Golfschule für hoffnungslose Fälle

Gestern entdeckte ich diese Suchanfrage: „Golfschule für hoffnungslose Fälle.“ Umgehend fragte ich mich, was da passiert sein könnte, dass ein Golfer in Hoffnungslosigkeit verfallen ist, wo doch alles damit begann, dass diese Sportart zu Spaß und Mußestunden in Mutters schöner Natur verhelfen sollte. Hatte er seinen Spaß verloren und wenn ja, warum?

Nun, Werbung für den Einstieg in den Golfsport suggeriert, dass alles ganz einfach ist und man sogar schon innerhalb einer Woche (!) Golf spielen kann. Und wenn man Sportübertragungen der Weltbesten Golfspieler im Fernsehen verfolgt, schaut auch alles irgendwie vermeintlich einfach aus. Greift man dann eines Tages in einem der unzähligen gepriesenen Schnupperkurse selbst zum Golfschläger stellt man sehr schnell fest, dass doch nicht alles so einfach ist, wie es in der Werbung propagiert oder im TV gezeigt wird.

Der Golfschwung ist eine scheinbar endlose Prozesskette von Bewegungsabläufen, erfordert fein abgestimmte Koordinationen und eine Körperbeherrschung, die sich in der Regel erst über die Jahre (wenn überhaupt) erlernen lässt. Zu den unzähligen technischen Details gehört dann auch noch die Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper. Erst, wenn Sie eines Tages gelernt haben, wie fest z. B. Ihre Hände den Golfschläger greifen oder wenn Sie fühlen konnten, dass Ihr Golfschläger in der Ausholbewegung um eine Nuance in der Hand verrutscht ist, wird sich Ihr Golfspiel noch weiter entwickeln – wenn Sie es sportlich betrachten. Und im Gegensatz zu anderen Sportarten bekommen Sie im Laufe der Zeit gnadenlos Ihren Leistungsstand reflektiert, insbesondere auch dann, wenn Sie an Turnieren teilnehmen und dem Handicap an den Kragen wollen. Da gibt es keine Mannschaftsspieler, die man mit in die Verantwortung ziehen kann und auch keinen Gegenspieler, der einem das Leben schwer macht. Beim Golf sind Sie ganz mit sich und auf sich allein gestellt.

Sie sind auf der Suche nach einer Golfschule für hoffnungslose Fälle? – Gehen Sie in sich: Wollten Sie nicht Golf spielen um des Spaßes Willen, um der Spaziergänge an der frischen Luft wegen, zur Erholung und Abschalten vom Alltagsstress? Und weshalb kam plötzlich alles ganz anders und warum entwickelte sich aus dem naturschönen Spiel bitterer Ernst?

Möglicherweise haben Sie dann gerade eine etwas andere Erwartungshaltung, als zu Beginn Ihrer Golfkarriere. Im Laufe der Zeit wurde durch einen schleichenden, kaum spürbaren Prozess der Spaß am Spiel durch zu hohe und unerreichbare Ziele verdrängt. Vielleicht hat Ihnen auch einer der vielen Golflehrer, die Sie bisher konsultiert haben, in Bezug auf Ihr Leistungsvermögen nicht die Wahrheit gesagt, falsche Hoffnungen geweckt. Hat er Ihnen vorenthalten, wie viele Jahre und wie viele tausend Stunden harte Trainingsarbeit die Profis täglich für ihr gutes Spiel absolvierten, um heute alles irgendwie vermeintlich einfach aussehen zu lassen? Hat er Ihnen nicht verraten, dass die Profis, die Sie im Fernsehen bestaunen, mit Fähigkeiten ausgestattet sind, die sie sich im Schweiße ihres Angesichts hart erarbeiten mussten?

Das Golfspiel ist ein sehr, sehr schwieriges Spiel und keinesfalls ein Selbstläufer, den man in einer Woche erlernen kann. Es steht zu lesen, dass der Golfschwung aufgrund seiner äußerst komplexen Bewegungsabläufe sogar zur zweitschwersten Sportart auf der Welt überhaupt zählt. Nur Stabhochsprung erfordert noch mehr motorische Fähigkeiten.

Gehen Sie erneut in sich und versuchen Sie sich zu erinnern, wie alles begann, warum Sie Golf spielen wollten. Wo immer Sie gerade sind, lieber Golffreund, so lange Sie Freude für dieses Spiel empfinden, sind Sie kein hoffnungsloser Fall!

Hoffnungsfrohe Grüße,

Frau Oelmann

6 Kommentare

  1. Filou said,

    24. Oktober 2011 um 18:13

    Hallo Sabine,

    Danke!

    LG Dein FiLoU

  2. 18. Oktober 2011 um 19:46

    Der Golfer, der sich selbst als hoffnungslosen Fall bezeichnet, spielt vermutlich noch nicht lange genug Golf, um einschätzen zu können, wie tief die Verzweiflung über die eigene Unfähigkeit sein kann, wie hoch allerdings auch die Woge der Begeisterung, wenn, alle 4 oder 5 Jahre einmal, eine „Gnadenrunde“ gelingt, die man sich doch eigentlich Woche für Woche zugetraut hatte…
    Wenn man sich selbst als Mitfavoriten sieht bei den Clubmeisterschaften und in drei Runden dann nicht einmal in die Nähe des Handicaps kommt, um dann bei zwei Turnierrunden zum Ausklang des Turnierjahres nur wenige Tage danach +3 und +1 zu spielen, dann steht man fassungslos vor der einen wie der anderen Leistung.
    Um aber überhaupt so etwas erleben zu dürfen, muss man zuvor wohl Dutzende Turniere versemmelt haben, oder, übertragen auf den Freizeitgolfer, über lange Monate das Bier im wöchentlichen Lochwettspiel gegen den besten Freund schon an der 13. Bahn oder so verloren haben. Es sind halt doch eher die drei großen L, die den Golfsport ausmachen (Lerne leise leiden) und weniger die überbordenden Glücksmomente. Ein Lieblingszitat sei mir noch gestattet von Robert Frost: „Glück macht durch Höhe wett, was ihm an Länge fehlt.“

  3. Frau Oelmann said,

    18. Oktober 2011 um 19:42

    In jenen Tagen, als ich spürte, dass ich meinem Nachbarn im „Matchplay“ niemals würde Paroli bieten können, geschweige denn einer Steffi Graf, landete der Tennisschläger (natürlich genau so einer, wie ihn Steffi einst spielte, wie man mir im Sportgeschäft versicherte) in einer Ecke, die allerbeste Aussichten auf höchstes Verstaubungspotenzial hatte.

    Sie möchten wissen, warum? Nun, bei all meiner Affinität zu Ballspielen, aber dieses Spiel mit der gelben Filzkugel lag mir einfach nicht und ich wollte mir in meiner Freizeit als Amateursportler auf gar keinen Fall etwas antun. Ich verspürte keine Freude…

    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  4. 360hcopa said,

    18. Oktober 2011 um 09:51

    Auch, wenn man kein „Leistungsgolf“ spielen will, muss man lernen mit den Schwankungen zu leben, denn Spass macht das Spiel. Und da seien wir mal alle ehrlich, wenn ein bissel was zusammenläuft, sprich auch ohne Leistungsgedanke. Aber keiner geht gerne über den Platz, wenn er z.B. jeden zweiten Ball topt.
    Zu begreifen, dass es durch die oben beschriebene Komplexität aber solche Tage gibt, ja sie einfach dazu gehören, auch ein Kaymer scheitert mal am Cut (;-), ist meine Erkenntnis aus meinem zweiten Golferjahr.
    Also morgen kann es nach einem schlechten Tag schon wieder anders aussehen, es wird wieder hell und der Spass übermannt einen.

  5. rebel said,

    17. Oktober 2011 um 20:21

    Hallo Frau Oelmann,
    ich finde das im deutschen Golf viel zu sehr der Leistungsgedanke im Vordergrund steht. Nichts gegen Leistung, aber nicht jeder will Leistungsgolfer werden.
    Für die, die Golf nur als Freizeitvergnügen sehen, gibt es in D einfach noch zu wenige Angebote und gute noch viel weniger.
    Wenn jeder seine Art von „Leistungs“Golf spielen kann, dann klappt es auch wieder mit der Freude am Spiel.

    liebe Grüße
    rebel

  6. 16. Oktober 2011 um 22:05

    Hallo Sabine,
    Du hast es auf den Punkt gebracht. Natürlich müssen Sportprofis Illusionen verkaufen…davon lebt der Sport….aber diese Illusionen sollten immer ehrlich sein…. beste Grüsse Heinz


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