Zwangsabgabe für den Ryder Cup

Da verfror neulich eine kalte Diskussion in Sachen Solidaritätsbeitrag für den Ryder Cup, als ich an der 6. Bahn wegen aufkeimender Kälte meine Zähne klappern hörte. Ich hatte meine Winterhandschuhe zu Hause liegen lassen und nun bekam ich die Quittung. Um mich wieder aufzuwärmen, feuerte ich eine Breitseite an z. T. unanständigen Kraftausdrücken in Richtung aller Verantwortlichen des RC Deutschland ab. Eigentlich sollten Damen in meinem Alter nicht mehr soviel Feuerkraft einsetzen. Die verschossene Energie würde auf den nächsten Bahnen definitiv fehlen. Aber bei derartigen Reizthemen ist die Verlockung einfach zu groß.

„Solidaritätsbeitrag“ heißt das Unwort, das dieser Tage überall in der Golfwelt kursiert, wenn vom Ryder Cup und seiner fälligen Lizenzgebühr (?) die Rede ist. Solidarität. Ha! Da lachen ja die Hühner. Wer erklärt sich denn mit mir solidarisch, wenn demnächst wieder der Clubbeitrag fällig wird? Überall wird nur noch von dieser außerordentlichen Verbandstagung des DGV gesprochen. Natürlich geht es keinesfalls ausschließlich um den Beschluss zur Einführung eines Soli- Beitrages. Natürlich nicht.

Ich nenne das übrigens „Zwangsabgabe“ und nicht Solidaritätsbeitrag. Wir sollen die nächsten Jahre einfach mal zahlen und fröhlich sein. Bin ich aber nicht. Und dabei geht es mir primär nicht einmal um das liebe Geld, sondern um die Tatsache, wieder einmal fremd bestimmt zu werden. Permanent fühlt sich irgendjemand in Wirtschaft oder Politik beflissen, ohne Rücksprache oder Rückfrage und aufgrund eigener Unzulänglichkeiten, Entscheidungen für andere zu treffen, die dann in der Regel den mündigen Bürger Geld kosten. Bevormundungen dieser Art mag ich einfach nicht. Und schon gar nicht, wenn es nur um ein Sportereignis geht. Warum ging keine Golferbefragung voraus? Es geht doch keineswegs nur um einen Golfball, den wir jedes Jahr abdrücken sollen (Bälle rücke ich übrigens höchst ungern heraus). Man will doch zunächst einmal nur gefragt werden. Aber das genau scheint der Knackpunkt, wenn Verantwortliche bereits um die Antwort wissen. Und überhaupt, werden wir diese Zwangsabgabe, einmal eingeführt, nicht bis in alle Ewigkeit zahlen?

Nachdem sich die Politik in Bezug auf finanzielle Unterstützung (Gottlob!) zurückgezogen hat, scheint sich der Ryder Cup aus deutscher Sicht auf ein sportliches Ereignis zu reduzieren (was ist falsch daran?), insbesondere auch, da Sponsoren aus der Wirtschaft nicht gerade Schlange stehen (warum eigentlich nicht?) und die Medien offenbar überschätzt werden, wie uns der journalistisch sehr aktive und informative Linksgolfer, Rüdiger Meyer, wissen lässt (wer hat eigentlich versäumt, die Zeitung aller Zeitungen auf dieses Ereignis aufmerksam zu machen? Wenn die es wollen, sind wir sogar Papst!). A propos Sponsoren: Finden sich keine privaten Mäzene? Friedrich Schröder stellt in seinem kritischen Beitrag im Golfsportmagazin.de zu Recht die Frage: „Warum sollen also Amateure dafür bluten, wenn Funktionäre die Backen aufblasen, aber nicht pfeifen können.

Dann ist es jetzt vielleicht an der Zeit für ein Spendenkonto, Freiwillige vor! Der Zeitpunkt wäre ideal: Weihnachten steht vor der Tür und zu dieser Zeit gibt es bekanntermaßen viele Menschen, die einem Spendenaufruf gerne Folge leisten. Alle Spender erhalten natürlich Vorkaufsrechte für Eintrittskarten.

Eintrittskarten … das ist auch so ein Thema. Es gibt ca. 650.000 gemeldete Golfer und lt. DGV- Studien sind bisweilen über 4 Millionen Golfinteressierte unterwegs. Wie groß mögen da die Chancen für jeden Einzelnen Interessierten sein, eine Eintrittskarte zu bekommen, wenn man bedenkt, dass schätzungsweise nur ein paar Tausend täglich live dabei sein können. Unter diesen ein paar Tausend befinden sich zunächst Tausende von Journalisten, Hunderte von V.I.P.’s nebst Bodyguards, hunderte von Pseudo- V.I.P.’s nebst Pseudo- Bodyguards, eine Hundertschaft an befreundeten V.I.P.’s und deren Freunde, Hunderte, gar Tausende an Funktionären und deren Freunde sowie alle Mäzene aus der Spendenaktion. Und dann wären da natürlich noch alle Golffreunde aus der ganzen Welt, die ihre Golfstars live erleben wollen: Üblicherweise werden hierfür Kartenkontingente bereitgestellt. – Wie viele Eintrittskarten verbleiben da wohl noch für den normalsterblichen Durchschnittshacker, der mit Leib und Seele gerne einmal dabei gewesen wäre? Mal ganz abgesehen von allen VcG’lern, die für eine Eintrittskarte, sofern sie überhaupt Vorkaufsrechte erhalten, sicherlich wie gewohnt das Doppelte zahlen müssten.

Es gäbe bedauerlicherweise noch so unendlich viel zum Thema zu sagen und hört man sich um und liest sich durch, scheint das Projekt Ryder Cup 2018 hierzulande zu einer Farce zu verkommen. Welches Bild geben wir gegenüber unseren Mitbewerbern Frankreich, Niederlande, Portugal und Spanien in diesen Tagen wohl gerade ab? Werden wir möglicherweise schon längst nicht mehr ernst genommen? Was bleibt, sind Mädchenträume … nämlich, dass alle Aufregung umsonst war und der Ryder Cup dort ausgetragen wird, wo der Sport im Vordergrund steht.

Hoffnungsfrohe Grüße

Frau Oelmann

Ergebnis der außerordentlichen Verbandstagung des DGV vom 20.11.2010: „Das Votum der 249 anwesenden Mitglieder, die insgesamt 664 Stimmen repräsentierten (43 Prozent aller Stimmen), fiel eindeutig aus: 601 Ja-Stimmen bei 45 Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen bedeuten eine Zustimmung von 93 Prozent der abgegebenen Stimmen zur vorbehaltlichen Beitragserhöhung um einen Euro.“

4 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    19. November 2010 um 18:08

    Lieber rebel,
    niemand möchte irgend etwas kaputt machen, ganz im Gegenteil. Jedweder Gedankenaustausch dient stets einer weiteren Entwicklung. Auch, wenn die Fahrtrichtung dieser oder jener Entwicklung augenscheinlich nicht immer unbedingt erwünscht ist, so entstehen m. E. durch fortwährenden Gedankenaustausch doch gelegentlich neue Optionen. Alles hat seine Zeit, heißt es…

    In diesem Sinne
    Frau Oelmann

    Ich möchte mich an dieser Stelle ebenfalls beim Linksgolfer für seine intensiven Bemühungen bedanken, wichtige Fragen gestellt und bemerkenswerte Antworten gefunden zu haben.

  2. rebel said,

    19. November 2010 um 17:32

    Hallo,
    ich habe ja als Crossgolfer die besseren Karten – ich kann mir alles aus der „Ferne“ ansehen bzw. kommentieren.
    Das der DGV und die Golfer nicht in eine Richtung ziehen, ist mir aber schon lange aufgefallen. In so weit kann ich Frau Oelmann was das Fremdbestimmen betrifft verstehen. Und das schlimme daran ist, das man als einfacher Golfer in Deutschland keine Alternativen hat, entweder bin ich Mitglied und kann spielen oder ich bin es nicht und darf mich mit wenigen öffentlichen Plätzen begnügen. In so weit ist Golf in Deutschland ein Markt und Geschäft, das man sich durch einige Freidenker sicher nicht kaputt machen lässt.

    Und noch mal ein Dank an den Linksgolfer für seine Recherche in Sachen RC. Solche Artikel findet man leider nicht in den Printmedien beim „Qualitätsjournalismus“.

    bis denne
    rebel

  3. Martin Welz said,

    18. November 2010 um 13:03

    Es ist traurig zu beobachten, das ein Bewerbungsgremium für eine Verantaltung am Anfang in der Planungsphase schon Finanzierungsschwierigkeiten hat. Normalerweise treten diese erst gegen Ender der Realisierung auf…

    Interessante Zahlen des Linksgolfers zum angeblichen Boom durch Sportgroßereignisse am Beispiel der Handballweltmeisterschaft in Deutschland. Wachstum +3,4% wenn ich mich recht entsinne.
    Ich habe meine Zweifel das der RC dieses Wachstum auslösen kann – schon garnicht unter den bisherigen Umständen. Nach Studie der beiden RC-kritischen Artikel ist es wirklich fraglich – ob man dafür sein sollte.

  4. 18. November 2010 um 07:55

    Danke für diesen Beitrag. Meist werden RC-Deutschland Kritiker mit dem Hinweis auf „typisch deutsches Hickhack“ abgewertet. Deshalb freue ich mich, wenn wir langsam lernen, eine Diskussionskultur zu entwickeln. (Siehe Golfmagazin).
    Die Möglichkeit einer Diskussion würde ich allen deutschen Golfern wünschen, die jährlich Geld an den DGV bezahlen. Leider ist der DGV nicht die Vertretung aller Golfer, sondern hat die Interessen seiner Mitglieder zu wahren. Das sind die Landesverbände (der Golfclubs) und die Betreibergesellschaften, die verständlicherweise andere Interessen haben als wir Golfer.
    Insofern hat der Golfer selbst eigentlich nichts zu sagen, egal, ob es um CSA oder den RyderCup geht. Die Frage, ob man „für die RyderCup“ ist, hat mittlerweile einen so ideologischen Geschmack, wie die Frage, ob man „gegen Terrorismus“ ist. Das lässt sich nur mit JA beantworten.
    Welche Interessen im Hintergrund stehen und welche anderen Optionen es gäbe, steht nicht zur Debatte.
    Solange Sky den Golfsport als TV-Monopolist verwaltet, kann Kaymer keinen „Becker/Graf“ Boom auslösen. Deshalb wird Golf kein Thema einer breiten Öffentlichkeit (und damit der Politik) werden.
    Der DGV und die VcG sollten sich lieber darum kümmern, dass Golf bis 2018 wieder das ist, was es mal war: Ein Spiel, das von sportlichem und sozialem Verhalten auf dem Platz dominiert wird und nicht vom elitären Getue einer kleinen Schicht Bessergestellter.

    Grüße
    Eugen


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