Elben- Golf

Neulich brachte ich meine Golfschläger in die Chirurgie. Es war längst überfällig, dass sie unter das Messer kommen: Die treuen Eisen haben letzte Saison schließlich eine lange Saison hinter sich bringen müssen. Ich habe sie, so gut es mir möglich war, sehr fürsorglich behandelt, aber jetzt war ein plastischer, chirurgischer Eingriff kaum mehr abzuwenden. Beim Hausarzt holte ich mir die Überweisung ab und machte einen Termin beim Schönheitschirurgen.

Während wir im Wartezimmer verweilten, sehe ich plötzlich diesen Linkshänderschläger, der mir sofort ins Auge stach. Das tun sie immer, denn schließlich sind sie die schwarzen Schafe in jeder Herde. Auf 538 Musterschläger für Rechtshänder kommen immer ein bis zwei für Linkshänder. Nicht zum ersten Mal ärgerte ich mich über diese Tatsache! Ich hatte üblicherweise Mitleid und nahm ihn bei der Hand, um ein Stückchen mit ihm spazieren zu gehen. So erfuhr ich jedes Mal Schicksalsgeschichten, die mir hin und wieder zu Herzen gingen. Ich versprach, ihn für ein paar Tage bei mir aufzunehmen. Er lächelte mich dankbar an…

„Wow. Was für ein Schwunggefühl…darf ich den mal für ein paar Tage entführen?“

„For sure. Dafür ist er da! Weißt Du Mädschn, dass das ein Eisn ist, dass viele Tour-Pros spielln, nur unter anderrm Nam’n wegn de Million-Dollar-Sponsorin-Verträge.“

„Nein. Ich habe keine Ahnung, ich bin doch noch jung und muss noch vielll lärrrn, wie Du weißt.“

„Das Eisn is 4-fach geschmiedet, mit das beste, was es auf de Wällt gibt.“

„Es schwingt sich unglaublich leicht! Wahnsinn!“

„Das is ein supe laichte shahft mit nur 58 grrämm Gewicht.“

So überließ ich mein Schlägerset dem Chirurgen und machte ich mich mit diesem Ausnahmeschläger im Gepäck wieder auf den Heimweg. Auf dem Rückweg kam ich zufällig am Golfplatz vorbei und hielt an. Eigentlich hatte ich Flurwoche, der Frühjahrsputz war eingeplant und einkaufen musste ich auch noch. Ach, was soll’s? Ein paar Bälle können ja nicht schaden.

Es kam mir vor wie Elbengolf, meine Schwungbewegungen fühlten sich so unglaublich leicht an (obwohl ich über diesen besch… langen Winter bereits 3 kg zugenommen hatte), so leicht wie eine Daunenfeder im Wind. Ich glaubte sogar, ein Lächeln im Gesicht der Bälle erkannt zu haben, weil sie sich gestreichelt und nicht geschlagen fühlten. Aus Dankbarkeit boten sie mir schönste Flugkurven an. Ob das Flugverhalten der Bälle am Ende nur mit der Vollmondphase zu tun hatte, kläre ich gerade noch.

Ich spielte nur etwa 8 Bälle und ließ das Eisen ehrfürchtig und umgehend wieder in meinem Bag verschwinden. Es war ein einziger Schwung zuviel: Ich war angefixt! Als ich das Eisen zurück brachte, fragte ich nach dem Preis, was ich besser mal nicht getan hätte. Der Notarzt brauchte seine Zeit zur Reanimation. Jedenfalls habe ich jetzt den Salat: Als ich gestern meine Schläger abholte und zum Platz fuhr, um ein paar Bälle zu schlagen, hatte ich dass Gefühl, mit Keulen zu spielen. Das haben sie auch gemerkt und mich anfangs ganz schön im Regen stehen lassen. Nicht einen Ball traf ich vernünftig. Bei einer Tasse Kaffee führten wir ein Klärungsgespräch. Schließlich haben diese „Keulen“ innerhalb eines Jahres für meine Transformation vom Rabbit zum Tiger gesorgt. Wie konnte ich nur so undankbar sein, sie hatten recht. Ich kam wieder zur Besinnung, schaute raus in die Weiten der Driving Range, setzte ein Lächeln auf und fing rhythmisch und harmonisch an, langsam zu schwingen.

Wir haben 10°, in ein paar Tagen ist Frühlingsanfang, die Tage spenden wieder mehr und länger Licht, das Gras fängt an zu wachsen, ich bin gesund, ich kann Golf spielen, alles wird gut!

Beschwingte Grüße,

Frau Oelmann.

Übrigens, es war ein MIURA Forged Genuine mit einem Schaft Matrix MFS 58+

5 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    9. März 2010 um 19:58

    Ich bin um meine Entwicklung ebenso gespannt, lieber Ralf.

    Es freut mich, fleißige Leser in meiner Gemeinde zu wissen! :-)

    Viel Spaß und weiterhin gute Unterhaltung wünscht
    Frau Oelmann

  2. Ralf said,

    9. März 2010 um 07:23

    Liebe Frau Oelmann,

    oha, da hat es Sie ja schon voll erwischt. Ich habe etwa ein halbes Jahr gelitten bis ich dann nicht mehr widerstehen konnte und habe, obwohl mir beim Bezahlen meiner Schätze etwas schummrig wurde, nichts bereut. :-)

    Ich bin gespannt, wie sich das bei Ihnen entwickelt und werde fleissig Ihren Blog lesen.

    lg. Ralf

  3. Frau Oelmann said,

    4. März 2010 um 18:28

    Hallo Ralf,
    es freut mich, wenn Ihnen mein Bericht gefallen hat.

    Ich gebe zu, dass ich den Gedanken an eine Neu-Investition noch nicht ganz verdrängt habe. Wie denn auch, es war einfach zu schön, dieses Eisen zu schwingen…seufz…

    Herzliche Grüße,
    Frau Oelmann

  4. Ralf said,

    3. März 2010 um 17:39

    Ja, die Miuras …. so ähnlich bin ich auch zu meinen gekommen ;-). Schöner Bericht – Danke!

  5. rebel said,

    1. März 2010 um 16:00

    Hallo Frau Oelmann,

    es ist mit Golfschlägern wie mit dem Computer. Man findet immer wieder etwas, was noch besser geht.
    Man muss nur seinen inneren Schweinhund überwinden und sagen das es auch mit den „Keulen“ geht. ;)

    liebe Grüße von dem immer noch nicht spielen könnenden (aber schon versucht)
    rebel


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