The International Dutch Hickory Open 2011

An jenem Samstagmorgen im Spätseptember machte ich mich ein zweites Mal auf nach Holland zur International Dutch Hickory Open 2011. Und als wäre es erst gestern gewesen, erinnerte ich mich sehr deutlich an meinen ersten Besuch auf dem Landgut von Ullerberg. Es war der Tag, an dem ich zum ersten Mal bei einem Hickory Turnier zugegen war, zwar noch gänzlich ohne einen einzigen Hickory Golfschläger, aber dafür mit allen Sinnen, dem Herzen und mit einer Kamera geschultert, dabei.

Dieses Mal stand mein Besuch unter einem anderen Stern, denn dieses Mal hatte ich die Kamera gegen ein Hickory Set getauscht. Und zwar nicht gegen irgendein Hickory Set, sondern gegen mein Eigenes! Erhobenen Hauptes stolzierte ich mit meinen Holzknütteln, wie ich sie liebevoll nenne, vom Parkplatz in Richtung Clubhaus des Landgoed de Ullerberg, wo sich die ersten Hickory Freunde bereits eingefunden und es sich bei herrlichstem Wetter auf der Terrasse bei einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht hatten. Lässig wie ein alter Hase legte ich mein Bag ab und wurde freundlich empfangen. Die Hickory Gemeinde ist überschaubar groß und sie vermittelt die anheimelnde Atmosphäre einer Großfamilie, die sich für einen besonderen Anlass einfindet und auf diese Weise zu einem gemütlichen Ambiente beiträgt.

Die Hickory Gemeinde                                                    (Foto: Lily Waller)

Zunächst fanden wir am Vormittag Gelegenheit zu einer Einspielrunde. Dies ist auch erforderlich, um sich an die besonderen Platzverhältnisse zu gewöhnen. Wir wurden zum Platz gefahren, der sich etwa fünf Golf Cart Minuten vom Clubhaus entfernt befindet. Diese Anfahrt durch den herrlich duftenden Nadelwald versprühte bereits den Zauber von einem Märchenwald. Der Platz liegt inmitten einer Heidelandschaft in der Nachbarschaft zu Apeldoorn und so hat man seinerzeit (vor knapp einhundert Jahren) wohl entschieden, den Charakter einer Heidelandschaft auch für den Golfplatz beizubehalten. Fairways, die auf kurz geschorener Heide gründen, sind auf der Welt einzigartig und nur die Abschläge und Grüns sind grün. Dieser Golfplatz ist nicht in die Natur eingebettet, wie man allgemein so schön über Golfplätze fabuliert, sondern dieser Platz ist schlichtweg Bestandteil der Natur. Die Abschläge und auch die Grüns sind z. B. eingezäunt, da die hiesigen Wildschweine Gefallen gefunden haben an den „Köstlichkeiten“ dieses Platzes.

Nach der Einspielrunde und einem gemeinsamen Mittagessen im Clubhaus fuhren wir zurück zum Platz. Es erfolgten Erläuterungen der Local Rules und dann ging es im Kanonenstart in 3er Flights auf die Runde. Ich fühlte mich so unglaublich wohl, wieder hier zu sein und dann dieses Mal auch spielen zu dürfen. Wie hatte ich das letztes Jahr ohne einen Schläger in der Hand nur ausgehalten?! Der Märchenwald zeigte sich abermals von seiner zauberhaften Seite.

Dieses einladende Fleckchen Erde zog auch einige neugierige Zuschauer an, die sich auf ihren wochenendlichen Waldspaziergängen mit ihren Familien befanden. Sie kamen mit Hund, Kind und Kegel und offensichtlich genossen sie den etwas ungewöhnlichen Anblick einer historisch gewandeten Hickory Gemeinde. Unser Gastgeber Elbert Waller meinte später dazu, dass er es sehr schön fand, Hickory Spieler als Gäste zu haben, da sie diesen Platz so herrlich schmückten.

Der Platz bietet zudem genügend sportliche Anreize. Zum Einen geht es um die Waller-Trophy, den Sieg-Pokal. Und zum Anderen ist das Spielen auf Heide eine anspruchsvolle Herausforderung, auch, wenn man auf dem ganzen Platz innerhalb einer Schlägerlänge besser legen darf, außer im Rough, was natürlich auch Heidekraut ist, allerdings kniehoch.

Und die Natur belassenen, handgemähten (!) Grüns erfordern ein etwas anderes Spiel, als wir es gewohnt sind. Ich musste daran denken, was Perry mir einmal sagte: „Sabine, das Golfspiel erfordert zuweilen auch etwas Phantasie.“ – Ja, hier brauchte es Phantasie, denn dieser Märchenwald war so zauberhaft, dass ich während der ganzen Runde immer wieder das Gefühl hatte, dass dieser auf besondere Art und Weise Gestalt annahm. Zugegeben, zuweilen ist die Phantasie dabei mit mir durchgegangen, was meinem Spiel letzlich aber nicht geschadet hat. Ich spielte eine 90er Runde, was in der Damenwertung zum Gewinn dieser Dutch Hickory Open geführt hat. Perry Somers gewann abermals in der Herrenwertung mit 77 Schlägen.

Der Lehrmeister und seine Schülerin                                 (Foto: Lily Waller)

Gefühlsbetonte Grüße

Hinaus zog es mich eines Tages in die weite Golferwelt … entdeckte schließlich Hickory für mich … kam zurück ins traute Heim … als eine andere … eine andere Golferin.

Frau Oelmann

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Persönliche Anmerkung: Dieser Bericht ist von Emotionen durchzogen, was sich kaum verhindern ließ. Selten ist mir eine Berichterstattung so schwer gefallen. Ich bitte um etwas Nachsicht, denn einerseits wollte ich meine Emotionen dieses Mal eigentlich für mich behalten, andererseits aber auch dem vielfach geäußerten Wunsch meiner Leser entsprechen und dennoch über dieses Ereignis berichten.

3 Kommentare

  1. 5. Oktober 2011 um 13:31

    Hallo Sabine,

    vielen Dank für den schönen Artikel und auch noch mal herzlichen Glückwunsch von mir zum Gewinn der Dutch Hickory Championship 2011.

    Am 23.10.2011 spielen wir übrigens das Polish Hickory Championship 2011 in Warschau welches von Sofia Lelakowska organisiert wird – mehr Info hier:

    http://www.hickoryworld.co.uk/activity/golf/

    Mit bestem Gruß

    CNMeister

  2. rebel said,

    4. Oktober 2011 um 21:05

    Da möchte ich doch liebend gern Gratulieren.
    Ich muss mal schauen, ob ich die Hickorys zu unserem letzten Turnier noch mal raus hole – schaden kann es nicht. Dein Sieg spornt mich an und vielleicht reicht es ja auch mit den Hickorys zum Vereinsmeister.

    liebe Grüße
    rebel

  3. Prof. Groover said,

    4. Oktober 2011 um 09:29

    Liebe Sabine! Ein wunderschöner Bericht! Herzliche Gratulation!


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