Golf spielen auf dem Kurzplatz

Ich befand mich auf einer Kurzreise, die auch einen Besuch bei Eugen Pletsch vorsah. Für 13 Uhr hatten wir uns zu einer Runde Wintergolf im Golfpark Winnerod verabredet. Da ich mich bereits sehr zeitig auf der Anlage befand, wollte ich unbedingt auch mal wieder den Kurzplatz in Angriff nehmen. Eine ideale Gelegenheit, mich intensiv mit meinen neuen Hickory Schlägern zu beschäftigen. Der (Par 3) 9-Loch-Kurzplatz im Golfpark Winnerod ist öffentlich, d.h., hier kann man auch ohne Clubmitgliedschaft nach Herzenslust schwingen, wobei die Kenntnis der Grundlagen des Sports von Vorteil wäre, nicht zuletzt auch aus Gründen der Sicherheit aller Spieler auf dem Platz. Es empfiehlt sich deshalb, sich vorab ein wenig zum Thema Etikette einzulesen. Eugen Pletsch hat mir vorab freundlicherweise schon einmal seine Minimal-Etikette1.) zur Verfügung gestellt.

Für Einsteiger und Anfänger ist dieser Kurzplatz sehr reizvoll. Sie werden nicht überfordert mit großen Distanzen, mit den zum Teil unendlich scheinenden Weiten der Fairways, wo man häufig das Ziel am Horizont –  den Fahnenstock – nicht einmal mit dem Fernglas entdecken würde. Die Entfernungstafeln an den Abschlägen vermitteln dem ungeübten Golfer ein erstes Gefühl für Distanzen. Und genauso wie auf dem großen Platz, werden die Grüns auch hier von kleineren Bunkern umringt, also verteidigt, wie man so schön sagt.

Für Fortgeschrittene ist der Kurzplatz zu Übungszwecken ausgesprochen reizvoll, da die kleineren Grüns ein sehr präzises Spiel erfordern. Diese Zielübungen auf einem abwechslungsreichen Kurzplatz haben für mich persönlich z. B. eine deutlich höhere Trainingseffizienz, als das Zielschießen auf der Driving Range auf die eine oder andere Entfernungstafel.

Kurzplätzen eilt der despektierliche Ruf voraus, langweilig und doof zu sein, weil das Lieblingsspielzeug fast aller Golfer, der Driver, hier überhaupt nichts zu melden hat. Und obwohl Golfer sehr schnell erfahren, dass Annäherungsschläge für einen guten Score elementar sind, verzichten viele Spieler auf ein Mindestmaß an Übung. Üblicherweise sind Übungsanlagen für kurzes Spiel daher eher selten überlaufen. Mir persönlich behagt das sehr, denn so konnte ich ungestört und mutterseelenallein ausgiebig üben: Volle Schwünge bis zu 160 Metern (ja, ich gestehe, ich habe die Herrenabschläge gewählt), pitchen, chippen, putten auf sehr schön ondulierten (hügeligen) Grüns sowie Bunkerschläge an die Fahne.

Der gepflegte Kurzplatz von Winnerod eignet sich übrigens auch wunderbar für „die kleine Runde zwischendurch“. Und wer sich auf seinen Runden auf diesem schönen Kurzplatz komplett verlieren sollte und die herannahenden grollenden, dunklen Wolken nicht bemerkt hat, kann es sich sehr zügig in der Schutzhütte gemütlich machen und die herrlichen Aussichten in hessische Hügellandschaften genießen. Ich erwähne das, da ich mich selbst schon einmal gerne verliere…

Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, empfehle ich Ihnen hin und wieder einen Besuch auf dem Kurzplatz anstatt auf der Driving Range, denn so können Sie spielerisch üben, wo es im „Ernstfall“ drauf ankommt.

Trainierte Urlaubsgrüße,

Frau Oelmann

P.S.: Meine Trainingsrunde war in der Tat von Nöten, da ich erstmals auf der 8. Bahn das Grün mit dem ersten Schlag traf! Wer hätte das gedacht? Der Winter war eindeutig zu lang…

~~~

1.) Eugen Pletsch’ Minimal-Etikette:

  • Generell: Golf ist ein Zielspiel. Also Ziel ausmachen und hin spielen.
  • Heißt aber auch: Nicht auf Lebewesen zielen. Selbst Zeitlupenspieler sind zu schonen (Verursacherprinzip in der Rechtsprechung!)
  • FORE rufen, wenn man doch auf etwas geschossen hat, was noch atmet.
  • Spieler, die offenkundig schneller sind bzw. hin und wieder den Ball treffen, durchspielen lassen.
  • Bei mehr als 6 Schlägen (Par drei) Ball aufheben und weitergehen, wenn bereits jemand am Abschlag steht.
  • Grün zügig verlassen. Tasche Richtung nächster Abschlag ablegen.
  • Divots zurücklegen.
  • Pitchmarken ausbessern. (Wat iss Pitschmarke?)
  • Kein Rumgebrülle, wenn andere abschlagen oder putten.
  • Flott spielen, besonders im Winter. Endlos „Grüns lesen“ könnt ihr zu Hause auf dem Teppich, wo der Ball rollt.
  • Sonderregel, wenn Herr Pletsch auf dem Kurzplatz ist: Sofort durchwinken, regungslos verharren bis er weg ist, keinen Mucks! Keine alkoholischen Getränke anbieten (darf er nicht mehr wegen seiner Leber bzw. dann fängt er an zu labern und das kann dauern…).
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5 Kommentare

  1. rebel said,

    27. Februar 2011 um 20:13

    Ich muss doch mal nach Hessen kommen und mit Herrn Pletsch ne Runde spielen. Vor allem das mit dem
    –> Sonderregel, wenn Herr Pletsch auf dem Kurzplatz ist: Sofort durchwinken, regungslos verharren bis er weg ist, keinen Mucks! Keine alkoholische Getränke anbieten (darf er nicht mehr wegen seiner Leber bzw. dann fängt er an zu labern und das kann dauern…). <–
    würde mich doch mal dringen interessieren wie das live ausschaut :D
    Sie Frau Oelmann dürfen sich selbstverfreilich anschließen und dokumentieren wie Herr Pletsch mich ""fertig" macht.
    Im Moment habe ich Training auch bitter nötig und vielleicht sind ja Löcher leichter zu treffen als Bratpfannen und Waschmaschinen…

    bis denne
    rebel

  2. Frau Oelmann said,

    28. Februar 2011 um 20:20

    Hallo rebel,
    ich würde dann viel lieber mit Euch mitspielen wollen.
    Vielleicht findet sich ja ein Freiwilliger, der diesen Doku-Job dann gerne übernehmen würde … und wenn nicht, wäre das möglicherweise sogar von Vorteil für uns alle! ;-)

    Schöne Grüße
    Frau Oelmann

    P.S.: Fang auf jeden Fall zeitig an zu üben, der Kurzplatz ist wie oben beschrieben sehr, sehr kniffelig!

  3. rebel said,

    1. März 2011 um 17:00

    Zitat: „Fang auf jeden Fall zeitig an zu üben, der Kurzplatz ist wie oben beschrieben sehr, sehr kniffelig!“

    der Kurzplatz oder Herr Pletsch? ;)

    Auf alle Fälle kann ich bei euch beiden sicher noch eine Menge über Platzregeln lernen.
    Auf alle Fälle ist der 9 Loch Platz offener als unserer.

    bis denne
    rebel

  4. Filoutheclou said,

    20. März 2011 um 17:45

    Hi,

    > Kein Rumgebrülle, wenn andere abschlagen oder putten.

    Da es manchmal schwierig ist, in dem Sekundenbruchteil, der einen Golfer zum Rumbrüllen verleitet, quasi im Effekt eines sensationellen oder katastrophalen Schlages, noch zu schauen, ob jemand in der Nähe gerade puttet oder den Driver blank gezogen hat, würde ich empfehlen, gar nicht zu brüllen. Das ist einfacher.

    Brüllen ist auch nicht gut für den Score, auch wenn Tiger in der Vergangenheit oft gebrüllt hat.

    Hochachtungsvoll
    FiloutheClou

  5. Frau Oelmann said,

    21. März 2011 um 07:13

    Bon jour, FiloutheClou!
    Golfprofis erfüllen ihre Vorbildfunktion bezüglich der (Brüll)Etikette hin und wieder nur bedingt. Was uns zu der Anname verleitet, dass Profis (auch die besten auf der Welt) – gottlob! – auch nur Menschen sind.

    Ich persönlich bin aber derselben Meinung wie Sie: Gebrülle hat auf einem Golfplatz nichts verloren. Es hilft niemandem, sondern stört schlicht und ergreifend in jeder Hinsicht!

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann


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