Kein Wetter für Golfer

Kommt Ihnen das ähnlich bekannt vor, dieser einzigartige, frohlockende Gedanke? Ende Juni, Frühsommer, Samstagmorgen, es ist halb zehn Uhr: Jetzt eine Runde Golf! Es schert Sie nicht im Geringsten, dass alle zur Verfügung stehenden Wetterprognosen unabhängig voneinander reinstes Unheil verkünden (denn natürlich klicken Sie vorsichtshalber alle zur Verfügung stehenden Wetterlinks aus aller Welt an): 14 Grad Celsius im Maximum, Dauerregen, der in die Knochen geht, scharf gewürzt mit einem kernigen Wind. Regen allein wäre selbst für hart gesottene Damen nichts Aufsehen erregendes, aber warum muss dieser zeitgleich schon wieder von derart heftigen Winden begleitet werden, das es die Dauerwellen reihenweise in Sturmwellen verwandelt? Ein Sturm, der einem alles verweht, natürlich auch den Schwung und die Bälle sowieso.

Sie erinnern sich jener nicht enden wollenden Diskussion während der letzten Mitgliederversammlung in Bezug auf eine Fairway-Bewässerungsanlage, weil ausnahmsweise einmal eine etwas länger anhaltende Trockenperiode zu verzeichnen war, die vom Hörensagen an Klimaverhältnisse aus der Sahelzone erinnerte, als Ihnen bereits an der 3. Bahn das Wasser oben aus den Golfschuhen läuft. Sie fragen sich, ob bei der nächsten Mitgliederversammlung der Vollständigkeit halber nicht auch über eine Fairway-Trockneranlage nachgedacht werden sollte.

So wird zum unzähligsten Male in dieser Saison das erhoffte Turnierergebnis am Ende des langen 18 (Regen)Löcher währenden Weges weggespült und derartig vom Winde verweht, dass es selbst Scarlett O’Hara die Haare zersaust hätte. Indes setzen Sie unmittelbar nach jeder Wetterapokalypse schon wieder auf die nächste Runde, denn Ihr Optimismus hält sich ehern!

Und dann, zwei Tage später, unerklärlich wie unergründlich, schlagen Sie ab bei 31 Grad im Schatten, denn Sie wollen sich auf das kommende Turnier einspielen. Nach fünf Löchern sind Sie bereits ziemlich erledigt (und vor allem verbrannt, weil Sie vergaßen, sich rechtzeitig mit einem Sunblocker 50 zu präparieren, wobei Sie womöglich grundsätzlich hinterfragen, ob es überhaupt richtig ist, sich dieser Sonnenbestrahlung auszusetzen). Nach fünf weiteren Löchern stehen Sie kurz vor davor, zu kollabieren und zu dehydrieren, was zu diffusen Halluzinationen führt.

„Ich hab den Fahnenstock ganz deutlich viel weiter links am Grün gesehen“ –

„Ei der Daus … ich auch!“

Aber da war er nicht, der Fahnenstock. Und bei genauerem Hinsehen steckte der Fahnenstock, wie so oft an diesem Par 3 an der 6. Bahn mit 195 Metern, unerreichbar rechts außen auf der Bierdeckelgroßen Grünkante.

Tags darauf meldet die Unwetterzentrale, dass es durchaus Sinn machte, über andere Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung nachzudenken. Und so wird der Damentag nach einstündiger Warteschleife im Clubhaus schließlich aus Vernunftgründen abgesagt – niemand hatte einen Neopren-Anzug dabei. Die Trauerminen erhellen sich jedoch alsbald wieder, da ein Ersatztermin bereits verkündet wird, woraufhin der Kellner diverse Trostpflaster kredenzt.

Das Ergebnis des Herrenmittwochs haken Sie aufgrund der ungewöhnlich stürmischen Wetterlage einigermaßen verspannt ab – obwohl es dieses Mal nicht regnete. Aber Sie hatten eine unbestimmte Ahnung, dass Sie sich dieser erneuten Götterdämmerung innerhalb einiger, weniger Stunden nicht würden erwehren können.

Wer oder was erzürnt die Götter des Windes, des Regens, Blitzes und Donners permanent aufs Neue, dass es uns in unsere Höhlen zurücktreibt? Oder machen sie sich inzwischen vielmehr einen Spaß daraus, uns Golfern weiteren Prüfungen zu unterziehen, als ob es nicht schon längst genug derselben gäbe. Und während ich hier sitze und sinniere, braut sich bereits das nächste Unwetter über unseren Köpfen zusammen: jene unheimliche Ruhe vor dem Sturm hat gerade eingesetzt, nichts bewegt sich, alles hält die Luft an, die Zeit steht still…

Ich bleibe doch mal wieder besser in meiner Höhle und denke darüber nach (während in Wimbledon die Regenpause dazu genutzt wird, das Dach zu schließen), ob ich es noch erleben werde, dass es eines Tages auch eine Golfhalle geben wird.

Stürmische Grüße

Frau Oelmann

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    8. Juli 2012 um 22:10

    „Und ich habe keine Ahnung was mir lieber wäre…“

    Lieber rebel,
    wollen wir hoffen, dass wir niemals ernsthaft vor eine solche Wahl gestellt werden, uiiiih!

    Hinsichtlich meiner Olympia-Vorbereitung muss ich gestehen, dass ich es zuletzt ein wenig habe schleifen lassen. Du hast recht, die Zeit drängt. Also, vielen Dank für deinen Ansporn! :-)

    Liebe Grüße
    Frau Oelmann

  2. 8. Juli 2012 um 19:47

    Hallo Frau Oelmann,
    also das sind sie nicht allein mit den Wetter kapriolen – auch bei uns schwankt es zwischen ersaufen oder vertrocknen. Und ich habe keine Ahnung was mir lieber wäre…
    Trotz allem, viel Spaß weiterhin auf dem Fairway. Und immer dran denken – Olympia in Rio rückt immer näher – also immer weiter an der Form arbeiten.

    liebe Grüße
    rebel


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