Golf spielen lernen durch Aufmerksamkeit

Grundsätzlich ist der Bewegungsablauf eines Golfschwungs Expertenseitig definiert: Griff, Stand, Ausholbewegung und durch schwingen, bis zum Ende. Was einfach klingt und – im Fernsehen zu beobachten – einfach ausschaut, erweist sich für jeden Golfer als unerhört schwierig, denn es gilt, einen äußerst komplexen Bewegungsablauf zu erlernen, was man jedoch frühestens erst dann wahrnimmt, wenn man selbst einmal zum Golfschläger gegriffen und praktische Erfahrungen gemacht hat. Dann ist urplötzlich gar nichts mehr so einfach wie es ausschaut. Und es braucht auch nicht sehr lange um festzustellen, dass der Expertenseitig definierte Bewegungsablauf eine perfekte Schablone für einen perfekten Körper darstellt, die sich leider nur auf einzelne durch Gottes Gnaden ausgesuchte Golfer anwenden lässt.

Bescherten Ihnen Ihre ersten Erfahrungen jedoch auch nur ein einziges Mal einen traumhaft schönen Ballflug, gibt es fortan kein halten mehr, die Büchse der Pandora ist geöffnet. Jetzt wollen Sie es wissen und begeben sich frohen Mutes auf Ihren Golfweg. Von nun an werden Sie ohne Unterlass nach Möglichkeiten suchen, wie der Bewegungsablauf Ihres Golfschwungs verbessert werden kann. Dabei spielt es rein gar kein Rolle, ob Sie sich noch zum Anfänger zählen oder bereits seit Jahren sehr fortgeschritten auf der Runde unterwegs sind. Fast alle Golfer erleben es, einmal mit dem Golfspiel begonnen: Ein Endstadium der Zufriedenheit über Ihre Leistung und schlichte Freude über Ihr Spiel oder gar am Spiel selbst wird sich bemerkenswerter Weise nur in sehr seltenen Fällen einstellen.

Sehr häufig werden dabei auf diesem zunehmend steinigen Golfweg mehr und mehr Golflehrer konsultiert, weil man darauf hofft, irgendwann auf „den Einen“ zu treffen, der sich als Zauberer erweist (und tatsächlich, manchmal hat man einfach Glück und ich habe noch nicht einmal gesucht … hmm … das war wirklich Glück!). Jeder neue Golflehrer bedeutet jedoch hauptsächlich neue Herausforderungen. Ihr Bewegungsablauf gerät aufgrund bestehender unterschiedlichster Golfschwung- Philosophien regelmäßig auf den Prüfstand, getreu dem Motto: drei Experten, vier Meinungen. Dies führt bei den allermeisten Menschen, so auch bei Golfern, zur allgemeinen Verwirrung.

Genau hier setzt Timothy Gallwey an: Sein Buch „Inner Game – Golf“ beschreibt einen Lernprozess, der nicht auf „äußere Sicherheiten“ setzt, wie das erarbeiten des „richtigen Schwungs“. Timothy Gallwey beschreibt einen Weg, bei dem „es um die Entwicklung einer inneren Sicherheit geht, die von äußeren Situationen unabhängiger macht. Der Schlüssel dazu liegt in einer verstärkten Aufmerksamkeit für den eigenen Schwung und im Erkennen des eigenen „inneren Spiels“. (…) „Vor allem Aufmerksamkeit versetzt uns in die Lage, Erfahrungen zu sammeln und aus ihnen zu lernen.“

Diese Lehrmethode ersetzt natürlich nicht die Fachkompetenz eines Golflehrers. Sie müssen zunächst einmal schon noch lernen, worauf es beim Golfschwung ankommt, denn wie gesagt, es gibt einige Grundregeln für den Bewegungsablauf eines Golfschwungs, wenn der Ball schön fliegen soll. Lernen durch Aufmerksamkeit bietet eine weitere Möglichkeit der Art und Weise des Lernens und wie ich meine, eine ideale Lehrmethode für diejenigen, die mit technischen Begriffen, mit all den Erklärungen der vielen roten und grünen Linien auf Videoanalysen und den damit verbundenen, umfassenden Anweisungen eines Golflehrers oftmals überfordert sind. Inner Game – Golf als Lehrmethode öffnet weitere Pforten der Erkenntnis und bringt das eigene Spiel nach und nach voran, immer vorausgesetzt, man öffnet sich dem Lernprozess der inneren Aufmerksamkeit. Hinzu kommt, dass dieses Buch in einer einfachen Sprache und sehr verständlich geschrieben ist, dass sogar ich es verstehen kann, die mit Fachbüchern im Allgemeinen auf dem Kriegsfuß steht. Und man kann es wieder und wieder lesen, stets entdeckt man etwas Neues.

Ich darf vorweg nehmen, dass Inner Game – Golf vermutlich nicht die ultimative Lehrmethode für jeden Golfer ist. Als ich jedoch letzten Sommer gefragt wurde, was die Geheimnisse meines Erfolges sind, musste ich sehr lange nachdenken, ich hatte so Recht keine passende Antwort. Beim nächsten Mal werde ich einfach auf dieses Buch verweisen, denn hier findet sich alles wieder, auf welcher Grundlage meine golferische Entwicklung basiert. An dem Tag, als ich anfing, meinem Handeln nach und nach mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ging meine golferische Entwicklung rasant nach vorn.

Und da wir gerade von Entwicklung sprechen, lassen Sie mich abschließend noch eine Wahrheit formulieren: Die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Lernprozess ist die Geduld, Golf ist ein Geduldsspiel. Golf lässt sich leider nicht mit hoch gekrempelten Ärmeln erarbeiten. Für manch einen Golfadepten keine sehr guten Nachrichten, aber dafür die Wahrheit. Ich erwähne das übrigens nur, weil man es gar nicht oft genug erwähnen kann!

Aufmerksame Grüße,

Frau Oelmann

~~~

Persönliche Anmerkung: Auf Empfehlung eines lieben Freundes habe ich in meiner nunmehr vierjährigen „Golfkarriere“ zum ersten Mal (!) ein Golffachbuch gelesen. – Übrigens wollte ich bewusst nicht auf Einzelheiten über Inhalte dieses Buches eingehen, denn es würde dem Gesamtwerk nicht gerecht und lediglich Fragen aufwerfen.
Ein herzliches „Danke schön!“ an Frank Pyko, der dieses Buch aus dem Englischen übersetzt, selbst verlegt und somit manch einem Golfer neue Möglichkeiten eröffnet hat!

4 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    28. März 2012 um 17:33

    Lieber Thomas,
    es freut mich wirklich sehr, wenn Ihnen mein Artikel gefällt.
    Wenn ich ihn jetzt mal wieder so lese könnte ich sagen, dass er mir auch noch gut gefällt! ;-)

    Ich habe mir auch schon einmal überlegt, ob ein Meditationskurs nicht eine sinnvolle Ergänzung wäre. Bitte halten Sie uns über Ihre Fortschritte auf dem Laufenden! :-)

    Herzliche Grüße
    Frau Oelmann

  2. Thomas said,

    28. März 2012 um 15:24

    Danke für den guten Artikel. Bei mir ist es mit der Geduld meist auch nicht soweit her. Ich habe mal einen Golf Anfänger Kurs vom Hotel Bollmannsruh besucht. Mir ist natürlich klar, dass man nicht nach ein paar Tagen alles beherrschen kann, doch manchmal lässt der Erfolg einfach zu lange auf sich warten. Meistens sind für mich störende Gedanken, Stress und Sorgen der Grund für fehlende Erfolge. Sprich einfach der Mangel an Konzentration, an zielgerichteter Aufmerksamkeit. Um das zu lernen, besuche ich gerade einen Meditationskurs. Und nach und nach wirds besser ;-)

  3. Exilgolfer said,

    18. Januar 2012 um 20:52

    Kenne die Gefühle, wenn es nicht weiter zu gehen scheint… Mehr Golflehrer machen es meistens nur noch schlimmer.

  4. rebel said,

    8. Januar 2012 um 12:11

    Moin Frau Oelmann,

    in weiten Teilen kann ich ihnen da zustimmen. Spielen, beobachten und erkennen – das sind die Voraussetzungen um besser zu werden. Manche können das in begrenztem Umfang allein und andere brauchen Hilfe.
    Geduld habe ich vom Angelsport mitgebracht und somit schon mal eine Grundlage abgedeckt. ;)

    Der letzte Absatz vor dem Schlusswort spricht mir aus der Seele.

    Ihnen noch einen angenehmen Sonntag
    rebel


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