Dienstags ist Ladies Day

Geschichten aus dem GC Fehrwegesatt

~~~

Die dunklen Wolken hingen tief, es war ein verregneter Tag und es war Dienstag. Traditionell ist dieser Wochentag den Ladies vorbehalten.

„Warum ist eigentlich dienstags Ladies Day?“ wollte Ruth wissen und teete ihren Ball auf, als eine Windbö ihren Hut vom Kopf fegte.

„Wieso fragst Du? Das war doch schon immer so“, bemerkte Christa.

Sylvia fand diese Frage ebenfalls interessant. „Hmm … dienstags bekommt man in der Beauty-Farm immer ganz leicht Termine…“

„Ja, richtig! Und dienstags gibt’s auch immer Prospekte mit Schnäppchen-Angeboten“, ergänzte Hannelore.

„Nee, die gibt’s donnerstags!“

„Ladies“, insistierte Christa. „ich darf doch bitten – FORE!“

„A propos Schnäppchen … mein Andi hat mir zum Namenstag eine neue Waschmaschine geschenkt, die gab es zum halben Preis. Das ist ein Frontlade-Gerät vom Feinsten und kommt auf 1.600 Umdrehungen pro Minute.“ Hannelore gab sich stolz, als sie sich für ihren zweiten Schlag vorbereitete. Andi Kepp-Jäger, seines Zeichens Marshall im Club, war auf Wiedergutmachungskurs nach seiner Handschellen-Aktion.

„Ich habe meinen Toplader inzwischen auch gegen einen Frontlader ausgetauscht. Da kann man beim Befüllen etwas für die Handgelenksarbeit tun, ein Tipp vom Pro“ frohlockte Christa. „Das alte Monstrum hatte auch nur 1.200 U/min, einfach viel zu langsam. Und Tuning war nicht möglich, ich habe beim Hersteller nachgefragt!“

Während sie ihr Hölzchen wieder im Bag verstaute, grübelte Hannelore darüber nach, warum ihr abermals ein derartig schweres Los für die Flightauswahl beschieden war. Sie schaute Christa zu, als sie ihren zweiten Schlag machte, der Mitte Fairway landete. So lange sie Christa kannte, landete der zweite Schlag auf der 3. Bahn stets Mitte Fairway. Das ging ihr gehörig auf die Nerven.

„Ein phantastischer 2. Schlag, Christa. Glückwunsch!“

„Danke! Sag mal, kann es sein, dass ich hier immer Mitte Fairway liege?“ fragte sie.

Sylvia konstatierte: „Ich habe jetzt diesen 2.000 Watt Fön mit Ionen-Technologie!“

„Ach was? Von diesem tollen Ionen-Gerät habe ich letztens beim Frisör gelesen“ mischte Christa sich ein.

„Ionen?“ Ruth schüttelte den Kopf und setzte zum Schlag an.

„Ja genau, Ionen. Elektrisch positiv oder negativ geladene Atome oder Moleküle mit weniger oder mehr Elektronen, als zur Neutralisierung der Kernladung notwendig wären“, dozierte Christa.

„Du bist so furchtbar klug!“

Christas Augen verengten sich zu schmalen Sehschlitzen. Ihr gefiel Hannelores Unterton in dieser Bemerkung ganz und gar nicht, aber sie behielt die Contencance. „Mein Fön hat 2.500 Watt und verfügt über einen 32l/Sek. Luftstrom für ein schnelleres Trocknen. Na, was sagt ihr jetzt?“

„Ich sage, dass Du einen Power-Fön besitzt, für den man offensichtlich einen Waffenschein braucht. – Sagt mal, habt ihr vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, auch mal ein Hickory-Turnier zu spielen?“ Obwohl der Regen stärker wurde, strahlten Ruths Augen vor Begeisterung in Gedanken an ihr bevorstehendes Turnier im Sommer.

„Wie bitte? Wir sollen ein Turnier mit diesen ollen Holzknütteln spielen? Das hat mir noch gefehlt, nix da!“ Sylvia erhielt eine SMS ihres Visagisten. „Gute Güte, er hat alle Termine für diese Woche gecancelt, Verdacht auf Schweinegrippe!“

Niemand bemerkte, dass der nachfolgende Flight inzwischen aufgelaufen war, als plötzlich ein Ball hinter Christa einschlug.

„AIIIIIIIIIHHHHHHHHHHHHHHHHHH! – Sind die verrückt geworden? Sehen die uns etwa nicht und warum rufen die nicht FORE!?“

„Wo ist der Marshall, wenn man ihn braucht?“ Hannelore war gleichermaßen erschrocken.

„Als Dein Mann das letzte Mal beim Ladies Day für Law and Order sorgen wollte, hast Du ihm einen Platten am Cart gedreht…“ Sylvia schaute sich ihre Fingernägel an. „Ich muss das Nagel-Studio unbedingt bald wechseln.“

„Andi hatte es eben eindeutig übertrieben, als er die Handschellen zückte!“

„Handschellen? Huch! Was ist denn passiert?“ Ruth hakte nach.

„Na ja, wie man hörte, hat Andi seine Hannelore in Handschellen abgeführt, weil sie zum wiederholten Male das Spiel verzögert und beinah das ganze Turnier zum Erliegen gebracht hat – und durchspielen lassen wollte sie auch nicht.“

„Na, denen werde ich was erzählen!“ entrüstete sich Christa. Sie war immer noch erschrocken. „Den Ball nehme ich mit! Aber, halt, wartet mal … Kinder, schaut euch das an: Importware, ein verkappter Titleist ProV1x, seht euch mal die Kratzspuren hier an. Echte Titleist ProV1x Bälle mit ihrer 0,030 Zoll starken Urethan/Elastomer- Hochleistungsschale würden nie und nimmer solche Kratzer verursachen. Und das sphärisch verzahnte Ikosaeder weist auch nur höchstens 250 Dimples auf. Ein billiger Blender. Habt ihr gesehen, wer den gespielt hat? Wenn sich das im Club rum spricht…“ Christas Gesichtszüge erhellten sich.

„Nur 250 Dimples … hmm … was bedeutet das genau?“ wollte Ruth wissen.

„Grundgütiger, was kannst du Fragen stellen. Das kommt davon, dass du immer nur dieses altmodische Zeug spielst und in halb vermoderten Büchern liest. Abonniere endlich einmal Golffachmagazine, sonst wird das nie was mit dir!“

„Abgeführt in Handschellen, hat man Töne … vermutlich wird als nächstes der alte Geräteschuppen zu einem Knast umgebaut!“

Beim Gedanken an den Geräteschuppen teete Christa schließlich den Ball hinter sich auf und laut lachend zogen sie weiter…

~~~

© by Sabine Oelmann

3 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    17. Mai 2011 um 15:56

    Liebe Golffreunde,
    ich freue mich, dass diese Geschichte abermals für etwas Abwechslung und auch Erhellung gesorgt hat und ich hoffe ebenfalls, auch zukünftig noch mehr schreiben zu können.

    Jede Anteilnahme seitens dieser gigantischen und anonymen Internet-Welt motiviert und unterstützt mich dabei regelmäßig. Hierfür möchte ich mich bei allen LeserInnen herzlichst bedanken!

    Ihre / Eure
    Frau Oelmann

    P.S.: Stöbern Sie gerne auch im „Archiv: Frau Oelmann schreibt…“ (s. o.). Nach nur 2,5 Jahren Autorentätigkeit habe ich bereits ein Archiv … hmm … das Ergebnis unseres ach so schnelllebigen Zeitalters?!

  2. JLee said,

    17. Mai 2011 um 13:28

    Ich bin eben über zwei Umwege auf der Seite gelandet (spicygolfforum, das auf cybergolf verlinkt und dann eben hierher) und muss sagen, dass ich mich sehr freue, auf die Seite gestoßen zu sein.

    Sehr unterhaltsamer Text und ich hoffe, noch mehr lesen zu können!

  3. rebel said,

    15. Mai 2011 um 12:18

    Das erhellt meinen Tag doch noch. Danke für die lustige Geschichte.
    Du wirst dich wundern, aber bei Männern klingt das nicht viel anders – evtl andere Themen. ;)

    liebe Grüße
    rebel


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s