Warum ist Golf spielen so faszinierend?

Die Sommerzeit nähert sich unaufhaltsam dem Ende. Obwohl sich der gemeine deutsche Urlauber zuweilen fragte, wohin sich der Sommer ausgerechnet mitten im Sommer zurückgezogen hat. Ich frage mich das jetzt auch, da ich gerade der heißen Badewanne entstiegen bin (nachdem ich die Heizung volle Pulle aufgedreht habe!), um den verfrorenen und regendurchweichten Gelenken nach dem heutigen Turnier mit fortwährenden monsunartigen Regenfällen neues Leben einzuhauchen. Ob der Sommer es einfach leid war, dass er ständig für alles und jeden herhalten muss? Schließlich erhofft ein jeder, dass er im Sommerurlaub Sonne satt abbekommt. Schlimmer noch, alle Golfer erwarten einfach, traumhafte Bedingungen auf jeder Runde vorzufinden. Und während ich noch auftaue, frage ich mich, warum das Golfspiel so faszinierend ist. Was ist es für eine Magie, dass wir an Tagen wie diesen, da der Himmel derartig viel Wasser über unser aller Köpfe ergießt, als ob er den Dreck von einer Million Jahren fehlgeleiteter, degenerierter Evolution über Bord spülen will, nicht spätestens nach dem zweiten Schlag an der ersten Bahn die Sachen packen, zurück zum Clubhaus watscheln und nach einem Glühwein fragen? Warum ist Golf spielen so faszinierend?

Eine Frage, die es Wert ist. Eine, die sich förmlich aufdrängt, auf jeder Runde einmal. Zumindest bei uns im Club und zwar spätestens an der 12. Bahn, der Teufelstaille, welche ihren Namen zu Recht verdient hat. Hier kann man die Faszination dieses Spiels am deutlichsten spüren … oder sollte ich sagen, hier bekommt man sie am deutlichsten zu spüren. Für die meisten von uns ist diese Bahn so etwas wie ein Fairway to Hell. Zugegeben, es ist ein etwas schwierig zu spielendes Loch. Und diese Bahn kann Geschichten erzählen, die an Dramaturgie nichts zu wünschen übrig lassen.

„Aaaaaaaahhh, NEIN! Nicht schon wieder!“

„Verdammte Sch…. ! Schon wieder links ins Biotop! Immer links – Immer nur links! Ich könnte ko….!“

„Neeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnn! Da wollte ich doch gar nicht hin!“

„So, jetzt ist aber gut. Heute spiele ich hier mindestens ein Bogey! Mir reicht’ s!“ – SWOSH! – „Hol mich der Teufel, links ins Biotop!“

„10 Eupen, dass ich den jetzt nicht links ins Biotop kloppe!“ – „OK, angenommen!“ – „F… – F… ! Ich hör auf mit Golf spielen!“ – „OK, her mit den 10 Piepen!“

„Ich weiß gar nicht, warum ich hier überhaupt noch abschlage, der geht doch sowie wieder links ins Biotop!“

Es ist schon bemerkenswert, auf welche Art und Weise ein Golfloch Ängste auslösen kann. Bis ich mit Golf spielen anfing, hatte ich spielen und Angst nicht in kausale Zusammenhänge gebracht. Diesbezüglich machte ich komplett neue Erfahrungen. Ich dachte eine Zeit lang sogar darüber nach, diese Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe anzusprechen, als ich irgendwann einmal von den Anonymen Golfern hörte (diese Gruppe ist allerdings so anonym, dass ich sie nicht ausfindig machen konnte). Professional Average Result 4 – verteilt auf 390 m Länge – setzen zuweilen alle bekannten und unbekannten Energien frei, die der Mensch freizusetzen jemals in der Lage ist. Das ist eindeutig faszinierend!

Aber selbstverständlich ist es nicht nur die Angst vor dem einen Loch, sondern Gott sei Dank sind es insbesondere die vielen Freuden auf der gesamten Runde, die das Golfspiel als Magie anmuten lässt. Was ist das für ein Gefühl, wenn der Drive die Schallmauer durchbricht! Oder … wenn wie durch ein Wunder der Pitch direkt am Fahnenstock zur letzten Ruhe kommt?! WOW! Das sind extraterrestrische Gefühle! Das kann man kaum in Worte fassen. Beim Gedanken daran gehen mir dieselben langsam und allmählich aus…

So werde ich nach und nach weiter darüber nachdenken, was die Faszination des Golfspiels sonst noch alles ausmacht, wie z. B. die Frage nach den Geheimnissen des perfekten Golfschwungs.

Verblüffte Grüße,

Frau Oelmann

4 Kommentare

  1. Hape42 said,

    7. November 2010 um 07:48

    eine wirklich gute Frage: „Warum ist Golf spielen so faszinierend?“

    Wer bei diesem Novemberwetter nach einer Runde nach Hause kommt, und die Frage seiner Frau „Na, wie war’s“ mit „Klasse, an der Eins gleich mit Par begonnen“ beantwortet, den hat es eindeutig erwischt. Egal, wie kalt, nass oder windig. Egal, wieviel Bälle in den Laubhaufen verschwunden sind. Oder wie der Score war. Ein gut gespieltes Loch, notfalls sogar ein gut gespielter Ball, reicht für mich, um an die letzten 4-5 Stunden positiv zurück zu denken.
    Golf spielen ist faszinierend!

  2. rebel said,

    2. September 2010 um 13:53

    Also wenn was anderes, dann doch lieber die Mücken zum Kurs schicken. Wenn das keine Option ist, dann doch eher ein Bingoabend in einem schottischen Pub :D und danach noch eine Runde Golf. ;)

    liebe Grüße
    rebel

  3. Frau Oelmann said,

    1. September 2010 um 19:42

    Hallo rebel,
    ich empfinde Golf spielen nicht als fanatische Qual, sondern als wahre Faszination, mit allem, was dazu gehört.

    Wer nur die Qual hat, der hat auch die Wahl: Eugen Pletsch z. B., wie Du sicherlich weißt, empfiehlt schon einmal Töpferkurse! ;-)

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  4. rebel said,

    1. September 2010 um 16:58

    Also die Faszination des Golfspiels scheitert regelmäßig an meinem Kurzspiel, obs an mir liegt?
    Faszinierend am Golfspielen (zumindest hier bei uns) finde ich die Fähigkeit Multitasking zu sein. Da kommen die Konzentration, die Fokussierung auf das Ziel, das Schlagen, das gleichzeitige Beobachten der Mücken auf und um einen und das Töten dieser mit der dritten Hand dazu. Wenn man nach all dem (so viel Wasser haben wir leider nicht wie oben Beschriebenen) immer noch Lust auf Golf hat – kann man nicht ganz normal sein oder ist doch ein Golf-Fanatiker. Wobei man ja bei dem Wort Fanatiker gleich wieder das BKA auf dem Hals hat…
    Du siehst, du bist nicht allein, nur die „Qualen“ sind andere…

    liebe Grüße
    rebel


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