Golfers’ Träume

Im Juni 2007 entschloss ich mich nach jahrelanger Überlegung, endlich mit dem Golfspielen anzufangen. Das sich diese Überlegungen über Jahre erstreckten, hatte unterschiedlichste Gründe. Möglicherweise lag es schlicht und ergreifend jedoch auch daran, dass ich grundsätzlich für vieles im Leben immer ein klein wenig länger brauche. Indes als Sportler, der es gewohnt war, sein Leben lang hinter irgendetwas her zu rennen, sich im Zweikampf mit dem Gegner aufzureiben und sich physisch bis an seine Grenzen zu verausgaben, hatte ich – ich gebe es zu – meine Probleme damit, Golf als „Sport“ anzuerkennen. Aber ich entsann mich, dass ich neben all meiner Verausgabung auch stets nach einem ruhigen „sportlichen“ Ausgleich Ausschau hielt. Viele Jahre lang spielte ich z. B. mit großer Begeisterung an grünen Tischen Snooker oder Poolbillard (im Acht-Ball gewann ich sogar einmal ein kleines Clubturnier). Es bestand also zweifelsfrei eine Affinität zum Einlochen mit einem Stab in den Händen.

Und so meldete ich mich schließlich für eine Urlaubsgolfwoche, um die Platzreife zu erlangen. Die ersten Tage auf der Driving Range waren ziemlich aufregend, aber vor allem auch äußerst anstrengend, was ich nie vermutet hätte. Alle Gräten taten mir bereits am ersten Abend weh (rückblickend denke ich, dass es für Golflehrer hin und wieder ein großer Spaß sein muss, sich all die Verrückten anzuschauen, die wie um ihr Leben Körbeweise Bälle die Range hinunterjagen und am Abend vor Erschöpfung kaum mehr in der Lage sind, die Suppe vernünftig zu löffeln). Aber was richtige Golfer werden wollen, lassen sich selbstredend durch nichts abschrecken, denn man hat doch Ziele und Träume, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und so erspielte ich mir im Schweiße meines Angesichts und der Erschöpfung nahe – angesichts der seinerzeit herrschenden Hitzewelle – in meinem ersten Turnier die so genannte Turnierreife.

Die darauf folgenden eineinhalb Jahre verbrachte ich mit weiteren Überlegungen, ob ich überhaupt in einem Club melden sollte, denn es ging um viel Geld und ich hatte noch keine rechte Vorstellung davon, dass ich fortan regelmäßig auf der Runde sein könnte. In diesen eineinhalb Jahren verbrachte ich meine Zeit auf der Driving Range, bis mich eines Tages ein PGA Golflehrerlehrling ansprach, ob ich nicht Lust hätte, sein Caddy für seine PAT’ s zu sein (Playing Ability Test). Jeder Golflehrer muss nicht nur eine schriftliche Prüfung für sein Diplom abliefern, sondern sich auch in der Praxis beweisen und einen Spieltest ablegen (damals an zwei Tagen auf zwei Runden max. 12 über Par für beide Runden). Umgehend sagte ich zu, denn es roch nach spannenden Abenteuern und außergewöhnlichen Erfahrungen, die ich gedachte, zu sammeln. Und Anno 2009 meldete ich dann endlich in einem Golfclub, meinem heutigen Heimatclub.

So begann also mein Golfweg, auf welchem ich seitdem vielen Abenteuern entgegen gesehen habe. Meine Golferjahre haben mir bis heute so viele Abenteuer beschert, dass ich mich nunmehr unweigerlich frage, wie mein Golfweg in der bald beginnenden neuen Saison wohl weitergehen könnte (falls sich diese Eiszeit noch einmal zurückziehen sollte). Ja, ja, auch ich denke hin und wieder über meinen Golfweg nach. Nein, nein, ich gehöre wahrlich nicht zu jenen Golfern, die Ziele für eine Golfsaison definieren können oder gar müssen. Das liegt mir einfach nicht. Ich zähle eher zu diesen Golfern, die ihren Golfweg auf sich zukommen und sich dabei gerne überraschen lassen oder sich liebend gerne auch ihren Träumen hingeben. Gelegentlich träume ich beispielsweise schon heute von einer Titelverteidigung der International Dutch Hickory Open

Außerdem träume ich davon, eines Tages eine Runde unter Par zu spielen. Ich habe mir überlegt, dass das in gewisser Weise reizvoll sein könnte, schließlich wäre es doch auch einmal etwas anderes. Ja, ja, Sie haben natürlich vollkommen Recht: Eine Runde unter Par scheint ein bisserl mehr abzuverlangen, als einen schönen Golfschwung. Und dennoch lasse ich mich nicht beirren: Ich träume von der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen – Golfers’ Träume sind etwas Wunderbares!

Ich wünsche auch Ihnen, dass all’ Ihre Ziele und Träume vielleicht eines Tages Gestalt annehmen und dabei stets viel Freude am Spiel!

Traumhafte Grüße

Frau Oelmann

Ich lauschte gerade der Ansage unseres Clubtelefons: Der Platz ist ab 12 Uhr geöffnet. Eine wunderbare Gelegenheit für eine herrliche Wintergolfrunde. Ein Eisen, zwei Bälle. Es bereitet mir nämlich diebische Freude, den Ball direkt ins Wasserhindernis zu jagen und ihm dabei zuzuschauen, wie er seinem Ziel entgegen hüpft wie ein Flummi…  :-)

3 Kommentare

  1. 360hcopa said,

    25. Februar 2012 um 00:06

    Reblogged this on Liebes Tagebuch….. und kommentierte:
    Ich musste für das Golfspielen das Reisen aufgeben, früher mein EinundAlles, und Nichtgolferfreunde können nicht verstehen, dass der Sport so eine Fazination ausübt, dass man da gar nichts vermisst. Ihr kleiner Artikel hat es mir aber wieder mal aufgezeigt. Eine schöne Saison, obwohl haben Sie jemals Pause gemacht, kann sich nur um ein paar Wochen gehandelt haben – Sie Wintergolferin!

  2. Frau Oelmann said,

    6. Februar 2012 um 21:41

    Liebe Martina,
    Vorfreude soll bekanntlich der schönsten einer sein und so wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche Arbeitswoche, die durchaus auch ein bisschen Raum für schöne Gedanken zulässt!

    Herzliche Grüße aus dem nördlichen Ruhrgebiet,
    Frau Oelmann

  3. Martina said,

    6. Februar 2012 um 09:00

    Liebe Frau Oelmann,

    und wieder einmal herzlichen Dank für Ihren Artikel, so gehe ich mit schönen Gedanken und Vorfreude auf die anstehende Saison in die neue Arbeitswoche. Die Wallgang hofft auch auf ein Ende der „Eiszeit“ und dass es bald wieder losgeht.

    Ein Wintergolfrunde hat natürlich auch was, aber ich würde doch auch gern mal wieder spielen ohne mich vorher nach dem Zwiebelprinzip für die Runde einzupacken:-))

    Allzeit „Schönes Spiel“ und Grüße von wallgang.de

    Martina Sommer


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