Alte Weiber, Radtouren und Mini-Golf

Traumhaft schöne Tage eines bemerkenswerten Altweibersommers lenken wunderbar ab von weniger bemerkenswert verlaufenen Clubmeisterschaften. Weitgehend golfbefreit wollten die kommenden Tage gesellig und entspannt in Biergärten und bei Radtouren verbracht werden.

Die Radtour hatte besonders viel Spaß bereitet, denn sie hatte es in sich, mit all ihren Anstiegen und auch rasant schnellen Abfahrten. An der 7-Gang-Naben-Schaltung meines soliden Tour-Radls stand mir nach den Jahren nur noch der 4. Gang zur Verfügung, weil Fachwerkstätten das Schaltproblem (auch für viel Geld) nie in den Griff bekamen. Und so kam ich Talwärts mit dem Treten kaum nach, drohte sogar komplett durchzudrehen, was in meinem Fall allerdings kaum weitere Beachtung fand. Als wir irgendwann eine gemütlich positioniert anmutende Parkbank zu einer Verschnaufpause ansteuerten, kam Freude auf, denn mein Hinterteil war das längere Radeln nicht mehr gewohnt. Ausgiebigere Radtouren gehörten mittlerweile der Vergangenheit an, was ich sehr schade fand, da ich diese Form der Fortbewegung ein Leben lang sehr gerne zelebrierte. Zuletzt fuhr ich allerdings nur noch aus praktischen Erwägungen: zum Supermarkt, zum Arzt oder zu Freunden in der unmittelbaren Nachbarschaft auf der anderen Straßenseite. Ja, diese Etappe unserer „Tour de Ruhr“ an jenem Abend bereitete mal wieder richtig gehend Freude.

OK, zugegeben, unterwegs stellte ich mir schon hin und wieder vor wie es wäre, jetzt ein Eisen 8 dabei zu haben und bei voller Fahrt einen Golfball vor sich her zu treiben. Was Polo-Spieler konnten, würden wir ja wohl auch noch hinbekommen, denn wir Golfer müssen uns schließlich mit noch kleineren Bällen rumschlagen!

Inzwischen bereits vier Tage nahezu vollkommen golfbefreit, war ich nun nicht mehr zu bremsen und sagte für Samstag einer Runde Mini-Golf zu. Gute Güte, was war da los auf der Anlage. War Bruce Springsteen zu Gast und gab Autogramme? Seelenruhig ließ ich die Blicke schweifen. Ich schaute mir den ersten Abschlag an, ein Par 3, sah einfach zu spielen aus. Aber das kennen wir ja … was einfach aussieht … hahaha! … als plötzlich von rechts ein Ball wie aus dem Nichts angeflogen kam. Ein Querschläger gehört zum täglichen Brot auf Golfplätzen, aber warum ertönte nicht wenigstens einmal der international anerkannte Warnruf „Fore“, der allenthalben für Sicherheit im sportlichen Miteinander sorgen sollte?!

Es fiel auf, dass es hier keine Unterschiede zwischen Herren- und Damenabschlägen gab und alle von Winterabschlägen spielen mussten, kleinen viereckigen metallenen Matten, die ziemlich verbeult aussahen. Außerdem ging es zu wie auf einem Ameisenhaufen. Die Flights liefen kreuz und quer hin und her, ein einziges großes Durcheinander – Quereinsteiger am Wochenende, na prima! Was würde der Marshall dazu sagen?

Die 7. Bahn schien eine echte Herausforderung, es handelte sich hier offenbar um ein langes Par 4. Ich beobachtete, dass der Spieler sagenumwoben weit ausholte und als Reflex auf diese Ausholbewegung holte ich vorsichtshalber schon einmal tief Luft, um auf den international anerkannten Warnruf im Sinne der allgemeinen Sicherheit vorbereitet zu sein. Gottlob verfing sich der Slice im Netz und niemand wurde verletzt. Schließlich entschieden wir uns, die Runde auf ein anderes Mal zu vertagen, zumal wir keine Ballspindel fanden und auch nicht wussten, bei welcher Schlange an welchen Abschlägen wir uns hätten anstellen sollen. Die Bags geschultert zogen wir wieder davon.

So beschlossen wir diesen schönen Mittag in der Eisdiele bei einem großen Becher Eis mit ganz viel Sahne. Hier war es nicht überlaufen, denn sie waren ja alle auf der Mini-Golf-Anlage. Und während wir so da saßen und genüsslich vor uns hin schlemmerten, dachte ich bereits an Sonntag. Dann würde ich mein Hickory-Set schultern und wir würden schon sehr früh aufbrechen zu einer gemütlichen Morgenrunde bei anhaltend schönstem Wetter. Erstaunlich, was alte Weiber immer wieder zu leisten im Stande sind!  :-)

Spätsommerliche Grüße,

Frau Oelmann

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