THE GREAT MATCH

Als Perry Somers mir während unseres Interviews vor einigen Wochen erzählte, dass es in diesem Jahr in Schottland zu einem Match zwischen Randy Jensen und ihm kommen soll, dachte ich mir in meiner Naivität nichts Besonderes dabei. Eher beiläufig erwähnte ich, dass ich als Golferin selbstverständlich eines Tages auch einmal eine Reise nach Schottland antreten müsste. Dorthin, wo die Wurzeln des Golfspiels begraben liegen.

Im Zuge eines Schüleraustausches verbrachte ich einst drei Wochen in Schottland in einem beschaulichen Dörfchen in der Nähe von Aberdeen. Dort gab es drei Highlights für die Dorfbewohner: Die Kirche, der Pub gegenüber der Kirche und der Golfplatz auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Kirche. Ich erinnere mich gut, dass ich zu mir sprach: „Nichts für mich – es ist ja gar kein Sport, diese läpp’schen Spaziergänge!“ Und weil mein Religionslehrer während des Unterrichts regelmäßig mit einem schweren Schlüsselbund um sich warf (nur, weil gerade mal wieder jemand eingenickt war), hatte ich damals mit einem Trauma gegenüber Gottesvertretern und ihren Arbeitsplätzen zu kämpfen. Es blieb der Pub. Und so kam es, dass ich im zarten Alter von 14 Jahren erstmals erfuhr, was es heißt, wegen einer unerfüllten Liebe den nächsten Pub aufzusuchen und mit den verheerenden Folgen eines über den Durst getrunkenen Bieres klar kommen zu müssen. Und ich erinnere mich genau, dass ich dachte, hier im Ort muss es sehr viele junge Menschen mit unerfüllter Liebe geben. So geschehen vor über 32 Jahren…

Als ich dann dieser Tage jene Ankündigung las, wurde mir ganz schummerig. Plötzlich verstand ich die Tragweite dessen, was Perry mir über das anstehende Match mit dem Amerikaner Randy Jensen zu erzählen versuchte. Am 12. April 2011 treten die zwei besten Hickory-Golfer der Neuzeit an, so wie am 12. April 1870 Tom Morris und Willie Park antraten, um ihr Great Match zu spielen. Randy und Perry spielen dabei exakt dieselben Plätze wie damals und begeben sich somit auf die Spuren ihrer Vorväter. Sie werden dort spielen, wo die Golfgeschichte, so stelle ich mir vor, so deutlich zu spüren sein muss, dass man sie mit Händen greifen möchte:

St Andrews, The Old Course * Prestwick GC * North Berwick GC * Musselburgh GC

Auf diesen Golfplätzen mit denselben Golfschlägern zu spielen, die schon vor hundert Jahren gespielt wurden, möglicherweise sogar an gleicher Stelle, aus denselben Lagen tot an den Fahnenstock … beim Gedanken daran wird mir schon wieder flau im Magen. Und wie aufregend dieses Ereignis erst recht für die beiden Spieler sein muss! Ich stelle mir vor, wie sie in den nächsten Wochen ihren gewohnten Alltag etwas über den Haufen werfen werden, um sich für dieses Duell vorzubereiten. Denn bei all’ dem Spaß, den ein solches Ereignis insbesondere auch für die Spieler bringen wird, so geht es doch auch um den Sieg! Aber wie auch immer, es wird eine Zeitreise, die ihres gleichen sucht.

Wenn es mir gelingen sollte, meine Flugangst zu überwinden, werde ich nach 32 Jahren zurückkehren nach Schottland. Dann werde ich am Dienstag, dem 12. April um 10.20 Uhr gewaschen und gekämmt auf dem Old Course in St Andrews an Tee 1 stehen und Randy und Perry für THE GREAT MATCH abschlagen sehen. Und dann werde ich sie greifen, die Golfgeschichte, mit Händen!

Rührige Grüße,

Frau Oelmann

P.S.: Gegriffen habe ich bereits das Taschentuch, das ich damals aus Schottland für meine Mutter mitbrachte. Sie leiht es mir eine zeitlang aus, um die Tränen des Glücks standesgemäß auffangen zu können…

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    6. Februar 2011 um 19:24

    Hallo rebel,
    ja, es wird jetzt langsam Zeit … da hast Du vollkommen Recht!

    Ich werde Dir feste die Daumen drücken, dass Du Deinen Urlaub geklärt bekommst für dieses Jahrhundert- Event!

    Good luck!
    Frau Oelmann

  2. rebel said,

    6. Februar 2011 um 10:26

    Tränen des Glücks habe ich auch immer in den Augen wenn das britische Festland von der Fähre aus in Sicht kommt. Ich kann dir bei deiner Flugangst nur dieses Ankommen empfehlen, es gibt nichts schöneres – egal ab spiegelglatte See oder stürmisches Meer – wenn Schottland ruft.

    Nach über 32 Jahren wird es aber auch langsam Zeit sich wieder einmal nach drüben zu bewegen. Der Vorteil der Fähre ist ja, man hat sein eigenes Auto dabei und muss sich um seine Golfausrüstung keine Sorgen machen. Ein ein paar Kilo mehr fallen da auch nicht ins Gewicht.

    Jetzt muss ich nur noch meine Urlaub klären, dann kann es durchaus sein, das ich auch in Schottland bin…

    liebe Grüße
    rebel


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s