VcG’ler und das liebe Greenfee

Im Spätsommer des Jahres 2010 fuhr ich in den schönen Odenwald, um mit meinem Golfkameraden Anton* eine Runde Golf zu spielen. Dass wir uns im Odenwald trafen, hängt mit Antons Außendiensttätigkeit zusammen. Er hatte in der Gegend Termine und ich ein paar Tage Urlaub, so dass wir uns dort für einen Nachmittag verabredeten. Er ist das ganze Jahr über „on the road“ und ist daher auch verständlicherweise – im Gegensatz zu mir – keinem Heimatclub verbunden.

Anton hat vor drei Jahren die Platzreife erworben und ist seitdem Mitglied der VcG. Eine Vereinigung, die organisatorisch dem DGV unterstellt ist und dafür wirbt, „…die Anerkennung durch den Deutschen Golf Verband (DGV) als einzige Interessenvertretung clubfreier Golfspieler…“ zu haben. Wenn man sich in einer Mußestunde durch die Webseiten des VcG zappt, bekommt man tatsächlich das Gefühl vermittelt, in dieser Vereinigung als Clubfreier gut aufgehoben zu sein. Soweit die Theorie. Bedauerlicherweise zeigt die Praxis immer wieder auch seine unschönen Seiten. Wenn immer der VcG-Hirte und seine Schäfchen auf der Clubterrasse zum Thema werden, ziehen ruckartig dunkle Schleier über die Gemüter der Clubgolfer. Ihr „freier“ Ruf ist unter Clubgolfern nach wie vor sehr umstritten.

Da mutet es äußerst zynisch an, wenn der VcG in seinem Leistungspaket („Was wir bieten“) von bundesweiter Akzeptanz spricht und davon, dass der VcG’ler „auf über 650 Golfanlagen gern gesehener Gastspieler“ ist. Ja, willkommen sind sie allemal, zumindest seitens der Verbände und Clubs. Sie werden jedoch immer wieder durch z. T. obszöne Greenfees regelrecht abgeschreckt. Abgeschreckt durch Clubs, die dem DGV angeschlossen sind. Demselben DGV, der die Interessensvertretung clubfreier Golfer anerkennt, weil er weiß, dass der VcG eine beachtliche Anzahl an Golfinteressierten rekrutiert, die – eines Tages dem Golfvirus verfallen – sehr häufig in Golfclubs Mitglied werden. Könnte der DGV nicht ein wenig mehr für den VcG’ler tun, um seinem zweifelhaften Ruf entgegenzuwirken?

Der VcG hat auf seiner Seite eine sehr umfängliche Datei von 650 Golfclubs hinterlegt, bei der man als willkommener Gastspieler alles Mögliche abfragen kann. So kann man u. a. die Greenfees der Clubs ablesen, dargestellt in fünf Kategorien: reduziert – normal – normal/erhöht (?) – leicht erhöht – stark erhöht. Einzig und allein schade, dass Informationen über Greenfee- Ermäßigungen nicht transparenter und durch eine einfache Abfrage abrufbar sind. Ich denke an einen Mausklick z. B. auf einen „Greenfee reduziert“- Button und der VcG’ler hätte sofort die Liste aller Clubs (wie viele mögen es wohl sein?), wo man ermäßigt spielen kann und würde diesem Golfclub als „Danke Schön“ zum Jahrestag meinetwegen auch noch einen Strauß Blumen zuschicken. Übrigens wäre eine solche Abfragemöglichkeit natürlich auch für alle Clubgolfer sehr schön, nicht wahr?

Warum bietet der VcG diese Abfrage wohl nicht an und überlässt diese Sisyphusarbeit seinen Schäfchen? Schließlich würden sich alle Greenfee-freundlich gesinnten Golfclubs über jeden weiteren Gastspieler herzlich freuen, so wie der GCC Erftal sich über den Besuch von Anton und mir sehr gefreut hat. Der GC Erftal wirbt auf seiner Webseite dafür, das Golf nicht teuer sein muss: Gemäßigte Mitgliedsbeiträge, keine Rangefees und 45 Bälle für 2 Euro (!), selbst das Elektro-Car ist schon für 20 Euro zu haben. Dieser Club hat sich auch noch dazu entschlossen, den Ungerechtigkeiten gegenüber VcG’lern ein Ende zu setzen und bietet eine Ermäßigung auf das „normale“ Greenfee in Höhe von 10 Euro (!) an. Ein deutliches Zeichen gegen Maßlosigkeit und Beutelschneiderei – Respekt! Lassen Sie mich betonen, dass der GC Erftal sich in allen Belangen in einem derartig hervorragenden Zustand präsentierte, von dem sich manch ein Club wahrlich eine Scheibe abschneiden könnte. Die ganze Runde war in sportlicher Hinsicht unter besten Bedingungen ein einziges Vergnügen. Zudem bietet dieser Platz mit seiner traumhaften Lage schönste Panoramen.

Es ist betrüblich, dass VcG’ler noch immer pauschal und regelmäßig als Aussätzige behandelt werden. Da macht es Mut und lässt hoffen, im GC Erftal einen Club gefunden zu haben, der durch seine ausgeprägte Gastfreundschaft besticht! Ich ahne, dass es weitere Clubs mit denselben Idealen geben wird. Schade, dass man sie bisher eher nur rein zufällig ausfindig machen kann…

Mit hoffnungsfrohen Grüßen verabschiedet sich für heute,

Frau Oelmann

Übrigens, wo wir beim Thema Greenfee sind. Mich würde auch einmal ein Zwischenresumée seitens der vom DGV eingeführten Kennzeichnung von Clubmitgliedern per Hologramm interessieren. Wir erinnern uns? Sinn und Zweck dieser Implementierung sah die Mehrheit der Clubs in ihrem Beschluss, daran teilzunehmen, darin, die „…Greenfeepolitik differenzierter gestalten zu können.“ –  ist dieses Ziel wohl erreicht worden? Und wenn ja, was genau bedeutet das eigentlich?

(*Name durch die Autorin geändert)

3 Kommentare

  1. Frahm, Erhardt said,

    10. November 2013 um 14:30

    Ich bin ganz „normales“ Mitglied in einem Golfclub ohne Hologramm.
    Wieso muss ich bei einigen Golfclubs nun erhöhtes Greenfee bezahlen?
    Die Begründung, dass man es eingeführt habe wegen der vielen VcG-ler und Fernmitgliedschaften kann ja hier nicht ziehen, da man ja Voll-
    mitglied und voll spielberechtigt in seinem Heimatclub ist.
    Typisch deutsch also?
    Oder doch nur Regelungswut des DGV?
    Für den Golfsport insgesamt nicht positiv, meine ich.

  2. 360hcopa said,

    3. November 2010 um 18:00

    die „…Greenfeepolitik differenzierter gestalten zu können.“ – ist dieses Ziel wohl erreicht worden? Und wenn ja, was genau bedeutet das eigentlich?

    nichts anders als das die Preise für Leute ohne Logo in den Himmel steigen, glücklicher Weise habe ich das nur ein einem Club gefunden.
    Ich selbst habe eine Fernmitgliedschaft, wobei ich nicht genau weiss, warum man eigentlich im VCG ist, gibt es die doch schon ab 149 Euro und damit ist man nicht mehr als VcG spieler „gebrandtmarkt“ – wenn Clubs da irrwitzige Preispolitik verfolgen.

  3. rebel said,

    25. Oktober 2010 um 20:02

    Hallo Frau Oelmann,

    „dieser Implementierung sah die Mehrheit der Clubs in ihrem Beschluss“, na ja – die mehrheit der damals anwesenden Minderheit trifft es wohl eher. So zumindest meine Infos zu diesem „Schwachsinn“ der die Golfer noch weiter klassifiziert und auch den Neid untereinander weiter schürt. Ein Verband der so arbeitet, sollte sich schämen (meine Meinung).

    bis denne
    rebel


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