Jimi Hendrix und das Golfspiel

Auf dem Heimweg heute Abend nach der täglichen Fron schalte ich mal wieder das Radio ein, WDR 2. Ein Sender, welcher für grundsolide Information als auch ebensolche musikalische Grundversorgung verantwortlich zeichnet. Ein Sender, bekannt dafür, tagsüber gerade einmal an Rosenmontag die Contenance zu verlieren und Musik der Kölsche Jecken Brings einspielt – also zumindest bis spätestens dann um 20 Uhr bis zur Tagesschau, wenn anschließend das ZDF übernimmt, um live die Karnevalssendung aus Köln-Gürzenich zu übertragen.

Auf besagtem Heimweg heute Abend, es muss gegen etwa 18.14 Uhr gewesen sein (?), horchte ich auf, an jener Ampel, von der sich ungefähr durchschnittlich täglich etwa jeder Autofahrer fragen dürfte, warum es diese Ampel überhaupt gibt (so, wie viele andere auch!), der jedweden ansatzweise vorsichtig aufblühenden Verkehrs-Flow garantiert wie aus dem Nichts jäh wieder in Keim erstickt. Ich drehe auf, also das Radio … ich habe die Lesebrille nicht auf, vermute aber aufgrund der noch vermeintlich einigermaßen funktionierenden Gehörgänge, dass ich die maximale Radio-Lautstärke kurz vor Anschlag einstellt haben muss und verliere mich in Jimi’s Song „Hey Joe“. Was für ein Song! – Es grenzt nahezu an ein Wunder, dass ich nicht verträumt im nächsten Graben ende … Grundgütiger, was liebe ich seine weiße, für Linkshänder aufgezogene, Fender Stratocaster unter seinen Fingern…

Vor dem Graben zur Rechten bekomme ich die Kurve zur Linken noch soeben und frage mich – nicht zum ersten Mal – ob nicht die Möglichkeit bestünde, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, fünfzehn Jahre zu spät in diese Welt hinein geboren wurde. Geboren 1965 im Jahre des Herrn schlägt mein Herz seit jeher für die Töne der Woodstocker Siebziger und niemand kann mir erklären, wie das möglich sein kann. Mir sind mitunter Songs, Melodien bekannt, die mein Jahrgang gar nicht kennen dürfte, zuweilen in einer Form, als hätte ich zu jener Zeit meine Zeit erlebt.

Ja, ich gestehe: mein Herz schlägt für eine Zeit, in welcher ich laut Geburtsurkunde noch nicht auf der Welt gewesen bin. Aber ich gebe mich ob meiner gelegentlichen Verwirrung meiner Zeit-Zugehörigkeit dennoch zufrieden, denn: man stelle sich vor, ich wäre tatsächlich fünfzehn Jahre zuvor zur Welt gekommen. Hätte ich dann jemals (m)einen Golfweg eingeschlagen? Dieser Gedanke behagt mir nicht.

Hin und hergerissen ob meiner musikalischen Gesinnung wage ich zaghafte Versuche abzuwägen: welcher Lebensweg wäre derjenige welche gewesen, der mich in vollkommene Zufriedenheit gestürzt hätte? Sollte ich tatsächlich einmal damit beginnen, nach einer Wahrheit zu suchen? Was würde im Ergebnis dieser Suche zu Tage gefördert werden? Wollte ich es wahrhaftig wissen? Ein Afrikanisches Sprichwort sagt: „Wer die Wahrheit sucht, muss damit rechnen, sie zu finden.

Schließlich öffnete ich die Schranktür und zog das Album von Jimi aus der Mitte.

jimi

Mein CS Dual 2215 Precision Belt Drive lächelt. Wie lange hatte ich kein Album aufgelegt … zuletzt wohnhaft in Altbauten sprang die Nadel nur so über das Vinyl im allgemeinen Party-Getümmel. Led Zeppelins „Kashmir“ weiß ein Lied davon zu singen, so sehr ist dieser Song abgespielt … „Lagerfeuereffekt“ nenne ich dieses Vinyl-Knistern liebevoll…

Meine Liebe zu Jimi’s Fender Stratocaster in seinen Fingern steht inzwischen derjenigen zu meinen 752 TC in den Meinen in Nichts nach. Mein Gott, was liebe ich sowohl als auch … wie gerne hätte ich Jimi zu Lebzeiten live on stage erlebt … indes … was hätte Jimi wohl dazu gesagt, hätte er Spitz bekommen, dass mein Herz auch für das Golfspiel schlägt?

Wankelmütige Grüße,

Frau Oelmann

~~~

11.03.2016Nachtrag: mit Begriffen wie „CS Dual 2215 Precision Belt Drive“ kann auch die Autorin dieses Blogs nicht umgehen, sondern lediglich anwenden … und zwar durch auflegen … auflegen eines Vinyls …

high prec belt drive

5 Kommentare

  1. Petr Jandl said,

    11. September 2016 um 12:03

    sorry…ich habe keine „Antwort“ auf meinen Beitrag vom 10.3. erwartet und entsprechend nicht mehr reingeschaut. Der Eugen schrieb viel über die Frau Oelmann, was ich mit der letzten Bemerkung im März ganz genau gemeint habe, weiss ich nicht mehr, von Eugen seiner Bescheibung kommt aber immer wieder eingeutig heraus, dass Frau Oelmann eine aussergewöhnliche Frau ist, bzw. dass sie von der Standardvorstellung (wollte schreiben „Ausführung“, was man mir – auf die Sprachbarriere schiebend – sicher verzeihen könnte :-) stark abweicht.
    Liebe Grüsse aus Prag!.

  2. Frau Oelmann said,

    11. März 2016 um 19:27

    Verehrter Herr Jandl,
    vielen Dank für Ihre Gedanken … indes … „mit Begriffen wie – CS Dual 2215 Precision Belt Drive – umgehen“ ist vielleicht ein wenig übertrieben, ich würde annehmen, ich habe lediglich gelesen, was da steht auf dem Gerät. :-)
    Darf ich fragen: was bedeutet „Eugen hat mit der Frau Oelmann Recht gehabt.“?

    Interessierte Grüße,
    Frau Oelmann

  3. Petr Jandl said,

    10. März 2016 um 15:36

    Ich kenne keine einzige Frau, die Hendrix, Kashmir und ähnliches nicht nur kennt, aber auch gerne hat, dazu noch Golf spielt und sogar mit Begriffen wie – CS Dual 2215 Precision Belt Drive – umgehen kann. Nicht mal meine Frau sagt „komm, wir hören uns heute Jimi an“ und sie ist täglich mit der (sehr) lauten Schönheit konfrontiert, hätte eigentlich die besten Voraussetzungen. Das Gefühl beim Lesen errinert mich stark an die Frau Woodhams, eine ältere Dame, die lange Jahre als Auslandskorrespondentin des CZ Rundfunks in Wien gearbeitet hat, ich sie 20 Jahre lang gerne zuhörte und genauso lange sie kennenlernen wollte. Dann habe ich sie wirklich getroffen und ihr meine Freude erklärt. Sie sagte ganz trocken zu mir: schön, sie kommen aber 40 Jahre zu spät. Das heisst nur eines: Eugen hat mit der Frau Oelmann Recht gehabt.

  4. 9. Februar 2016 um 22:39

    Etliche der alten Rock’n Roller (die überlebt haben) spielen heute Golf. Ob Jimi auch – wer weiß? Ich habe ihn auf Fehmarn nicht erleben können, nur Noel Redding mit seiner Band „Fat Matress“. Hendrix war ein Weckruf, der weit über das Sonnensystem hinaus gehört wurde.

  5. 9. Februar 2016 um 22:39

    Kann jeden Buchstaben…. jedes Wort… jeden Satz… und jeden Gedankengang nachvollziehen.


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