Eine Runde Golf und die Zeit

Statistisch gesehen beträgt die Dauer eines Golfschlages durchschnittlich etwa 1,95 Sekunden. Das hatte ich irgendwann einmal irgendwo gelesen. Wer hätte gedacht, dass ein Golfschwung so lange andauert? Fühlt es sich nicht vielmehr an wie ein Hauch von Nichts, so ein Golfschwung?!

Leider gab dieser Bericht keine Auskunft darüber, wie viel Zeit der Vorbereitung für den eigentlichen Golfschlag verbraten wird oder wie viele Gedanken in dieser Vorbereitungszeit durchs Golferhirn schießen, bis der Ball dann endlich in nur 1,95 Sekunden die Fairways hinunter gejagt wird. Gerade diese Zeit der Vorbereitung erscheint zuweilen schier endlos. Und welchen Bezug hat eigentlich die Zeit zu einer Runde Golf?

Wenn man Glück hat, beträgt die Spielzeit für eine Runde Golf über 18 Löcher nur fünf Stunden (ich erwähne eine Runde speziell über 18 Löcher, da heutzutage nicht mehr unbedingt Einvernehmen darüber herrscht, dass dieses Spiel vermeintlich ein 18 Löcher Spiel ist). Und nehmen wir dabei einmal an, dass wir 95 Golfschläge für diese Runde benötigt haben. Umgerechnet sind das dann 185,25 Sekunden oder auch 3,0875 Minuten. Für einen fünf Stunden lang währenden Grabenkampf über sein oder nicht sein entscheiden also lediglich 3,0875 Minuten. Klingt das nicht irgendwie … interessant?!

Ich erinnerte mich der weisen Worte eines Golflehrers, der da sprach: „Im Turniergolf darfst du immer nur an den nächsten Golfschlag denken, nur an den nächsten Schlag – bis zum letzten Putt!“. Wie sollte das gelingen, dieser Weisheit eines Tages Taten folgen zu lassen, wo doch scheinbar unendlich viel Zeit zwischen den 95 Golfschlägen bzw. 3,0875 Minuten lag. Wie sollte man über volle fünf Stunden immer nur an den nächsten Schlag denken? Diese Zeit wollte doch auch Sinn bringend genutzt werden, z. B. mit der Suche nach Antworten zu bedeutsamen Fragen? Warum hat der Nachbar im Frühjahr begonnen, sein Grundstück mit der Sense zu bearbeiten, wo doch der Rasenmäher soviel erleichternd und auch zeitsparend ist? Angenehme Flightpartner heute und was für ein Glück, sogar ein Longhitter ist dabei … ich schaue sehr gerne zu, wenn die Bälle so schön weit fliegen, es hat stets etwas besonderes, fast schon Erhabenes … so, der Abschlag war jetzt schon einmal ganz gut … die Bügelwäsche ist liegen geblieben und ach ja, noch einen Kasten Bier kaufen für die liebe Nachbarin (wie lange hat der Supermarkt heute auf?) … wenn ich den Ball jetzt einfach nur noch 30 Meter vor dem Grün ablege, könnte ich mir eine Birdie-Chance erarbeiten … würde das Auto über den TÜV kommen und wenn ja, was würde das wieder kosten? … der Bunker rechts vom Grün käme gar nicht erst ins Spiel … die Benzinpreise können den Sensenkauf kaum rechtfertigen, er ist schließlich auch Autofahrer, aber womöglich ist er plötzlich unter die Golfer geraten und arbeitet so heimlich an seinem Golfschwung … oh nein! Der Ball ist in einem Divot gelandet! Warum werden so viele Divots einfach nicht mehr zurückgelegt, wo ist der Marshall, wenn man ihn braucht? …

Seine Weisheit hatte sich mir auch nach Jahren noch immer nicht zur Gänze erschlossen, sie wurde inzwischen zunehmend zu einem Rätsel. Und so kam ich zu dem Schluss, dass dies womöglich ein weiteres Geheimnis des Golfspiels war: die Kunst, mit der Zeit zu spielen…

Zeitweilige Grüße

Frau Oelmann

3 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    29. Juli 2012 um 15:48

    Da wir Hobbygolfer mit dem Golfspiel nicht unser täglich Brot verdienen müssen (gottlob!), ist es tatsächlich sehr schön, sich zuweilen auch durch die Natur ablenken zu lassen!

    Gestern erlebten wir auf unserer Runde den Ausflug eines Bussards, der seelenruhig und im Tiefflug über unseren Köpfen kreiste – welch ein erhebender Anblick!

    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  2. Stephan said,

    29. Juli 2012 um 15:23

    Wieder mal schön geschrieben! #Bei mir ist eher die Natur um mich herum, die Ablenkung, die ich aber gerne in Kauf nehme! ;-)

  3. 360hcopa said,

    7. Juni 2012 um 11:48

    So ist unser Gehirn leider programmiert, immer abschweifend, glaube nur jahrelange Zenlehre könnte da helfen…..aber wer hat da schon die Zeit (;-)


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