Gutes Golf spielen: Technik vs. Ballgefühl

Wie so viele Golfer begab auch ich mich auf die Suche nach einem wirklich guten Golflehrer. Während meiner Suche erhielt ich einige bewegende Zuschriften, die mich veranlassten, dieses Thema auch im Golfhaus-Forum publik zu machen. Hier bekam ich noch einmal tatkräftige Unterstützung in Sachen Golflehrer-Suche. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen Ratgebern für ihre Hilfsbereitschaft bedanken.

Nachdem ich zum wiederholten Male unruhige Nächte damit verbrachte, wie man denn den wirklich guten Golfpro findet*, quälte mich letzte Nacht plötzlich eine neue Frage: Ist es möglich, dass man ausschließlich Kraft seines Ballgefühls eines Tages gutes Golf spielen wird?

Ich frage mich das, weil man mir ein stark ausgeprägtes Ballgefühl nachsagt. Meine Bälle flogen einfach vom zweiten Schlag an. Natürlich war es wichtig, durch einen Golflehrer die Grundbegriffe zu lernen: „Wenn Du dies, das und jenes tust, fliegt der Ball.“ Seit dem fliegen meine Bälle auch immer öfter in die gewünschte Richtung. Nach nunmehr zweieinhalb Jahren Golf spielen hat sich mein Spiel peu à peu verbessert, obwohl ich nur direkt zu Beginn ein paar Mal Unterricht hatte und ich mich zu keinem Zeitpunkt mit Golftechnik beschäftigt habe. Je mehr Runden ich spielte, umso mehr erfuhr ich, dass die meisten Golfer allen Golflehrern und Fachbüchern, allem Materialeinsatz sowie aller Technikbegeisterung zum Trotz oft nach zwei, drei Jahren an ihre Grenzen stießen und einfach nicht mehr besser wurden.

Es ist für mich als Frau immer wieder faszinierend, wie sich Mann en detail mit Forschung und Technik auseinander setzt. Gewiss einer der vielen Gründe dafür, dass wir heute nicht mehr in Höhlen hausen müssen, wofür ich sehr dankbar bin, da ich Angst vor „Problembären“ habe. Allen Pionieren gilt seit jeher mein größter Respekt! Gleichzeitig beschäftigt mich hin und wieder die Frage, ob diese detailverliebte Forschung zuweilen nicht auch ein Hemmnis, ein Stolperstein auf dem Weg zur Zielerreichung ist, da es nicht für alle „Erscheinungen“ eine Lösung, eine Formel zu geben scheint. Ist es nicht möglich, dass so manche Begabung ganz einfach einem Gefühl entsprungen ist?

Mein Gefühl sagt mir, dass es gut werden kann mit uns beiden, meinem Gefühl und mir. Das wir zusammen die Abschläge, Fairways und Grüns erobern werden. Irgendwann einmal. In Eintracht mit der Natur. Ich hege nicht den geringsten Zweifel daran!

Sie fragen, was ich unter „gutes Golf spielen“ verstehe? Nun ja…wenn ich auf den Weiten der Fairways Verbindung spüre zwischen Himmel und Erde und die Leichtigkeit des Seins durch eine unvergesslich schöne Runde ihren Frieden gefunden hat…

Gefühlsbetonte Grüße,

Frau Oelmann

*Es war eine Zufallsbegegnung in einer Golfschlägerwerkstatt. Wir kamen ins Gespräch über Gefühle beim Golfspiel. Wir befanden uns sofort auf derselben Frequenz. Wir verabredeten uns für eine Runde im Frühjahr. Es sollte sich herausstellen, dass mein Gesprächspartner ein Golflehrer ist…

5 Kommentare

  1. Nick said,

    11. Februar 2010 um 00:01

    Liebe Frau Oelmann,

    ich denke Herr Neumaier stösst sich am Wortteil „Ball“. Denn mit dem Ball hat das Gefühl eher wenig zu tun. Dann schon eher mit dem Körper.
    Der gute Mike Austin spricht ja vom Golf als „mental imagery“=einen „erträumten“ Ballflug in Körperbewegung umzusetzen. Ohne technische Gedanken. Einfach dem eigenen Körper vertrauen und machen. Und lernen das jeweilige Resultat ohne Bewertung zu akzeptieren.
    Das geht nur aber speziell beim Golfen leider nur durch viele von Aufmerksamkeit geprägte Wiederholungen. Dann kann man sich auf das Gefühl verlassen und sich diesem hingeben.
    Ohne zu denken, ohne zu golfen.:-)
    Mir erklärte erst vor kurzem ein befreundeter Golfer, dass man auf websiten wo es um Golfvermittlung geht, auf keinen Fall die Wörter Gefühl und fühlen benutzen sollte. Damit wollen sich viele Golfer/Innen nicht konfrontieren.
    Doch lieber mit Schulter-und Hüftdrehung, Winkel der Handgelenke, kinetischer Kette, mit Sensoren gespickten Westen, High Tech Video Anlagen etc.
    Mit Gefühl und einem Lächeln „vor“ dem Schlag sinds dann eher schon 30m! :-)

    meint Nick

  2. Frau Oelmann said,

    10. Februar 2010 um 19:57

    Lieber Nick,
    wissenschaftlich betrachtet mag Herr Neumaier recht haben (hat er? Ich kann es nicht beurteilen). Aber für meinen simpel strukturierten Geist bezeichne ich „genetische Voraussetzungen“ nach wie vor als „Ballgefühl“. Und nicht aus ostentativer Haltung heraus, sondern ganz einfach nur für mein persönliches Spielverständnis.
    Meine grenzenlose Verspieltheit gepaart mit hoffnungsloser Romantik lassen mich oftmals schon vor dem Schlag lächeln. Dieses Spiel ist so unglaublich schön! :-)
    Übrigens…bist Du inzwischen derselben Ansicht, dass es kein Ballgefühl gibt?

    Fragt neugierig
    Frau Oelmann

  3. Nick said,

    10. Februar 2010 um 19:18

    Christian Neumaier hat mal im SpicyForum zu mir gesagt:
    „Ballgefühl gibt es nicht.
    Vielleicht mitgebrachte genetische Voraussetzungen gemischt mit vielen Vorerfahrungen wie z.b. Hockey, die für unsere Sportart hilfreich sind.
    Alles, was man häufiger macht, erreicht ein höheres Niveau. Man muss es nur gerne machen.
    Nachdem sie, Frau Oelmann, ja viele Ballsportarten vor der Entdeckung des Wegs der weissen Kugel praktiziert haben, ist wohl die mentale Vorstellungskraft für Bewegungen hoch entwickelt. Deshalb, gepaart mit der Arbeit mit einem einfühlsamen Coach, sollten dem weiteren Voranschreiten auf dem Weg kaum Hindernisse auftauchen.
    Denn Lächeln nach dem Schlag bringt ja bekanntlich 20m.:-)
    Liebe Grüße
    Nick

  4. Frau Oelmann said,

    8. Februar 2010 um 18:03

    Hallo rebel,
    ja, das sehe ich auch so, dass es gut so ist…dass es Männer mit Gefühl gibt. Ich freue mich schon heute auf die Frühjahrsschmelze und eine gefühlvolle Runde! :-)
    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  5. rebel said,

    7. Februar 2010 um 21:27

    Hallo Frau Oelmann,

    wie das im Leben so ist mit den Männern, es kann nicht genug Technik geben ;)

    Schön ist es aber zu wissen, das es auch Professionals gibt, die entgegen aller Lehren und Meinungen erfolgreich sind und doch alle Lehrmeinungen zuwider Handeln.
    Es gibt also auch Männer mit Gefühl und das ist gut so.

    Ich wünsche einen schönen Restsonntag
    rebel


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s