Gibt es Gründe, mit dem Golfspiel aufzuhören?

Da werde ich von einem Nichtgolfer gefragt, welche Gründe es gäbe, mit dem Golfspiel aufzuhören. Hat man Töne? Ich war dermaßen irritiert, dass ich noch Tage später an der 7. Bahn den Ball direkt vom Abschlag unwirsch in den Teich prügelte, als ich ausgerechnet in der Ausholbewegung über diese Frage zu grübeln begann. Diesem Teich hatte ich zuletzt vor einhundertdreiundvierzig Runden die letzte Opfergabe dar gebracht.

Wie es schien, beschäftigte mich diese Frage also mehr, als mir lieb war und so kam ich nicht umhin – ich hatte den Fernseher gerade wieder einmal nicht eingeschaltet und somit etwas Zeit – diese Frage an meinen Verstand weiterzugeben: Welche Gründe könnte es geben?

Kosten?

Ich kramte die Jahresrechnung meines Heimatclubs hervor, schaute mir die Beitragssumme genauer an und erschreckte mich (wie üblich). Scheinbar ist Golf spielen nicht ganz so günstig wie ins Kino gehen. Allerdings kann man als eingefleischter Cineast bei heutigen Kino- Eintrittspreisen (mit der obligaten Tüte Popcorn und einer Flasche Brause) über das Jahr gesehen etwa ähnlich viel Geld investieren wie in eine Jahresmitgliedschaft in manch einem Golfclub, wie z. B. meinem Golfclub. Dieser Vergleich hinkt keineswegs, denn ich habe einen Bruder, der leidenschaftlich gerne und entsprechend häufig ins Kino geht. Natürlich gilt dieser Vergleich nicht für alle Golfclubs und Cineast ist auch nicht gleich Cineast. Nun gut, der Trend zum Zweit- und Dritturlaub wird deutlich zurückgehen, aber wer kann sich schon alles erlauben? Da muss jeder für sich die Prioritäten festlegen.

Ja, Golf spielen kostet viel Geld und ohne Zweifel auch ein Grund dafür, dass dieses Spiel noch ein Stück weit entfernt ist davon, Breitensportcharakter zu entwickeln. Andererseits muss man heutzutage nicht mehr zwangsläufig Clubmitglied sein, denn es gibt inzwischen günstigere Alternativen, wie z. B. die Mitgliedschaft in der VcG.

Und möglicherweise wird sich die Kostenstruktur in einigen Jahren wie von selbst „einrenken“, denkt man über den demografischen Wandel nach. Nämlich spätestens dann, wenn der Nachwuchs sukzessive ausbleibt und Clubs bzw. Clubbetreiber um Mitglieder werden buhlen müssen.

Gesundheit?

Dem Golfsport wird nachgesagt, dass er – technisch gesehen – die schwierigste Sportart der Welt ist, direkt nach dem Stabhochsprung. Die äußerst komplexen und sehr anspruchsvollen Bewegungsabläufe sorgen, gerade bei uns Amateuren, immer wieder für Rückenschmerzen, Tennisarme, Zerrungen, Verspannungen und vieles mehr. Der Gesundheit zuliebe müsste man vermutlich das Betätigungsfeld wechseln.

Aber ich sehe das so: Irgendetwas ist ja immer und Zipperlein gehören nun einmal zum täglichen Brot – unabhängig von irgendeiner speziellen Freizeitbeschäftigung. Da ist jeder, Golf hin – Golf her, sowieso aufgefordert, etwas für seine Gesundheit zu tun. Nach vielen Jahrzehnten des Sports, wie z. B. in meinem Fall, reift diese Erkenntnis von ganz allein. Ich höre heutzutage deutlich mehr auf das, was mir mein Körper zu sagen hat und ziehe daher schon einmal ein heißes Bad einer heißen Runde vor.

Umwelt & Natur?

Zugegeben: Gewisse Spielflächen werden mit mehr oder weniger Pestiziden behandelt. Ansonsten wäre es beispielsweise gar nicht möglich, Grüns zu erzeugen, die jeden Putt zu einem Höhepunkt der besonderen Güte werden lassen. Äh, wie meinen? OK! Nicht jeden Putt, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Insgesamt gesehen findet das Thema Umwelt und Natur inzwischen auch auf Golfplätzen Beachtung. Als Vorbild für eine umweltgerechte Golfplatzpflege empfehle ich den Universitätsclub in Paderborn. Ich konnte mich persönlich davon überzeugen, dass ein gut gepflegter Platz und Umweltschutz nicht unbedingt im Gegensatz zueinander stehen müssen.

Der Argumentation, es gäbe durch einen Golfplatz so viel bewirtschaftete Spielflächen für nur so wenige Golfspieler könnte man entgegnen, dass es sich bei den Spielflächen vor Inbetriebnahme vielfach zumeist um Brach liegende, unwegsame Gelände gehandelt hat, die noch nicht einmal Hundebesitzer, geschweige denn die Hunde selbst, vom Ofen weggelockt hätten.

Wahrnehmung – der „gute“ Ruf?

Sehr rasch wurde mir klar, dass dieser Sport noch immer Unterstützung dahin gehend benötigt, nicht mehr ausschließlich als elitärer Bonzensport zu gelten. Missionarisch erzählte ich jedem, der es nicht wissen will, dass nach neuestem Stand der Dinge manche Mauern eingerissen und eiserne Vorhänge bei Seite geschoben worden sind. Und inzwischen nehmen meine Familie, meine Freunde und meine Arbeitskollegen das Golfspiel durch meine Erzählungen als etwas durchaus Normales an. Es ging sogar soweit, dass ich den einen oder anderen Interessierten mit auf den Golfplatz nehmen musste, weil man „…ja doch mal sehen will, was da so ab geht.“

Lebenszeit?

Es gibt Stimmen, die unterstellen, wer Golf spielen geht, hat zuviel Zeit. Diese Bemerkung habe ich für mich ad acta gelegt. Zeit ist eine der wenigen mir bekannten Größen, die für alle Menschen zu gleichen Teilen verteilt ist. Wir alle haben diesbezüglich exakt dieselben Voraussetzungen. Und so nehme ich mir die Zeit für eine Runde Golf, und zwar regelmäßig, und zwar genau so, wie andere Menschen sich die Zeit nehmen für das allabendliche Fernsehprogramm. Diskussionen darüber, ob drei Stunden Fernsehen mehr Wert darstellen als drei Stunden Golf zu spielen, zettele ich dabei jetzt aber nicht an.

Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?

Immer wieder wird hierzulande dieser kolossal angestaubte Witz durch Nichtgolfer zum Besten gebracht. Bedanken wir Golfer uns bei einem der besten Golfer aller Zeiten, Tiger Woods, dieser Frage im Selbstversuch nachgegangen zu sein.

Na gut!

Ihr Eindruck, dass es mir nur unzureichend gelungen ist, verstandesgemäß möglichst objektiv, rational, sachlich und fachlich nach Gründen zu forschen, mit dem Golfspiel wieder aufzuhören, hat nicht getäuscht. Egal, wie ich es anpacke, es läuft ja doch nur darauf hinaus, dass ich nach Gründen suche, mit dem Golfspiel weiter zu machen. Ich bin einfach zu vernarrt in dieses Spiel. Ich werde diese Frage daher so schnell wie möglich zu meiner Entlastung an meinen fragenden Nichtgolfer zurückgeben, sonst haue ich demnächst vielleicht weitere Bälle an der Siebten in den Teich…

Entschlossene Grüße,

Frau Oelmann

5 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    25. Februar 2011 um 19:20

    Liebe Freunde,
    ich sehe schon … Euch geht es ganz genau wie mir!

    Ich komme gerade von einem Kurztrip zurück, der erfüllt war mit … na, womit wohl … richtig … mit Golf spielen! :-)

    Herzliche Grüße,
    Frau Oelmann

    P.S.: Vereiste Abschläge, klamme Fairways, Wintergrüns … na und? – Es ist Winter!

  2. handicap36 said,

    24. Februar 2011 um 11:44

    Hallo Frau Oelmann,

    ein sehr gut geschriebener Artikel.
    Ich würde allerdings die Frage nicht zurückgeben an den Nichtgolfer, sondern ihn einfach überreden, selbst einmal mit dem Golf zu beginnen. Dann versenken nicht mehr Sie sondern der Neu-Golfer die Bälle dann im Teich an der Sieben.Daher würde ich den Vorschlag von hape42 sogar noch etwas ändern:
    Gibt es Gründe, mit dem Golf anzufangen?
    Hierzu habe ich mich in meinem Blog einmal ausgelassen

  3. rebel said,

    20. Februar 2011 um 16:32

    Hallo Frau Oelmann,

    ein paar ihrer „Fragen/Antworten“ trifft auch auf das Crossgolf zu. Auch ich bekomme öfter die Zeit um die „Ohren gehauen“, nur lasse ich eben den Fernseher 30 Tage im Monat aus und „tobe“ mich lieber draußen aus.

    Ich habe mich, was den Preis angeht“ auch belehren lassen, das ein Fitnesskurs in einem passenden Center auf die Dauer auch nicht viel Preiswerter ist. Da schwitze ich doch viel lieber in der freien Natur.

    Und was den Tiger angeht, der hat den staubigen Witz doch ganz schön widerlegt ;)

    schönen Restsonntag
    rebel

  4. Hape42 said,

    20. Februar 2011 um 16:10

    Huch, ich wollte schreiben:
    schon haben wir den allseits gewünschten Volksport

  5. Hape42 said,

    20. Februar 2011 um 16:05

    Womöglich sollte man die Frage umdrehen?
    Gibt es Gründe nicht mit dem Golfen zu beginnen?
    Ähnlich rationell wie oben beschrieben ein Grund nach dem anderen abhaken und schon haben wir den allseits gewünschten Golfsport :-D


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