Golf im Fernsehen

Jahrelang hatte ich überhaupt kein Fernsehen gesehen, sondern nur schön brav und pflichtbewusst die Gebühren für jene dubiose Geldeinzugszentrale abgedrückt und das Gerät selbst lediglich hin und wieder vom dicken Staub befreit. Weiß der Teufel, warum bei öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten noch immer von Free-TV gesprochen wird. Sei ’s drum. Jedenfalls sticht mich kürzlich der Hafer und ich kaufe Golf im Fernsehen ein, für ein Jahr incl. einem Freimonat, weil mich ein Golfkamerad schon längere Zeit ein wenig verrückt gemacht hatte damit, dass Golf im Fernsehen ganz schön unterhaltsam sei. Und so schaue ich in diesen Tagen all abendlich in die Übertragungen aus Kiawah Island, South Carolina.

320-Meter-Drives, Eisen 9 für 164 Meter und zuweilen auch nicht weniger als 6 Birdies auf den ersten Neun, 5 auf den ersten 5 (!!), auf Grüns, die so groß sind wie Fußballplätze, oder so ähnlich. Und das ganze auf Bahnlängen, vor denen wir uns in der Regel vermutlich nur fürchten würden. Und wegen einer Regenunterbrechung an Tag 3 wird an Tag 4 für 26 Spieler eine Frührunde ab 7.30 Uhr eingelegt, um zunächst ihre unterbrochene Runde von Tag 3 zu beenden, bevor es dann mittags – also taggleich – dann direkt weiter in die Finalrunde geht. Frührunde ist dabei mehr als wörtlich zu nehmen, wenn sich bei Flutlicht eingeschlagen werden muss. Ich stelle mir nur ganz kurz das Leben eines Golfprofis vor, denn zu solchen Uhrzeiten, oder besser gesagt, Unzeiten, Bestleistung oder überhaupt irgendeine Leistung abzuverlangen, betrachte ich nahezu als versuchte Körperverletzung. Wenn ich gelegentlich davon träume, im nächsten Leben Golfprofi werden zu wollen, sollte ich mir das vorher noch einmal alles ganz genau überlegen!

Golf im Fernsehen zeigen andere Dimensionen, andere Welten, fremde Welten und vor allem: Ferne Welten. Welten, welche sich für gemeine Hobbygolfer im Allgemeinen niemals erschließen werden. Welch phantastische Leistungen der Golfprofis man geboten bekommt, ist wirklich erstaunlich, gar grandios. Mit scheinbar ungeahnter Leichtigkeit wird dem Zuschauer Golf vom Feinsten und vom Weitesten geboten. Sogar Fehlschläge beherrschen Golfprofis. Bei einem Tausendmeterdrive ins Rough ist es absolut bemerkenswert, wie Profis sich aus weniger guten Lagen zu befreien in der Lage sind, ohne den Score dabei komplett zu versemmeln. Dabei müssten wir Hobbyspieler doch eigentlich die wahren Experten darin sein, aus schlechten Lagen zu spielen, oder?!  :-)

Bemerkenswert auch, wie man beim zuschauen immer wieder unbewußt das Spiel der Profis mit den eigenen Spielfertigkeiten abgleicht. Beim Putten z. B. fragt man sich automatisch, warum er diesen oder jenen Putt nicht einfach versenkt hat, war doch ein einfacher Putt, oder?! Ja, ja, vor dem Fernseher werden wir plötzlich alle zu Profis!

Und interessant immer wieder, wie man als Zuschauer im Laufe der Übertragungen Sympathien für den einen oder andren Profi entwickelt. Dabei frage ich mich, wie man Sympathien lediglich aufgrund von Fernsehbildern entwickeln kann, wo man diese Menschen eigentlich doch gar nicht kennt? Liegt es etwa am Outfit, der Sonnenbrille, der Farbe der Shirts oder sind es die coolen Gürtel am Hosenbund? Was verleitet dazu, für bestimmte Golfer die Daumen zu drücken und für andere weniger? Ist es gar eine Form von Verbundenheit, wenn ich Sympathien für Phil Mickelson hege, nur weil auch er ein Linkshänder ist? Golf im Fernsehen ist zuweilen tatsächlich sehr unterhaltsam – vor allem auch, wenn Rory so toll spielt, dieser coole Typ hatte umgehend meine Sympathien!

Aber ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich letztlich doch viel lieber selber spielen gehe. Schaue ich mir Golf im Fernsehen an, greife ich gerne zu einem Golfschläger und schwinge wild im Wohnzimmer herum und möchte am liebsten sofort raus auf den Platz, aber wir haben noch immer kein Flutlicht. Vielleicht kann Golf im Fernsehen über die furchtbaren Wintermonate hinwegtrösten, wenn der Heimatplatz mal wieder gesperrt ist wegen Frost.

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, denn ich möchte doch gerne Rorys grandiosen Sieg erleben – zumindest drücke ich ihm die Daumen für einen Sieg!

Unterhaltsame Grüße

Frau Oelmann

Uihhh, es ist schon ziemlich spät … ob ich überhaupt so lange noch wach bleiben kann?

P.S.: Damengolf scheint im Fernsehen nicht so präsent zu sein…

Montagmorgen, 6.51 Uhr: Soeben lese ich, dass Rory es geschafft hat. Er hat die Konkurrenz mit 8 Schlägen deutlich distanziert und wurde glanzvoller Major-Sieger mit 13 unter Par – Herzliche Gratulation, Rory!!!

2 Kommentare

  1. Frau Oelmann said,

    14. August 2012 um 21:43

    … und dann ist noch ein gewisser Herr Miguel Angel Jimenez … was hat dieser Gentleman für eine furiose Schlussrunde gespielt – nichts hat er ausgelassen: vom Eagle bis zum Doppel. Ich lieeeebe solche Lebemänner, solch farbenfrohe Charaktere! :-)

  2. 13. August 2012 um 21:04

    Hallo Frau Oelmann,
    ja – Golf kann schon fesselnd sein. Nur versuche ich mein gehacke erst gar nicht mit denen von der Tour zu vergleichen.

    Was die Uhrzeiten angeht, muss man sich nur vor Augen führen das die im Grunde genommen alle Selbstständige sind. Wer nicht bereit ist auch mal früher oder später zu Arbeiten – der kommt auch zu nichts. Ist dort auch nicht anders als im wahren Leben ;)

    Was Sympathien angeht, so habe ich auch die eine oder andere. Hängt bei mir meist mit der Herkunft zusammen und/oder mit allem drum herum zusammen. Ich mag z.B. Luuuuuke ganz gern spielen sehen, auch Marcel Siem gefällt mit (mehr als Martin) und Ian Poulter – nur weiß ich bei ihm nicht warum ;)

    bis denne und viel Spaß beim Golf schauen
    rebel


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