Im Sandbunker

Heute ist es passiert: Ich habe mich an der 18. Bahn im Sandbunker eingegraben! Nach einer mittelprächtigen Hickory Runde – aus unterschiedlichsten Gründen habe ich unterschiedlichste Fehler bei meinen Abschlägen produziert – fand ich mich auf der 18. Bahn wieder. Mein Plan sah zunächst vor, die ersten Neun zweimal zu spielen, um mich auf mein erstes (!) Hickory Turnier im GC Bad Wildungen vorzubereiten, einer 9-Loch-Anlage, die zweimal gespielt wird. Als jedoch plötzlich erneut die nächste Regenwelle überschwappte, verkürzte ich nach 10 gespielten Löchern unverrichteter Dinge von der Eins zur 18. Bahn.

Üblicherweise bin ich bei Regen nicht unbedingt unverrichtet, jedoch nehme ich seit neuestem gerne Rücksicht auf meine äußerst sensiblen Hickories. In jungen Jahren, so erzählten sie mir, machte es ihnen rein gar nichts aus, der Regen, sie liebten ihn regelrecht. Nunmehr jedoch in die Jahre gekommen, baten sie mich nach unserer letzten Regenrunde inständig um Rücksichtnahme. Insbesondere dann, wenn es wie aus Kübeln nur so goss. Ihnen erging es wie mir, dachte ich. Seit Jahren schon konnte mich niemand mehr zu einem Zeltlager überreden, was in jungen Jahren überhaupt nicht wegzudenken war. Zeltlagerromantik war auf besondere Art und Weise stets einzigartig. Denke ich allerdings an meine letzten Zeltlager als etwas fortgeschrittener Jahrgang, ach herrje, da war von Romantik rein gar nichts mehr zu spüren. Das einzige, was ich spürte, waren meine Gelenke und ich bekam Angst vor Rheuma und derlei … hmm … wo war ich? Ach ja!

Ich wollte mich fürsorglich geben und bemühte mich, rasch aus der Runde zu kommen. Mein Brassie und mein Mashie Iron unterstützten mich dabei, denn sie boten mir drei tolle Schläge, um das Grün in Regulation zu erreichen. Dann noch zwei Putts und das erste Par des Abends war gespielt. Es konnte heimwärts gehen.

Als ich jedoch den Putter ins Bag schob, schaute mich mein Niblick plötzlich grimmig an. Den ganzen Abend hatte er im Bag schmoren müssen, nicht ein einziges Mal eine Bunkerlage, dabei ist er doch spezialisiert für Bunkerlagen.

(Niblick, 50°, vorne links)

Ich schaute gen Himmel und auf mein Bag, dann wieder in Richtung Himmel und noch einmal auf mein Bag. Der Regen wurde nicht stärker. Ich überlegte kurz, aber so konnten wir keinesfalls nach Hause fahren. Den Regenschirm überließ ich den im Bag verbliebenen Hickories, nahm alle Bälle, die ich dabei hatte und verstreute sie im Bunker. Der Niblick strahlte mich an – endlich durfte er heute Abend auch noch spielen!

(Mashie Niblick, 45°  – Niblick, 50°)

Der Niblick hatte so viel Spaß bei all meinen Übungen, dass er mir sogar den einen und anderen Backspin zugestand. Mehrfach rollte der Ball auch gegen den Fahnenstock (fiel dann aber nicht ein einziges einmal). Das wiederum bereitete mir soviel Freude, dass ich gar nicht aufhören konnte, Bunkerschläge zu spielen. Von wegen, Hickories sind vom alten Eisen, ha! Diese Golfschläger besitzen so viel Erfahrung, man muss ihnen nur hin und wieder gut zuhören!

Der vom Vortag vom Monsunregen geplättete Grünbunker war nach ungezählten Schlägen inzwischen komplett durchgewühlt und aufgelockert. Wieder und wieder harkte ich den Bunker, wieder und wieder warf ich alle Bälle rein und spielte und spielte, was der Niblick und meine Arme hergaben, und zwar aus allen Lagen, die uns dieser Bunker bot. Wir spielten so lange im Sand, dass wir die einsetzende Dämmerung kaum bemerkten, was vermutlich auch daran lag, dass seit Urzeiten auch kein Spieler die 18. Bahn mehr heraufkam. Ungestört verfielen wir dem Sandrausch der Sinne…

Ich denke darüber nach, wann ich zuletzt eine derartig extensive Übungseinheit im Sand zugebracht hätte, ich kann mich nicht erinnern (was bei mir allerdings nicht unbedingt etwas zu bedeuten haben muss). Noch immer rieselt ein wenig Sand aus allen Ohren und Poren und ich fühle, dass es unglaublich viel Spaß gemacht hat!

Herzliche Grüße aus der Abstellkammer, wo doch noch irgendwo diese Sanduhr zu finden sein müsste…

Frau Oelmann

2 Kommentare

  1. rebel said,

    26. Juli 2011 um 04:07

    Du siehst mich nur grinsen.

    liebe Grüße
    rebel

  2. 26. Juli 2011 um 03:08

    Wie immer herrlich! Auf eine gemeinsame Hickory Runde ;-)


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