. Entsprechend offen sind Clubmanagement und Vorstand gegenüber neuen Interessenten, da diese letztendlich die finanzielle Grundlage für den Bestand und den Ausbau des Clubs bilden. Das Bild wandelt sich jedoch spätestens dann, wenn eine solide Mitgliederbasis vorhanden ist. Plötzlich wird es voll auf der Range und an den Abschlägen. Startzeiten müssen gebucht werden. Spätestens dann, werden die Alt-Mitglieder unwirsch, beschweren sich, und Stilblüten wie doppeltes Greenfee für VCGler oder Logo-Freie sind die Folge. Exakt so, habe ich es in meinem 2002 gegründeten Club erlebt.

    Aus diesem Grund bin ich ein großer Verfechter und Freund öffentlicher Anlagen bzw. Betreibergesellschaften. Die Kommerzialisierung des Golfsports würde die vermeintliche Exklusivität des Sports endlich aufbrechen. Die Zahl der Spieler steigt, die Greenfee-Preise sinken, und Golf entwickelte sich in Richtung Volkssport.

    Beste Grüße !

    Der Herr Schmied

  2. rebel said,

    10. Januar 2010 um 21:05

    Hallo Frau Oelmann,

    da haben wir also ihren ersten Teil. Ich hoffe doch mal das das Teil 1 des ersten Teiles ist und da noch Teil 2 – 7 folgen werden.

    Zu ihrer Betrachtung mit dem VcG kann ich ihnen nur zustimmen. Zwar gab es in den letzten Jahren (vor dem Logo) eine kleine Entspannung was das Greenfee für VcGler angeht, doch mit Einführung des Logos ist es wieder schlechter geworden. Das und ein paar andere Punkte haben mich bewogen diesem Verein nicht beizutreten. Einer davon war das man nicht genau nachvollziehen kann was aus den Mitgliedsbeiträgen wird. Ist doch die VcG eine 1000% Tochter des DGV und die Gremien des VcG durch DGV Mitglieder besetzt. Ich will jetzt nichts andeuten, doch gab es da schon andere die gemunkelt haben.
    Bezüglich des VcG kann ich Sie noch an Herrn Schlapp verweisen.
    http://www.schlapp-schotten.de/dvg.htm
    Es gibt auch ein Buch von ihm was ich ihnen als Lesestoff ans Herz legen möchte.

    Wie Golf als Breitensport aussieht, kann ich immer wieder in UK sehen und erleben. Vielleicht sind es genau diese „Zustände“ die der DGV nicht haben will. ;)

    Ihnen noch eine angenehme Woche
    rebel


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