Über Golfturniere und das Handicap

In den vergangenen drei Jahren spielte ich um die zehn bis zwölf Turniere pro Saison. Hört man sich ein wenig um, spielt manch ein Golfer zehn bis zwölf Turniere in vier Wochen. Die Vorstellung von einigen Turnieren mehr gefiel mir mit einem Male und so befasste ich mich mit dem Gedanken, erstmals so viele vorgabewirksame Turniere zu spielen, wie es gerade möglich schien. Es reifte die Idee auszuloten, welchen Wert das erspielte Handicap auf dem Heimatplatz in der Fremde auf gänzlich unbekannten Golfplätzen haben würde. Womöglich konnte ich es bis zum Ende der Saison auf etwa zwanzig bis zweiundzwanzig Turniere bringen.

Und während ich in den vergangenen Tagen THE OPEN im Fernsehen verfolgte – Herzliche Gratulation an Ernie Els, der sich in einem spannenden Finish gegenüber Adam Scott als respektvoller und sympathischer Sieger präsentierte – ließ ich meine bisherige „Turnierserie“ von nunmehr elf gespielten Turnieren Revue passieren.

Zur Saisoneröffnung bestritt ich die ersten drei Turniere zunächst auf meinem Heimatplatz, einem kleinen aber dafür feinen und äußerst trickreichen Stadtplatz, der hin und wieder gerne als Mickey Maus Platz bezeichnet wird, weil er vermeintlich einige kurze Bahnen aufweist. Wir sehen dieser Bezeichnung inzwischen allerdings relativ gelassen entgegen, denn Mickey Maus hält regelmäßig Überraschungen für seine Gäste parat.

Im Wonnemonat Mai ging es dann erstmals hinaus in die große weite Golferwelt für eine Turnierwoche in den Süden. Die Runde im GC Thailing eröffnete den Reigen einiger Bergziegenkurse, wie wir Flachlandtiroler despektierlich Plätze bezeichnen, die mehr als fünf bis zehn Höhenmeter aufweisen. Es folgten Runden im GC Herzog Tassilo und im GC Maria Theresia, im GC Lengenfeld und abschließend im Golfresort Waidhofen, allesamt im wunderschönen Österreich. So wurden es fünf Turniere in fünf Tagen, puh! Ich darf vorwegnehmen, dass manch ein Flightpartner seinen Spaß dabei gehabt zu haben schien zu beobachten, wie sehr Flachlandtiroler sich selbst zu kasteien in der Lage sind. Einer hatte ganz sicher seinen Spaß, denk ich zurück an manch feistes Grinsen eines gewissen Herrn Groover, aber sei es ihm gegönnt, hat er sich doch fürsorglich um Planung und Gestaltung dieser Turnierserie gekümmert – vielen Dank für alles, mein lieber Professor!

Wieder daheim in Mitteldeutschland plante ich für den Juli neun Turniere in meiner näheren Umgebung. Und auch hier wollte ich ausschließlich bisher unbekannte Plätze spielen und so meldete ich und meldete. Doch bedauerlicherweise hatte das Wetter andere Pläne und so kam es im Juli aufgrund der anhaltend schlechten Wetterlage zu nicht weniger als fünf Turnierabsagen bzw. auch Turnierabbrüchen. Schließlich blieben vier Turniere zu spielen im GC Velbert, GC Issum , GC Uhlenberg Reken und GC Wasserburg Anholt.

Im Laufe der bisherigen Saison erlebte ich Golfplätze mit herrlichsten, weitläufigsten Landschaften und atemberaubenden Kulissen, spielte über Berge und durch Täler und ebenso durch wunderschöne Parklandschaften. Es gab kürzere Plätze und längere, höhere oder auch niedrigere Course Ratings und ebensolche Slopes. Plätze mit kurzen Bahnen, kürzesten Bahnen, längeren Bahnen und auch längsten Bahnen, kurz geschorene Fairways, weniger kurz geschorene Fairways, trockene Fairways und patschnasse Fairways, Roughs, die an weniger kurz geschorene Fairways erinnerten, aber auch solche, in denen man gefährliche Tiere auf vier Pfoten erwarten durfte. Ich stand in regennassen Bunkern und Bunkern ohne Sand darin, verschob die Putts auf langsamen Grüns als auch auf langsamsten Grüns und hämmerte den Ball auf schnellen und oder noch schnelleren Grüns Meilenweit am Loch vorbei. Einige Opfer wurden (vorsorglich) den Wald-, Wiesen- und Wassergeistern dargebracht, der den Ballvorrat bedenklich schmelzen ließ. Apropos schmelzen … es gab Temperaturen von 4° bishin zu 30°, dabei mit etwas, mit etwas mehr oder auch (allerdings nur in den seltensten Fällen) ohne Regen, leichte Brisen sowie (sehr häufig) Sturmböen. Jedoch Windstille … wirkliche Windstille kam nur ein einziges Mal vor, wenn ich mich recht entsinne … wenn ich mich nur erinnerte, wann und wo das war…

Auf allen Runden begegnete ich ausnahmslos freundlichen und fröhlichen Golfernaturen, aber natürlich auch ehrgeizigen und ambitionierten Golfern, redseligeren sowie schweigsameren und überall erlebte ich eine bemerkenswerte Gastfreundschaft bis hin zu einer Herzlichkeit, die nichts mit den z. T. noch immer herrschenden Klischees über Arroganz im Golfsport zu tun hatte. Ich möchte mich daher einmal bedanken bei all’ meinen Flightpartnern und -Partnerinnen, die Geduld bewiesen mit meinem nicht allzu schnellen und zugleich recht redseligem Spiel, die mir allesamt eine wunderbare Zeit beschert haben. Ich möchte Dank sagen bei allen Verantwortlichen in den Golfclubs – und natürlich auch bei den Greenkeepern! -, die überall ihr bestes gaben, gerade auch im Hinblick des Wetterwahnsinns, der sich allenthalben ein Stelldichein gab und das geregelte Turnierleben zuweilen gehörig durcheinander warf. Mein besonderer Dank gebührt Rosy Knott, ihres Zeichens Ladies Captain des GC Issum, jenem wunderschönen Golfclub eingebettet in eine traumhafte Parklandschaft. Rosy’s offene Herzlichkeit hat dafür gesorgt, dass dieser Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde – lieben Dank dafür, Rosy!

Nun ist es Halbzeit in der laufenden Hochsaison, was mich zu diesem Zwischenresumée veranlasste. Lassen Sie mich konstatieren, dass das auswärtige Turnierleben nicht nur für Abwechslung und Belebung einer Golferseele sorgt, sondern ebenso in vielerlei Hinsicht eine besondere Herausforderung darstellt. Eine Herausforderung, die u. U. sogar Freude bereiten kann, wenn … ja wenn … man es nicht unbedingt auf sein Handicap abgesehen hat. Die bereits des Öfteren zitierte Unbefangenheit, die gerade auf fremdem Geläuf zum Tragen kommen könnte, habe ich zumindest heuer bisher nicht erlebt. In keinem meiner Auswärtsturniere ist mir eine Unterspielung gelungen, ganz im Gegenteil. Im besten Fall konnte ich mein Handicap mit Ach und Krach geradeso bestätigen, was mir in den bisherigen neun Auswärtsrunden überhaupt erst nur dreimal gelungen ist. Ist es möglich, dass meine Unbefangenheit aus den Anfangstagen mit den Jahren inzwischen an ihre Grenzen gestoßen ist?!

Sportliche Grüße

Frau Oelmann

Übrigens: Zu Saisonbeginn startete ich mit Handicap 11. Warten wir ab, was die Saison an Überraschungen noch alles zu bieten hat. Und wenn Sie mögen, halte ich Sie gerne informiert, wie es am Ende meinem Handicap dabei ergangen ist…

4 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    29. Juli 2012 um 14:48

    Lieber Eugen,
    der Tag, an dem ich von „Herren“ abschlage, wird dann aber auch zugleich ein Herrenmittwoch sein – und zwar im Golfpark Winnerod!!!

    :D :D :D

    Reizvolle Grüße
    Frau Oelmann

  2. 28. Juli 2012 um 15:00

    Ich finde, es wird langsam Zeit, dass Du von „Herren“ abschlägst, damit das Spiel für Dich nicht jeden Reiz verliert.

    Liebe Grüße aus Bad Griesbach, wo die Zeit so gemächlich voranstolpert, wie die Senioren über den Platz.*

    Eugen

    *PS: Das heißt: Plätze, denn alles, worauf kein Mais steht, ist hier von einer Armada Golfer okkupiert worden.

  3. Frau Oelmann said,

    23. Juli 2012 um 21:05

    Lieber Mario, treuer Weggefährte!
    Deinen Vorschlag nehme ich dankbar an. Stets fühlte ich mich durch dich gut beraten! Ich verspreche, auch weiterhin nach Herzenslust „einfach drauf zu hauen“…

    Viele liebe Grüße, auch an deine Familie! :-)
    Sabine

    … und lass uns dabei aber durchaus auch in Erwägung ziehen, dass nicht meine Unbefangenheit, sondern bestenfalls gar meine Möglichkeiten schlicht und ergreifend an ihre Grenzen gestoßen sind, oder? Die Olympia-Vorbereitung erweist sich als äußerst kniffelig! ;-)

  4. 23. Juli 2012 um 20:30

    Ich würde doch vorschlagen, behalten sie ihre Unbefangenheit. Mir sind Menschen die unbefangen sind – bei weitem lieber als jene, die alles bis ins kleinste vorher abklären und dann doch falsch liegen mit ihrer Einschätzung. ;)

    Viel Spaß auch weiterhin auf ihren Turnieren quer durch Europa.

    liebe Grüße
    rebel


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