Eine Golfreise nach Schottland

Schottland, ein Land mit bewegter Geschichte. Ein Land, weltberühmt für Dudelsack, Kilt und Whisky. Romane und Filme über die Clans in schottischen Highlands gibt es seit jeher. Ein faszinierendes Land, das in vielerlei Hinsicht Abenteuer verspricht, auch für Golffreunde und somit auch für mich, als ich kurz vor Ostern zum zweiten Mal (nach 32 Jahren) Schottland besuchte.

Über das schottische Wetter sagt man, es sei rau: Windig, stürmisch, regnerisch, kühl. In dieser Woche erlebte ich vornehmlich milde Wetterverhältnisse mit viel Sonnenschein. Regelmäßig wurde ich darüber aufgeklärt, dass man sich ob der anhaltenden Dürre – seit sechs Wochen kaum Regen – bereits beginnt, Sorgen zu machen. So ist das mit dem Wetter, des einen Freud, des andern Leid.

PGA Golfprofessional Eric Grandison, Betreiber einer Golfschule und Veranstalter von Golfreisen, empfahl mir die schönsten Golfplätze. Kaum bin ich dem Flugzeug in Edinburgh entstiegen, ging es nachmittags bereits auf meine erste Linkscourse- Runde im GC Longniddry. Es ist ein sehr schöner Golfplatz, der durch seine zahlreichen Baumreihen entlang der Fairways ein anheimelndes Gefühlt vermittelt. In Longniddry erfuhr ich erstmals, was es bedeutet Linkscourses zu spielen: Wind, trockene Fairways und pfeilschnelle Grüns. Mir kamen Schilderungen über „Bump and run“ in den Sinn.

Am nächsten Tag spielte ich in North Berwick, The Glen. Proshop Manager Richard Gdulewicz war ein sehr freundlicher Gentleman, wie ich überhaupt sehr viel Gastfreundschaft erfahren habe, als er mir ein wenig über den Platz erzählte. Gleich die erste Bahn ist spektakulär, denn man spielt steil nach oben auf eine Klippe, auf welcher sich der Golfplatz erstreckt. Hier oben genießt man derart fantastische Aussichten, dass einem das Golfspiel in Vergessenheit geraten kann. Spaziergänger, oftmals auch mit Hund, sitzen auf hölzernen Stufen an den Abschlägen und genießen die Abendsonne. Sie spenden auch angenehmen Applaus für schöne Golfschläge – automatisch wandte ich mich ihnen zu und machte einen Knicks. Golfer und Spaziergänger im Einklang mit der Schönheit eines Sonnenuntergangs am Meer.

In Aberlady, im GC Craigielaw, betreibt Eric Grandison seine Golfschule. Wie sich herausstellte, hat Eric einen sehr schönen Arbeitsplatz, denn der Platz verläuft direkt entlang der Küste und man konnte die Blicke schweifen lassen, soweit das Auge reicht. Heute war ein sehr windiger Tag und ich hatte das Gefühl, die Bälle haben das Fliegen verlernt, sie blieben oftmals einfach in der Luft stehen. Für die Par 3 von etwa 120 Metern Länge war ich versucht, zum Driver zu greifen, aber den hatte ich gar nicht dabei. Also musste ich versuchen mein Spiel umzustellen und die Bälle unter dem Wind zu halten, was mir allerdings nur selten gelang. Das Spiel mit dem Wind erfordert viel Erfahrung.

Ebenfalls im schönen Örtchen Aberlady befindet sich der GC Kilspindie. Dieser Platz liegt direkt neben Craigielaw. Golfplatz an Golfplatz, ein Traum! Ich ging erst am späteren Nachmittag auf die Runde und spielte daher wiederum in die untergehende Sonne. Heute war nur etwas Wind und die Bälle flogen auch wieder weiter als 50 Meter, aber dafür machte ich Bekanntschaft mit Sandbunkern, ich fand sie fast alle. Schottische Bunker haben mit den mir bekannten heimischen kaum etwas zu tun: War ich einmal drin, kam ich kaum mehr heraus. Der mit geschredderten Muscheln angereicherte Sand hielt mich sprichwörtlich gefangen, selbst der Weg zurück war zuweilen beschwerlich.

Meine letzte Runde spielte ich auf dem Old Course in Musselburgh. Das war etwas ganz Besonderes für mich, denn hier fand wenige Stunden zuvor das Finale im Great Match zwischen Perry Somers und Randy Jensen statt. Und so lustwandelte ich in ihren frischen Spuren und genoss erneut diesen – historisch dokumentiert – ältesten Golfplatz der Welt. Vor diesem Hintergrund ist es ein sehr schönes Gefühl, auf der Runde zu sein. Auf einem Platz, wo Mrs Forman’s Gasthaus hinter dem vierten Grün eine Verlockung darstellt, welcher selbst Tom Morris einst nicht widerstehen konnte, als er einmal während eines Matchplays hier einkehrte und nicht wieder herauskam. Auf einem Platz zu spielen, der soviel Geschichten zu erzählen weiß, war ein herausragendes Gefühl.

Das waren sie also, meine ersten Linkscourses- Erfahrungen im Mutterland des Golf. Linkscourses sind in vielerlei Hinsicht sehr eigentümlich und es ist ein großes Spielverständnis gefragt, um gute Scores zu erreichen, was mir nur selten gelungen ist. Und so habe ich Scores Scores sein lassen und genoss einfach die Runden mit all meinen Sinnen. Nachhaltig wird mir in Erinnerung bleiben, dass Golfer, Spaziergänger und die liebe Tierwelt rücksichtsvoll im Miteinander kreuz und quer über die Golfplätze lustwandelten, ohne dass sich irgendjemand gestört fühlte. Man ist geneigt festzustellen, dass ein Golfplatz in Schottland zur schönsten Nebensache wird.

„You must come back!“ Es war dieser spezielle herzliche Befehlston, der mich nach einer Woche bei all meinen Begegnungen gefangen nahm und ich schließlich am Ende meiner Reise entschied: „I will come back!“

Cheers,

Frau Oelmann

Eugen Pletsch schlug vor, meine Erlebnisse in einem Tagebuch festzuhalten, da ich doch noch so viel zu erzählen hätte und so wird es vermutlich demnächst „Frau Oelmanns schottisches Tagebuch“ geben…

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7 Kommentare

  1. golfish said,

    20. Oktober 2012 um 10:53

    Und so habe ich Scores Scores sein lassen und genoss einfach die Runden mit all meinen Sinnen. Nachhaltig wird mir in Erinnerung bleiben, dass Golfer, Spaziergänger und die liebe Tierwelt rücksichtsvoll im Miteinander kreuz und quer über die Golfplätze lustwandeln, ohne dass sich irgendjemand gestört fühlte. Man ist geneigt festzustellen, dass ein Golfplatz in Schottland zur schönsten Nebensache wird.

    Nein, …Nebensache gleich Hauptsache!
    und weil ich diesen Sport von einem Schotten gezeigt bekommen habe, fehlt mit die übliche Golfspinnerei über den so einfachen Schwung und schonen Sport.
    Herzlichst
    golfish

  2. Frau Oelmann said,

    21. April 2011 um 14:37

    Hallo Andreas,
    ja … tatsächlich gibt es in Schottland soviel Golfhistorie, dass es genau genommen sehr viele Besuche erforderte – aber: der Anfang ist gemacht! :-)

    Eine Runde mit einem kosmopolitischen Golfer stelle ich mir sehr unterhaltsam vor. Melde Dich einfach, wenn Du gerade einmal hier irgendwo in der Nähe bist.

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  3. Andreas said,

    21. April 2011 um 07:32

    Schön, dass es Dir gefallen hat. Hast ja auch schöne Plätze gespielt. Und wenn Du das nächste Mal dort bist, solltest Du unbedingt noch den West Links in North Berwick spielen. Der hat ähnlich viel Historie wie der Old Course in St. Andrews oder der Old Links in Musselburgh.

    Vielleicht klappt es dieses Jahr ja mal mit einer gemeinsamen Runde hier im Ruhrgebiet…

    Schöne Grüße
    Andreas

  4. Frau Oelmann said,

    19. April 2011 um 20:59

    Hallo Mario,
    vielen Dank für diesen kleinen Ausflug in die Golfhistorie.
    Mit diesen Rückblicken ist es doch immer wieder interessant, welche Entwicklung dieser Sport genommen hat.

    Ich freue mich schon auf unser 1. Matchplay!

    Herzliche Grüße,
    Sabine

  5. Lisci, Mario said,

    19. April 2011 um 20:16

    Hallo Sabine…hier ein Beitrag zu unserem heutigen Thema…

    LG – Mario

    Geschichte
    Schläger, die es nicht mehr gibt: Stymie-Putter
    Die Stymie-Regelung (stymies english für „hindert“) wurde beim Golf erst 1951 von der R&A und der USGA abgeschafft. Sie besagte, dass Bälle auf den Grüns erst dann markiert und aufgenommen werden dürfen, wenn die zwei betroffenen Bälle weniger als 6 inches auseinander liegen. Um einen Stymie handelte es sich also, wenn ein Ball auf der Puttlinie eines anderen Balles lag. Da dieser behindernde Ball nicht aufgenommen werden durfte, konnte man ihn nur über- oder umspielen. Für dieses Überspielen wurden sogar spezielle Schläger entworfen und gebaut. Zum Glück braucht es heute solche Schläger nicht mehr, die jedem Greenkeeper unweigerlich die Panik ins Gesicht treiben würden.

  6. Frau Oelmann said,

    18. April 2011 um 20:04

    Lieber rebel,
    ich bin auch gespannt auf das Tagebuch.
    Aber so seltsam das klingt, ich muss jetzt erst einmal etwas Abstand gewinnen und alles ein wenig sacken lassen. Emotionen wieder einrenken, Gedanken sortieren.

    Außerdem hält mich das aktuell grandiose Wetter auch ein bisschen vom Schreiben ab…

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  7. rebel said,

    18. April 2011 um 16:00

    Was bin ich froh, das es dir gefallen hat und dein Satz: „I will come back!“ ist das Beste am Bericht.
    Wer Schottland noch nicht erlebt hat, kann nur ungefähr erahnen wie die Menschen wirklich sind und deine Erfahrungen mit den Menschen auf dem Platz kann ich voll und ganz Unterschreiben.

    Natürlich warte ich jetzt auf dein Tagebuch. ;)

    liebe Grüße
    rebel


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