Über Gewinner und Verlierer einer Golfrunde

Das ist das Schöne bei uns Amateuren. Auf unseren Golfrunden geht es nicht um Geld, schon gar nicht um sehr viel Geld. Es geht auch nicht um Ruhm und Ehre. Na gut, um die Ehre vielleicht. Für uns Amateure steht derlei indes nicht auf dem Spiel. Wir sind uns dessen bewusst und sehen daher einer Golfrunde gelassen entgegen. Lässig und entspannt reiten wir auf unseren Trolleys der Abendsonne und neuen Runden- Abenteuern entgegen, denn wir dürfen einfach nur spielen. Ist das nicht toll?! Wenn wir z. B. ein Matchplay verlieren, geben wir gerne eine Runde an die Gewinner aus und manchmal sogar eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen (ohne Sahne). Auch eine Lady ist immer wieder ein gerne willkommener Anlass. Denn schließlich steht die Geselligkeit stets im Vordergrund … war es nicht so? – Die Geselligkeit einer Spezialeinheit, die gerade zurück ist vom Kampfeinsatz an der Front!

Vor einiger Zeit spielten wir eine Runde Matchplay um Kaffe und Kuchen (ohne Sahne). An der 17. Bahn standen wir als Verlierer fest und gratulierten unseren Herausforderern ganz brav. Aber ehrlich gesagt, so brav nun auch wieder nicht. Insgeheim war ich einigermaßen ungehalten über die erschwerten Spielbedingungen, die unsere Matchgegner während der Runde bereiteten. „Du kannst nicht verlieren, du bist ein schlechter Verlierer!“ hatte es anschließend auf der Clubterrasse geheißen. Das hatte gesessen! Nach Momenten des Schweigens kam mir mein Bruder in den Sinn, mit dem ich jahrelang Badminton gespielt hatte. Es gab viele heiße Matches und hin und wieder sagte mein Bruder nach einer Niederlage zu mir: „Du kannst nicht verlieren.“ Ich höre mich mit einem Augenzwinkern erwidern: „Und du kannst nicht gewinnen.“ Aber es war dennoch nicht dasselbe: Verlierer oder ein schlechter Verlierer zu sein ist ein himmelweiter Unterschied.

Und so dachte ich noch während des Abendgebetes über meine Fähigkeiten als Verlierer nach. Im Ergebnis meiner Überlegungen notierte ich, dass ich tatsächlich gerne gewinne – wer tut das nicht? – aber im Verlieren sehe ich grundsätzlich keine Niederlage. Ganz im Gegenteil. Wenn ich dem Gegner sportlich nichts entgegen zu setzen hatte, so zollte ich seiner Leistung stets gebührenden Respekt. Insbesondere erst recht, wenn dem Wettkampf sportliche Fairness vorausging, also „ehrenhafte“ Spielbedingungen Grundlage für den Wettkampf bildeten. Die Spielbedingungen für jenes Matchplay bewegten sich jedoch im Jenseits von gut und böse. Es ging einseitig hoch her, ganz nach der Devise: „Gewinnen ist nicht alles, aber verlieren ist gar nichts!“. Diese robuste Einstellung zum Wettkampf kommt z. B. in meiner Sportlerehre jedoch nicht vor. Sollte ich vielleicht einmal daran arbeiten, um auch schwierige Situationen wie diese meistern zu können? Ich denke, ich sollte es nicht. Und insofern betrachte ich mich nicht als schlechter Verlierer.

Mir kam auch jene Golf-Weisheit in den Sinn: „Dieses Spiel kann man nicht gewinnen. Dieses Spiel kann man nur spielen.“ Nein, man kann dieses Spiel auch  verlieren, wie ich kürzlich bei der Clubmeisterschaft feststellen durfte. Mir fehlten nach drei Runden an zwei Tagen nur zwei Schläge zur Meisterschaft. Aber ich sah dieses Ergebnis keinesfalls als Niederlage an, ganz im Gegenteil. Die Clubmeisterin war einfach zwei Schläge besser – unter sportlich absolut fairen und ehrenhaften Bedingungen.

Ich habe mir in dieser Saison viele Gedanken über gewinnen und verlieren auf einer Golfrunde gemacht habe und stellte fest: Und ob, man kann dieses Spiel gewinnen oder auch verlieren. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Letztlich jedoch ist die Frage nach gewinnen oder verlieren einerlei. Aus welchem Blickwinkel auch immer betrachtet, vertrete ich dieselbe Ansicht wie einst Herr F. Schiller, der das Spiel als solches in den Vordergrund stellte: „Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ 

Verspielte Grüße

Frau Oelmann

Eins fällt mir da gerade noch ein … in der Regel ist eher von guten oder schlechten Verlierern die Rede. Aber was ist mit den Gewinnern? Rückblickend auf meine jahrzehntelange Sportlerzeit habe ich gute, aber auch schlechte Gewinner erlebt…

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