Wer Golf sehen will, muss zahlen?

Ich sitze zappend vorm PC und stolpere dabei über eine Live- Übertragung der KLM Open im holländischen Hilversum. Ich liebe Holland. Wenn man über die Dörfer zuckelt, wirkt alles so beschaulich, so menschlich, so niedlich. Manchmal denke ich dabei an das Panorama einer Märklin Eisenbahn…

Prima denke ich mir, wenn dieses Turnier der European Tour im Internet zu sehen ist, dann vielleicht doch auch im Fernsehen. Ich schalte die Kiste nach ewigen Zeiten erstmals wieder ein und suche. – Interessant, wie sich Fernsehen inzwischen weiter entwickelt hat. Noch mehr Sender mit noch mehr Sondermüll, den die Welt nicht braucht und noch mehr Werbung (Oh, was ist das? Eine Werbeunterbrechung einer Werbesendung?) bei der man sich fragt, wann James Bond durch M endlich den Auftrag erhält, die Fernsehwelt vor dieser übermächtigen Bedrohung zu retten. – Kein Golf, auf keinem der einhundertachtundneunzig Kanäle!

Nun gut, mit ist nicht entgangen, dass immer irgendwer für teuer Geld irgendwelche Übertragungsrechte an irgendwen meist Bietenden verkauft, der dann wiederum den Fernsehzuschauern für noch mehr teuer Geld diese Übertragungen anbietet. Aber Gott sei dank funktioniert dieses Abzocke- Prinzip nicht so gut, wie gedacht. Das so genannte „Pay-TV“ hat seit Jahren Probleme, genug Kunden zu generieren, die sich für teuer Geld übertölpeln lassen.

Warum können diese Bilder aus Hilversum nicht vom Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen geliefert werden? Wir wollen ja nichts umsonst und gewissermaßen ist das doch auch Pay-TV. Eine Zentrale mit über eintausendeinhundert Mitarbeitern, die sich ausschließlich mit dem Einzug von Fernsehgebühren befasst … über eintausendeinhundert Geldeintreiber! Bei den Gebühren, die der gemeine deutsche Fernsehzuschauer zu entrichten hat, handelt es sich letztlich auch um teuer Geld (die Frage, was mit diesem Geld passiert, erspare ich mir an dieser Stelle erst einmal). Die Öffentlich-Rechtlichen müssten meiner Einschätzung nach inzwischen doch ganz viel teuer Geld besitzen, um hier und da Übertragungsrechte einkaufen zu können, wie z. B. die Rechte für die KLM Open, wo Martin Kaymer dieses Wochenende abschlägt.

Martin Kaymer ist aktuell einer der besten und erfolgreichsten Golfspieler weltweit – er ist ein internationaler Superstar! Und hierzulande kriegt das kaum einer mit, weil das Interesse des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens diesbezüglich gegen Null geht.

Offensichtlich hat die Öffentlich-Rechtliche Geschäftsführung für Golf nichts übrig. Das war vor 30 Jahren mal ganz anders, denn da habe ich Bernhard Langer des Öfteren im Fernsehen genossen. Damals, als das Anschleichen dieses Ungeheuers Pay-TV noch niemand bemerkte. Obwohl ich kein Golf spielte, hat mich dieses Spiel allein durch die Fernsehübertragung fasziniert, das war Spannung pur. Bernhard gegen den Rest der Welt, der einsame Reiter aus deutschen Landen, wo Golf nur eine elitäre Randsportart war, ist für mich dadurch zu einer Legende mutiert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ihm vor zwei Jahren einmal persönlich begegnen durfte. Dieser Mann strahlt eine ganz besondere Aura aus, eine Aura, die man mit Händen greifen möchte. Und jetzt kämpft er dafür, den Ryder Cup, „…eines der größten Sportereignisse…“ (?) auf der Welt überhaupt, nach Deutschland zu holen.

Gut, beim Ryder Cup selbst wird es vermutlich um absolut teuerstes Geld gehen, wo die Öffentlich-Rechtlichen kapitulieren müssen. Aber Martin Kaymer und natürlich auch Bernhard Langer, der derzeit wieder einmal zur Höchstform aufgelaufen ist und von Sieg zu Sieg eilt, haben eindeutig viel mehr Aufmerksamkeit durch die Öffentlich-Rechtlichen verdient. Ich wiederhole mich da gerne: Es sind internationale Superstars! Was könnten diese Superstars bei unseren Kids für eine Euphorie für diese Sportart auslösen. Einer Sportart, die es inzwischen längst verdient, als Sport – und dazu ein noch so schöner! – wahrgenommen zu werden.

Und dann sind da natürlich die Zuschauer, die auch mehr Aufmerksamkeit verdient haben, indem sie für ihr teuer Geld hin und wieder auch Golf zu sehen bekommen. Golf ist ein faszinierender Sport und insbesondere, wenn Sportler aus dem eigenen Land in der Weltspitze mit dabei sind. Dieser Faszination kann sich naturgemäß kaum jemand entziehen.

War es bei Boris und Steffi nicht ähnlich? Boris und Steffi kennt die ganze Welt dank der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehübertragungen, die weltweit jedes Turnier, an dem die beiden teilgenommen haben, live im Fernsehen übertrugen. Ist es soviel zuviel verlangt, wenn wir wenigstens hin und wieder mal mit Martin und Bernhard mitfiebern dürften, ohne dafür gleich wieder zusätzlich teuer Geld zahlen zu müssen?

Erhitzte Grüße,

Frau Oelmann

Hätte ich mir vor ein paar Tagen nicht das Knie verdreht, wäre ich nach Hilversum gefahren. Ich habe gelesen, dass Martin nächstes Jahr verstärkt auf der US-Tour spielen und somit für uns – ohne Fernsehen – kaum noch zu sehen sein wird…

Nachtrag: Am Sonntag, dem 12.09.2010 um 17.07 Uhr steht der Sieger in Hilversum fest. Sein Name: Martin Kaymer, Superstar!

5 Kommentare

  1. rebel said,

    14. September 2010 um 20:20

    Na ja, die Weile hat bei mir sicher fast 30 Jahr gebraucht :D
    Heute wüsste ich gar nicht mehr was ich ohne Golf machen würde ;)

    Was ich ohne Mücken machen würde wüsste ich auch –> http://uhc-elster.de/urbangolf/index.php?post/2010/09/05/Turnierergebnisse-vom-4.-Turnier-f%C3%BCr-2010

  2. Frau Oelmann said,

    14. September 2010 um 20:00

    Hallo Jürgen,
    die Öffentlich-Rechtliche Ablehnung gegenüber diesem Sport könnte doch damit zu tun haben, dass es in der dortigen GF- Etage evtl. doch Golfer gibt, diese aber schon seit ewigen Zeiten über das Hacker- Stadium nicht hinausgekommen sind und somit beim Gedanken an den Golfsport in sofortige, tiefe Depressionen verfallen und in Folge dessen allen potentiellen Zuschauern diesen Verfall einfach nur ersparen möchten?

    Augenzwinkernde Grüße
    Frau Oelmann

    @rebel: Vielleicht konnten wir es damals nicht absehen, aber möglicherweise ruhte seit dem (wir Bernhard bewunderten) der Wunsch im tiefsten untersten Bewußtsein, eines Tages Golf spielen zu wollen, es war nur eine Frage der Zeit. Denn wie heißt es so schön: Alles hat seine Zeit! :-)

  3. rebel said,

    13. September 2010 um 17:00

    Zum Glück gibt es ja noch das Internet mit seinen Möglichkeiten Golf zu sehen und natürlich die BBC…

  4. Jürgen Thul said,

    13. September 2010 um 07:38

    Hallo,
    an den öffentlich-rechtlichen geht der beginnende Aufschwung im Golfsport
    geradezu demonstrativ vorbei. Hier herrschen in den Redaktionen wohl vorgefestigte Meinungen über Golfer und ihren Sport vor…..
    Umso besser der Versuch von Sport 1 / Golf Journal wenigstens eine Stunde Golf am späten Donnerstagabend zu senden.
    Oder am allerbesten: Satellitenschüssel neu ausrichten, BBC empfangen und Golf gucken, wann und wie lange man will….
    Viele Grüsse,
    J.

  5. rebel said,

    12. September 2010 um 12:54

    Hallo Frau Oelmann,

    diese Frage hat sich der Linksgolfer auch schon mal gestellt und auch die ARD und das ZDF angeschrieben und um ein Interview gebeten.
    Letztendlich muss ich sagen, denen ist eine Partie Golf im TV zu viel wenn man dafür 10 Sendungen bringen kann wo einem das Hirn gebraten wird (bei so viel geistigen Dünnschiss). So ist die heutige Medienlandschaft leider.
    Auch ich kann mich noch an meine Kindertage erinnern als B. Langer im Fernsehen zu sehen war. Da war überhaupt noch nicht absehbar das ich mal selber damit anfangen würde. ;)

    liebe Grüße
    rebel

    p.S. der für seine Gebühren auch gern etwas Golf im Fernsehen sehen wollen will – dafür können ruhig 100 Sendungen mit dieser fürchterlichen Humtata Musik und dem Friede-Freude-Heile-Welt gedöns ausfallen.


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