Trolleys haben schwer zu tragen

Da war dieser Ehepaar-Vierer an der 7. Bahn. Viermal abgeschlagen, viermal in den 50 m entfernten Teich getoppt, viermal droppen, viermal toppen, diesmal dreimal über den Teich geschafft und nur einmal erneut droppen und drüber getoppt, exponierte Lagen für die nächsten Topps…

Ich schaue mir die Ausrüstung etwas genauer an, denn wir haben Zeit, viel Zeit, und registriere, dass alle Vier modernste Trolley- Modelle vor sich her manövrieren, die jeweils ein riesiges Bag zu tragen haben. Meine Vermutung geht in Richtung speziell entwickelter Schwerlast- Trolleys mit Sonderabnahme durch den TÜV. Zum wiederholten Male stelle ich mir die Frage, aus welchem Grund heutzutage primär nur noch diese Jumbo-XXL-Golfbags zum Einsatz kommen. Womit rechnet der gemeine Golfer während einer Runde, worauf will er vorbereitet sein?

Als ich seinerzeit mit dem Golfen anfing, habe ich nach einer Golftasche gesucht, in der ich gedachte, alles Notwendige für eine schöne 18 Loch Runde unterzubringen. Diese Golftasche schoss ich zufällig bei einem Internet- Auktionshaus für 20 Euro. Abzugeben an Selbstabholer las ich erst, als die Auktion beendet war, glücklicherweise musste ich nicht zum Gardasee. Sie war so schön anzusehen und ist sie heute noch, sie ist so rank und schlank, wie ich ein Leben lang immer werden wollte. Sie ist so übersichtlich und besitzt kein Setzkastenformat, in dem man sich verirren kann und dennoch nimmt sie leicht alles auf, was ich auf einer Runde mitzuführen pflege: 13 Schläger (ja, 13, ich habe nämlich gerade mal wieder Streit mit meinem Driver!), 12 Bälle (zu dieser Anzahl äußerte ich mich bereits), 2 Handschuhe (vielen Dank an McEvans Sports!), 2 Pitchgabeln mit Marker (eine steht grundsätzlich zum kostenlosen Verleih zur Verfügung), zahllose Holztees, 1 Zählautomat, 1 Regelheft, einen angespitzten Zweit- Bleistift, 1 Handtuch, Regenschirm, -Halter, -Jacke, -Hose, 1 Mütze, 1 Haarbürste, 1 Spike-Schraubendreher, Sonnencreme, 4 Ein- bzw. Zwei Euro- Münzen, 2 Trinkflaschen und Platz für 2 Brote und 2 Bananen ist ebenfalls vorhanden.

Aber offensichtlich stand mein Gedankengang der schlanken Haushaltsführung in krassem Gegensatz zur gängigen Praxis. Es musste definitiv sehr viel mehr mitgenommen werden, soviel stand fest, aber was um Himmels Willen nur? Als die ersten Regentropfen auf mein Gedankengewühl hernieder fallen, sehe ich Mitte Wasserhindernis plötzlich dieses Schlauchboot und die Ball- Rastellis fischen gemeinsam nach den noch gut erhaltenen Crane. Er hatte das Boot aus dem Kofferraum seines Bags gezaubert, wow!

Dann zogen sie weiter mit ihren Toppschlägen. Ich konnte diesen vier Jumbotaschen noch einen letzten Blick hinterherwerfen, bevor sie im Unterholz verschwanden. Ich fragte mich unwillkürlich, was ich sonst noch alles nicht dabei hatte, als plötzlich Wind aufkam. Natürlich! Die gute alte Stihl muss mit! So manch’ ein Kyrill hinterlässt holperige Hindernisse, die beseitigt werden müssen, auch auf dem Golfgelände.

Endlich konnten wir abschlagen und bewegten uns vorwärts. Die glorreichen Vier hatten sich zwischenzeitlich weiter voran gearbeitet. Ich sah 2 Bälle rechts im Grünbunker, als der Seemann einen Klappspaten aus dem Halfter seines Jumbo zog und sich Richtung Grünbunker bewegte und begann, einen Schützengraben auszuschachten. Sein Ball versuchte offensichtlich die Flucht über einen Tunnel im Sandbunker, er hatte sich bereits tief eingegraben…

Es war eindeutig von Vorteil, sich seinem Vorderflight einmal ausgiebig gewidmet zu haben. So konnte ich über elementare, existenzielle Fragen der überlebensfähigen Bestückung von Golftaschen nachdenken. Ich machte mir nunmehr Vorwürfe, wie ich bisher derartig fahrlässig am Auge der Realität vorbeisehen konnte!

Ich werde der Versuchung nicht mehr lange widerstehen können, den nächsten Jumbo- Flight eiskalt zu stellen, mich nötigenfalls als Zollbeamtin auszugeben und sie aufzufordern, den Inhalt ihrer Jumbos auf der Stelle komplett vor mir auszubreiten. Ich brenne vor Neugier, was nicht noch alles mitgeführt wird! Andererseits ist es nicht gut, alles zu wissen. Wer weiß, was nicht sonst noch alles ans Tageslicht käme?

Denn wie heißt es so schön: „Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet.“

Überraschte Grüße,

Frau Oelmann

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    12. Juli 2010 um 18:03

    Grüß Dich, Jürgen!
    Sach bloß, Du bist jetzt in der Frankenschleif?! Da haben wir uns ja nur knappstark verpasst, ich bin nämlich gerade wieder zu Hause angekommen.

    Freut mich, wenn Dir mein Artikel Spaß bereitet hat! :-)

    Ja genau, vielleicht hört oder sieht man sich mal wieder! Eine schöne Zeit bei Rita wünscht Dir,

    Sabine

  2. Jürgen ( Frankenschleif ) said,

    12. Juli 2010 um 16:50

    Hallo Sabine,
    habe deinen netten Artikel gelesen: wirklich nett!!!
    Vielleicht hört, oder sieht man sich mal wieder ?
    Liebe Grüsse
    Jürgen


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