Golfsport: Das große Missverständnis vom Breitensport – Teil 2

Heute: Clubbeiträge und Ratenzahlung

Wie ich bereits berichtete, entdeckte ich über die Weihnachtsfeiertage zufällig ein so genanntes Positionspapier des DGV. Dieses Papier befasst sich mit der Entwicklung des Golfsports. Sehr interessant, wie ich befand. Aus aktuellem Anlass – die Beitragsrechnung für 2010 wird nämlich bald fällig – habe ich mich dieses Mal näher mit dem Beitragswesen der Golfclubs befasst.

Da heißt es in dem Papier: „Aktive Maßnahmen des DGV zum Abbau der durch Marktforschungsstudien durchaus belegten Kostenbarriere für golfanlagengebundenes Golf wird es daher nicht geben.“ – Der DGV hat recherchiert, dass die Kostenbarriere eine Barriere für den Golf- Einstieg ist, will jedoch nichts daran ändern!?? Wenn Sie mich fragen, ist dies nahezu eine Absage an den Großteil der 4,1 Millionen Golf- Interessierten, die es laut Studie des DGV bei uns im Lande geben soll.

Inzwischen habe ich erfahren, dass die Golfplatz- Unterhaltung pro Jahr sehr viel Geld kostet. Aber das ist seitens der Clubs bzw. Clubbetreiber über die Festlegung des Jahresbudgets in der Regel eine kalkulierbare Größe. Jedoch für Golf- Interessierte „aus der breiten Masse“ nicht ganz so einfach kalkulierbar. Das sind in der Regel Gehaltsempfänger, so wie ich. Da werden Nachzahlungen durch Umlagen schon einmal zu ganz unliebsamen Überraschungen, sprich unkalkulierbaren Größen. Dazu kommt, so fürchte ich schon heute, dass es notwendig werden wird, durch ausbleibende neue Mitglieder, die Kosten auf Bestandsmitglieder umzuwälzen, womit wir übergangslos bei der Rentenkasse wären. Einen gravierenden Unterschied gäbe es dann allerdings: Ich könnte dem Club die Kündigung einreichen. Übrigens, ich müsste es dann auch, da die Schmerzgrenze des Bezahlbaren bei mir bereits erreicht ist. Aber ist das gewollt? Ich will es nicht, ich will Golf spielen, das Spiel meines Herzens.

Die Einführung von Ratenzahlungen in Bezug auf die Clubbeiträge wäre möglicherweise ein Schritt in Richtung Entschärfung der „durchaus belegten Kostenbarriere“. Das wäre für viele Interessierte vermutlich sozial verträglich – wenn man das in Zusammenhang mit einem Spiel überhaupt so formulieren darf (vergesse ich doch nicht, dass es ein Privileg ist, Golf spielen zu können). Sollte es dem Ratenzahler eines Tages nicht mehr möglich sein, seinen Verpflichtungen nachzukommen, so endet seine Mitgliedschaft und das war es dann. Erst einmal. Denn es bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass dieser Kunde dann nicht eines Tages wieder an der Tür dieses kundenfreundlichen Clubs anklopfen wird. Er wird wiederkommen, sobald seine finanzielle Situation dies wieder zulässt. Wer einmal vom Golfvirus infiziert wurde… Und ich bin sicher, dass die Budgetierung der Clubs durch diese variablen Größen sicherlich nicht ins Schlingern geraten würde. Ganz im Gegenteil: Es würden zusätzliche Gelder durch Golf-Interessierte freigesetzt, die sich der DGV schon heute erhofft.

In der vergangenen Saison habe ich bereits mehrfach gehört, dass hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, Ratenzahlungen würden inoffiziell in Einzelfällen in einigen Clubs praktiziert werden. Wer also sind die Einzelfälle und vor welchem Hintergrund, wenn es sie gibt. Von Gemunkel halte ich in der Regel nicht viel, aber es kommt eben vor, dass darin auch manchmal Wahrheiten versteckt sind. Darauf hin habe ich eines Tages wahllos so manche Webseite von diversen Golfclubs studiert. Und siehe da, es gab den einen und anderen Club, der Ratenzahlung für designierte Mitglieder bereits anbietet. Hier könnte man weitere Informationen einholen, welche Erfahrungen gemacht wurden. Ich denke jetzt darüber nach, dieses Thema auf der nächsten Mitgliederversammlung einmal anzusprechen.

Was jedoch zunächst bleibt ist die Frage an den DGV nach der Ernsthaftigkeit seiner Idee vom Breitensport. Es könnte ja sein, dass alles lediglich ein großes Missverständnis ist…

Herzliche Grüße,

Frau Oelmann.

**In orange markierte Zitate sind dem Positionspapier des DGV aus September 2007 entnommen. Dieses Papier kann jedermann auf der Internetseite des DGV einsehen.

www.cybergolf.de

8 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    12. Februar 2010 um 19:27

    Hallo, Ihr Lieben!
    ist es nicht erstaunlich, dass schottische (und auch englische) Golfhistorie so sehr unterschiedlich ist zu deutscher Golfhistorie? Ich spiele damit auf die Umschreibung des „einst Königlichen Spiels“ an. Umso erstaunlicher, da die Königshäuser dieser Länder – einschließlich der Franzosen übrigens – doch stets darauf bedacht waren, aus politischen Gründen Liasonen zu schaffen?
    Wie konnte die Kultur dieses Spiels derart an uns vorbei gehen? Mangelte es an guten Golfschlägerbauern im Lande? ;-)
    Aber es ist, wie es ist. Unsere Golfhistorie gründet auf komplett unterschiedlichen Beweggründen. Und wie es scheint, hatten auch die Fugger offensichtlich andere Hobbies im Sinn und die Golf-Evolution bei uns im Land, so wie wir sie uns vorstellen, wird noch ein wenig andauern…
    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  2. rebel said,

    12. Februar 2010 um 13:47

    Hallo Denis,

    tja leider werden wir keine schottischen Verhältnisse bekommen. Dafür haben wir aber doch beachtliche Fortschritte gemacht was den Golfsport angeht (das beobachte ich nun schon seit über 10 Jahren) aber leider ist die Mehrzahl der Golfer bei uns eben nicht bereit für so was…

  3. Dennis Born said,

    12. Februar 2010 um 11:51

    Hallo Frau Oelmann, Hallo rebel,
    ich sehe das genau so kritisch wie ihr, aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Deutsche was das Golfspiel angeht, leider nicht mit dem Schotten vergleichbar ist.
    Dem Schotten ist das Golfspiel als Kulturgut in die Wiege gelegt worden und er hat es weiter gepflegt. Deshalb ist es dort auch Breitensport.
    Wir haben zwar auch eine Golftradition, aber nicht so ausgeprägt wie dort.
    Wir werden hier vermutlich niemals schottische Verhältnisse erleben, aber ich habe Hoffnung, dass sich Jahr für Jahr ein wenig mehr tut.

    Übrigens gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mehrere dieser “ “kleinen Clubs”, die nicht ein protziges Clubhaus ihr eigen nennen und doch einen Platz zum spielen haben“. z.B. Golfclub Tessin oder Golfclub zum Fischland etc.

    Viele Grüße Dennis

  4. rebel said,

    1. Februar 2010 um 20:52

    Hallo Frau Oelmann,

    klar kannst Du du sagen – im englischen gibt es ja kein Sie ;)
    Dann wird es ja wieder einmal Zeit und bitte das Golfbag nicht vergessen. Golfen in Schottland ist so einfach und super genial.

  5. Frau Oelmann said,

    1. Februar 2010 um 18:58

    Ja, hast Du, mein treuer Freund! (Darf ich „Du“ sagen?)

    Wenn Ihr das nächste Mal fahrt und eine Anhalterin mit Golfbag auf der Autobahn seht, haltet an. Es könnte gut möglich sein, dass ich das bin! ;-)

    Erzählte ich schon? Als ich das erste und bisher einzige Mal im Leben in Schottland war, schrieben wir das Jahr 1979. Einst in Banchory (bei Aberdeen) im Oktober hatte mich nur der Pub direkt neben der Dorfkirche gegenüber vom Golfplatz fasziniert…

    Verträumte Grüße
    Frau Oelmann

  6. rebel said,

    1. Februar 2010 um 18:48

    aaaachhhh Schottland,
    hatte ich erwähnt das ich zum Jahreswechsel wieder drüben war?

    liebe Grüße
    rebel

  7. Frau Oelmann said,

    1. Februar 2010 um 18:47

    Es wird Zeit, dass ich den Weg nach Schottland wiederfinde…

    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  8. rebel said,

    1. Februar 2010 um 17:46

    „Was jedoch zunächst bleibt ist die Frage an den DGV nach der Ernsthaftigkeit seiner Idee vom Breitensport. Es könnte ja sein, dass alles lediglich ein großes Missverständnis ist…“

    das ist kein Missverständnis, das ist Marketing – wie weit Marketing und Wirklichkeit zusammen liegen, brauche ich ja nicht zu erwähnen.

    Ich glaube aber immer noch das Golf in D ein Prestige Sport ist, den sich nicht jeder leisten könne soll. Warum sonst gibt es so wenige „kleine Clubs“, die nicht ein protziges Clubhaus ihr eigen nennen und doch einen Platz zum spielen haben.
    Da lobe ich mir die kleinen Plätze in Schottland… Da wo Golf Breitensport ist und ein Sport unter vielen anderen auch.

    liebe Grüße
    rebel


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