Über verwachsene Golfwege

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am gestrigen Abend registrierte ich voller Entsetzen, dass zwei meiner geliebten Hickories Rost angesetzt haben!

hickories rost

Der Verzweiflung nah, griff ich zu zwei Flaschen Bier, schnappte meinen Mashie und schellte Sturm bei meinen Nachbarinnen. Ich musste hier und sofort unbedingt mit jemandem darüber sprechen. Dabei konnte ich nunmehr auch keine Rücksicht mehr darauf nehmen, dass es sie vermutlich nicht weiter interessieren würde und bestenfalls ein müdes Lächeln für diese meine Verzweiflung würden entwickeln können…

Die Nacht verlief entsprechend unruhig und ich fiel einem zähen Grübeln zum Opfer: was war geschehen, dass unbemerkt Rost über meine Hickories herfallen konnte? Mit Eintreffen der Morgendämmerung überkam mich schließlich eine wohlige Müdigkeit und ich schlief endlich tief und fest ein…

Der Rost war ganz offensichtlich Symbol dafür, dass mich meine Lebensumstände in den vergangenen zwei Jahren sukzessive in eine andere Richtung gelenkt haben, ziemlich weit entfernt von meinem Golfweg: Meine Lehnsherren, die zur täglichen Fron rufen, dachten sich unbarmherzig stets spannende Aufgaben für mich aus, dessen Anforderungen meinen Sportsgeist täglich aufs Neue herausforderten. Und unsere lieben Eltern bedurften zunehmend der Aufmerksamkeit ihrer Kinder. Zudem musste ich mich gelegentlich auch immer wieder um mich selbst kümmern. Mein tief empfundener Dank an dieser Stelle gilt Erwin, meinem Physiotherapeuten, der es immer wieder schafft, meine maroden Gebeine alltagstauglich herzurichten, bevor ich mich selbst hinrichte.

Und so kam es, dass meine Zeitressourcen eine neue Einteilung in ihren Wertigkeiten erfuhren und die Golf-Zeitressourcen dabei nach und nach gegen Null liefen.

Temporär schien sich durchdringliches Dickicht ungeniert über meinen Golfweg breit zu machen. Meinen Golfkameraden sei Dank ist jedoch ein kleiner Trampelpfad erhalten worden. Sonnenstrahlen bahnen sich noch immer vereinzelt ihren Weg durch dieses Dickicht. Sonnenstrahlen, die mich hie und da an unvergessliche, lichte Momente meines Golfweges erinnern … wie ich z. B. einst Eugen Pletsch auf seinem Heimatplatz in Winnerod mit meinem Brassie ausgedrived habe, während er moderne Hölzer spielte … oder die für alle Zeiten schier unvergessliche Woche in Schottland, als ich mich aufmachte, Perry Somers und Randy Jensen zu ihrem The Great Match zu begleiten … oder der Tag, an dem mir die Golfgöttin die Ehre zu Teil werden ließ, einmal im Leben Dutch Hickory Champion of the Ladies zu werden.

Diese Erinnerungen sind so wunderschön, dass es an der Zeit ist, endlich auch wieder neue Geschichte zu schreiben. Und vielleicht auch neue Geschichten. Indes, ganz sicher dann aber auch wieder nur auf diesem schlichten Golfblog (ich bringe es einfach nicht fertig, mich bei dieser Zuckertruppe anzumelden, einem der größten Zeitfresser aller Zeiten, wie es immer häufiger heißt). Zudem verrät ein Blick in die Blog-Statistik, dass sich bis zum heutigen Tage noch immer Leserinnen und Leser finden, die sich auf diese Seite verirren. Also warum nicht heimisch und verwurzelt bleiben?!

Und so wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine wunderschöne Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr 2015 – Ein gutes neues Jahr, um auch dem Rost den Garaus zu machen!

Herzliche Grüße an einem sonnigen Wintertag wünscht Ihnen Ihre

Frau Oelmann

~~~

Danksagung

Andreas, vielen Dank, dass Du mich seinerzeit unter großen Anstrengungen davon abhalten konntest, diesen Blog vor dem Nirwana zu bewahren!

Eugen, ich hoffe, dass Du es eines Tages überwinden wirst, dass ich Dich mit dem Brassie ausgedrived habe. Indes, mindestens genauso schwer dürfte für mich die Schmach wiegen, Dir bis heute nach all den Jahren nicht ein einziges Mal auch nur einen einzigen Matchplay-Sieg abgerungen zu haben. – Vielen Dank für unsere stets wunderschönen und zugleich spannenden Runden! :-)

Mario L., Du hattest natürlich recht: lass‘ uns meine Entscheidung, das Schreiben beendet zu haben, im kommenden Jahr nach der Frühjahrsschmelze einer erneuten Prüfung mittels einer Matchplay-Runde unterziehen!

Ulf, hömma, die heurigen Clubmeisterschaften musste ich aufgrund von Formschwäche zwar absagen, was Dich aber keinesfalls davon befreien wird, dass ich kommendes Jahr auf Dein Angebot zurückkommen werde. :-)

Advertisements

6 Kommentare

  1. 14. Dezember 2014 um 18:26

    Liebe Sabine,
    Na siehste, geht doch!
    Man muss Dich nur mal am Sonntag morgen früh genug erwischen und Dich in Deinem Koma vollplappern und schon läuft es.
    Dass Du ZWEIMAL erwähnen mußtest, wie Du mich mit Deinem Hickory Brassie ausgedrived hast, war zwar unnötig, aber Kenner wissen jetzt, dass Du einen Brassie mindestens 145 Meter schlagen kannst.
    Doch warte – ich arbeite dran. Seit mein Schwung im Netz zu sehen ist, habe ich viele Kommentare gehört, dass alles ganz einfach wäre, wenn ich nur….na, wir werden sehen.

    Also: Welcome back und ich hoffe, dass Dir 2015 weitere Zeilen aus den Finger rutschen.
    Z.B. nach unserer Frühjahrsrunde, wenn ich Deinen Brassie mit einem Eisen 7 kurz lassen werde…

    Bis dahin – gemütliche Feiertage
    Eugen

  2. Frau Oelmann said,

    14. Dezember 2014 um 21:02

    Lieber Eugen,
    nun gut, Du hast es so gewollt: dann werde ich halt berichten über unsere Frühjahrsrunde. Aber bitte beklage Dich anschließend nicht! :-)
    Fröhliche Festtage,
    Sabine

  3. rebel said,

    14. Dezember 2014 um 22:11

    Huraa, sie schreibt wieder. Ich freue mich über weitere Artikel.

    liebe Grüße
    rebel

  4. 16. Dezember 2014 um 10:36

    hab was vermisst – schön wieder was von Frau Oelmann zu lesen – ich wünsche eine geruhsame Weihnachtszeit und allzeit Schönes Spiel. Der Winter und die Golfgötter meinen es gut mit uns und an den Wochenenden treibt es uns immer noch raus auf den Platz…..

  5. Frau Oelmann said,

    16. Dezember 2014 um 19:26

    Liebe Martina, lieber rebel,
    es freut mich wirklich sehr, wenn meine Gedanken zum Golfspiel die Schnelllebigkeit der multimedialen Neuzeit auf diesem schlichten Blogportal die Jahre überdauert haben.

    Und so wünsche ich allen Golfverliebten auf Ewig die Freude am Spiel!

    Herzliche Grüße,
    Frau Oelmann

  6. ulf said,

    2. Februar 2015 um 18:24

    Hallo Sabine,

    schön das Deine Feder wieder tanzt und Du Dich trotz all der Frohndienste an mein Angebot erinnerst. Ich überlege ob ich die Iden des März nutze, um den Rost von Deinen Schlägern und von Deinem Golfschwung zu lösen…
    Alles Liebe Dein ulf


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s