Der Golfschwung und die Handschrift

Beim Staub feudeln fällt mir mein Poesiealbum in die Hände. Wie alt es doch bereits ist, der erste Eintrag datiert vom 15. Juli1975: „Man muss viel lernen, um zu erkennen, dass man wenig weiß.“

Ich blättere weiter darin herum und muss schmunzeln … Sprüche aus dem Steinzeitalter und irgendwie aktueller denn je…

Gut erinnere ich mich an manche Lehrer, Schul- und Sportkameraden und Arbeitskollegen, die sich alle in meinem Poesiealbum verewigt haben. Die Auswahl der Weisheiten passt irgendwie auch ganz gut zu den jeweiligen Charakteren (soweit ich mich an sie erinnere). Während ich sinniere, sticht mir diese bemerkenswerte Vielfalt der Handschriften ins Auge.

Es gibt Experten, die in der Lage sind, nur aufgrund der Handschrift Auskunft über die jeweiligen Charaktere des Verfassers zu erteilen. Ich bin immer wieder beeindruckt, was Experten über Menschen alles zu deuten in der Lage sind, ohne den Menschen jemals kennen gelernt zu haben. Hmm, eigentlich müssten all’ die Handschriften-Experten im Zeitalter von Computern und Tastaturen eine vom Aussterben bedrohte Spezies darstellen, nicht wahr? Aber das ist wieder eine andere Frage, zurück zur Handschrift. Schauen wir uns diese an:

Mir kommt ein Gedanke: Krakelige Schrift, unordentlicher Mensch … Hacker-Golfschwung. Was für eine irrwitzige Analyse. Vor allem auch dann, wenn jemand derartig schöne, schlichte Zeichnungen im Handumdrehen anfertigen kann. Meine eigenartige Analyse wirft sofort eine nächste Frage auf: Ist der Golfschwung eine Handschrift? Diese Frage interessiert mich und so hole ich mir manche Handschrift meiner Clubkameraden ins Gedächtnis – was sich als gar nicht so einfach erweist, habe ich doch bisher nur marginal auf Handschriften geachtet –, wenn sie z. B. Scorekarten ausfüllen und unterschreiben oder schriftliche Bestellungen bei der Gastronomie einreichen. Dabei denke ich an ihren Golfschwung.

Ich spiele jetzt drei Jahre Golf und finde es mit einem Mal bemerkenswert, dass es auch bei den Golfschwüngen eine sehr große Vielfalt zu beobachten gibt. Kaum ein Golfschwung gleicht dem anderen, so, wie manche Handschrift kaum einer anderen gleicht. Manche Handschrift ist auch nur schwer zu entziffern. Verhält es sich bei den Golfschwüngen eventuell ähnlich, sind manche Golfschwünge auch nur schwer zu entziffern? Ist hier vielleicht eine der Ursachen dafür zu suchen, dass es zwischen Golflehrer und Schüler manchmal zu Missverständnissen kommt?

Ist der Golfschwung eine Handschrift? Dieser und ähnlicher Fragen werde ich weitere Studien widmen. Ich werde mich auf die Suche begeben, auf die Suche nach Antworten.

Interessierte Grüße,

Frau Oelmann

Mir kommen die Handschriften-Experten noch einmal in den Sinn. Vielleicht sollte der ein oder andere Experte über eine Umschulung zum Golflehrer nachdenken…

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    30. Juni 2011 um 06:33

    Lieber Michael,
    das genau ist meine Frage, welcher ich genauere Studien auf dem Golfplatz widmen möchte: Gibt es Zusammenhänge zwischen der Handschrift und dem Golfschwung?

    Wenn es so wäre, wie Sie gerade Ihren Gedanken forumulieren, kämen Ärzte nicht unbedingt gut dabei weg, sagt man ihnen doch klischeehaft unleserliche Handschriften nach. ;-)

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  2. Michael said,

    29. Juni 2011 um 20:01

    Interessanter Gedankengang… Ich habe hier gerade ein Rezept von unserem Hausarzt vor mir liegen und hoffe inständig – um des armen Rasens willen – dass der Mann kein Golfer ist.


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